Selten war die Konkurrenz des FC Bayern so schöpferisch und so zahlreich wie in dieser Saison. Sie sollte diesen Moment genießen. Denn nächstes Jahr ist das wohl wieder anders.
Eine Weisheit Rudi Völlers besagt, dass jeder Mann, der fünf Jahre Trainer bei Bayern München sein darf, gar nicht so viel falsch machen kann, dass er nicht trotzdem wenigstens drei Mal Meister wird. Jürgen Klinsmann hat es in München nur auf zehn Monate gebracht, und noch weiß niemand, ob seine Dienstzeit in eines dieser verflixten Jahre gefallen ist, die zufällig nicht mit der Feierstunde auf dem Marienplatz enden.
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Der Wunsch nach der Schale: Die Bayern-Fans hoffen auf die nächste Meisterschaft. (© Foto: AP)
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Sicher ist: Falls es doch eines dieser üblichen Jahre ist, in der die Liga zum Schluss ebenso sehnsüchtig wie fatalistisch auf den Marienplatz guckt, dann wird das Volk dort nicht Jürgen Klinsmann feiern, sondern den Notarzt Jupp Heynckes. So schnell und vergänglich ist das Trainerleben in München.
Was zu der Frage führt, ob die Bayern diesen Titel denn überhaupt verdient hätten. Die Branche pflegt diese Erörterung meistens mit der Stereotype zu erschlagen, dass den Titel verdient, wer am Ende oben steht. Aber in Wahrheit geht es ja um den moralischen Hintergrund, der sich nicht in Zahlen fassen lässt.
Das Land würde auf jeden Fall vor Verdruss und Langeweile stöhnen, wenn die Bayern Meister würden, und der Rest der Bundesliga würde sich noch tiefer in die Demut begeben, denn diesmal haben sich die anderen Klubs viel einfallen lassen, um eines der Münchner Zwischenjahre zu erwischen. Selten war deren Konkurrenz so schöpferisch und deswegen auch so zahlreich.
Wolfsburg zum Beispiel hat das Magath-Monopol geschaffen, Stuttgart die Babbel-Ära, Hertha das Favre-Kollektiv, Dortmund die Klopp-Truppe. Auch Jols Hamburger und Rangnicks Hoffenheimer haben die Saison prägnant beeinflusst. Dass die Namen der Trainer so eng mit den besonderen Leistungen ihrer Teams verbunden sind, das zeugt von dem stilprägenden und eben planvollen Effekt ihrer Arbeit. Moralisch betrachtet, hätte jede dieser Trainermannschaften den Titel verdient, selbst den inzwischen mittelmäßigen Hoffenheimern könnte man einen Zipfel der Schale gönnen.
Für das Publikum ist diese Vielfalt ein Glück und für die Bundesliga ein Kompliment. Alle sollten das genießen. Denn während die Bayern planen, in der nächsten Saison wieder ein reguläres Jahr einzulegen und dazu schon ihren Geldspeicher geöffnet haben, sehen die Herausforderer bereits die kommenden Probleme. Wolfsburg muss sein Monopol neu erfinden, Stuttgart das Gomez-Loch schließen, Hoffenheim den Wirklichkeitsschock verkraften. Und so weiter. Rudi Völler weiß, wie es ist im Fußball.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 11.05.09)
Totilas und sein Reiter
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Mögen sich andere Mannschaften derzeit in Europa mit viel, viel Geld, teilweise auch mit Geschick besser anstellen in der Chamionslegue als die Deutschen, dann ist das ein Phase, die auch wieder vorübergehen wird.
In der Bundesliga haben wesentlich mehr Spiele ansehnliches Niveau, als z.B. in England. Abgesehen von den hier mehrfach erwähnten Spitzenteams wird dort nichts geboten als Rumpelfußball, nur der wird auch nicht auf Premiere gezeigt.
Mir ist ein System sympathischer, daß nicht ausschließlich auf Mäzene (England) oder hohe Verschuldungen (Italien, Spanien) angewiesen ist, daß, bis auf wenige Ausnahmen, keine Mafiosi, Verbrecher oder Oligarchen im Hintergrund hat.
Und selbst wenn jemand wie Herr Hopp auftritt, weiß er darum (und darüber bin ich froh), daß er sehr darauf achten muß und wohl auch will, nachhaltig zu agieren und nicht nur seinem Ego genüge zu tun.
Ich freue mich auf die letzten drei Spieltage ungemein!
Ansprüche sollte nur der stellen, der sie selbst auch erfüllen könnte... ;-)
Ihr Einwand ist durchaus berechtigt: Das Mürbemachen hat in Düsseldorf gegen Leverkusen gar nicht funktioniert; wenn Sie aber das Spiel live gesehen haben: es hätte tatsächlich trotz allem noch anders ausgehen können. Meiner Meinung nach hat der FCB damals allerdings über eine Stunde nicht die Taktik gespielt, den Gegner mürbe zu spielen, sondern schlicht nicht ins Spiel gefunden.
Für Heimspiele gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht: Dort gehört der Gegner von Anfang an an die Wand gespielt. Bei Auswärtsspielen: es kommt darauf an. Wie ich ja gesagt habe: die Taktik wird vom Gegner mitdefiniert, und darauf muss sich eine Mannschaft einstellen können und über entsprechende Optionen verfügen.
Und dann können eben Zuschauer sehr gut damit leben, wenn phasenweise Tempo aus dem Spiel genommen wird (natürlich nicht über 90 Minuten).
Sportliche Grüße!
Das mit dem "mürbe machen" klappt aber nicht immer, geschätzter alter Freund pnin05. Was nützt es - wie in Düsseldorf im Pokal geschehen - wenn der Gegner nach 70 Minuten mürbe ist, aber schon 3:0 führt? In Barcelona war's ja noch doller: Da haben die Bayern wohl beschlossen, sich selbst zu zermürben. Ganz in der Manier von Pál Csernai wurde wie vor 30 Jahren im Raum verteidigt. Und nur im Raum! Ich werde meine Meinung wahrscheinlich nie ändern: Zumindest für Mannschaften, die von der Papierform her der klare Favorit sind, ist die sofortige Dominanz mit dem Ziel, den Gegner zu demoralisieren, bevor er überhaupt mürbe werden kann, die einzig wahre Taktik. Wenn der Favorit sich weigert, seine vorhandenen Offensivstärken konsequent auszzuspielen, dann mag das mitunter auch erfolgreich sein, aber auch anstrengend und eben nicht sehr attraktiv. Ich glaube übrigens generell nicht, dass die Zuschauer sehen wollen, dass das Tempo aus dem Spiel genommen wird.
Das war jetzt gleich ein mehrfaches Missverständnis: es geht einem richtigen Fan nie nur allein darum, dass "seine" Mannschaft das Feld als Sieger verlässt. Und man kann, wie Sie richtig bemerken, auch mit einer Niederlage gut leben, wo das Team alles gegeben hat.
Mir ging es in meinen Bemerkungen nur darum festzuhalten, dass manche falsche Ideologien über "attraktiven" Fußball im Umlauf sind, die so, wie sie sind, unbefriedigend sind. Ich denke, wir wollen alle nicht nur Ergebnisfußball sehen. Aber Spiele wie im Vorfeld des CL-Gewinns vom FCB 2001 (1:0 in Madrid, 1:0 in Manchester) sind natürlich primär Taktikspiele, über deren Ergebnisse sich riesig freuen ließ.
Wie ich gesagt und gemeint habe: Es kommt auf die angemessene Taktik und das angemessene Spiel an, und beides wird eben - insbesondere bei Auswärtsspielen - sehr stark vom Gegner mitdefiniert.
Paging