Ein Kommentar von Philipp Selldorf

Selten war die Konkurrenz des FC Bayern so schöpferisch und so zahlreich wie in dieser Saison. Sie sollte diesen Moment genießen. Denn nächstes Jahr ist das wohl wieder anders.

Eine Weisheit Rudi Völlers besagt, dass jeder Mann, der fünf Jahre Trainer bei Bayern München sein darf, gar nicht so viel falsch machen kann, dass er nicht trotzdem wenigstens drei Mal Meister wird. Jürgen Klinsmann hat es in München nur auf zehn Monate gebracht, und noch weiß niemand, ob seine Dienstzeit in eines dieser verflixten Jahre gefallen ist, die zufällig nicht mit der Feierstunde auf dem Marienplatz enden.

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Der Wunsch nach der Schale: Die Bayern-Fans hoffen auf die nächste Meisterschaft. (© Foto: AP)

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Sicher ist: Falls es doch eines dieser üblichen Jahre ist, in der die Liga zum Schluss ebenso sehnsüchtig wie fatalistisch auf den Marienplatz guckt, dann wird das Volk dort nicht Jürgen Klinsmann feiern, sondern den Notarzt Jupp Heynckes. So schnell und vergänglich ist das Trainerleben in München.

Was zu der Frage führt, ob die Bayern diesen Titel denn überhaupt verdient hätten. Die Branche pflegt diese Erörterung meistens mit der Stereotype zu erschlagen, dass den Titel verdient, wer am Ende oben steht. Aber in Wahrheit geht es ja um den moralischen Hintergrund, der sich nicht in Zahlen fassen lässt.

Das Land würde auf jeden Fall vor Verdruss und Langeweile stöhnen, wenn die Bayern Meister würden, und der Rest der Bundesliga würde sich noch tiefer in die Demut begeben, denn diesmal haben sich die anderen Klubs viel einfallen lassen, um eines der Münchner Zwischenjahre zu erwischen. Selten war deren Konkurrenz so schöpferisch und deswegen auch so zahlreich.

Wolfsburg zum Beispiel hat das Magath-Monopol geschaffen, Stuttgart die Babbel-Ära, Hertha das Favre-Kollektiv, Dortmund die Klopp-Truppe. Auch Jols Hamburger und Rangnicks Hoffenheimer haben die Saison prägnant beeinflusst. Dass die Namen der Trainer so eng mit den besonderen Leistungen ihrer Teams verbunden sind, das zeugt von dem stilprägenden und eben planvollen Effekt ihrer Arbeit. Moralisch betrachtet, hätte jede dieser Trainermannschaften den Titel verdient, selbst den inzwischen mittelmäßigen Hoffenheimern könnte man einen Zipfel der Schale gönnen.

Für das Publikum ist diese Vielfalt ein Glück und für die Bundesliga ein Kompliment. Alle sollten das genießen. Denn während die Bayern planen, in der nächsten Saison wieder ein reguläres Jahr einzulegen und dazu schon ihren Geldspeicher geöffnet haben, sehen die Herausforderer bereits die kommenden Probleme. Wolfsburg muss sein Monopol neu erfinden, Stuttgart das Gomez-Loch schließen, Hoffenheim den Wirklichkeitsschock verkraften. Und so weiter. Rudi Völler weiß, wie es ist im Fußball.

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