Von M. Neudecker

Der Amerikaner Landon Donovan hält sich beim FC Bayern fit. Trainer Klinsmann scheint viel von ihm zu halten. Könnte Donovan der neue Podolski werden?

Die US-Schauspielerin Bianca Kajlich hat eine Tätowierung auf der rechten Schulter, einen Schmetterling, man kann das im Internet nachlesen und sogar sehen, weil man im Internet ja alles nachlesen und sehen kann. Sie hat außerdem: ein Haus in Manhattan Beach, Kalifornien, eine Katze, drei Hunde und einen fünf Jahre jüngeren Ehemann.

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Bayern-Trainer Klinsmann hält viel vom Amerikaner Donovan (links). (© Foto: Getty)

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In einer der Hochglanz-Magazin-Listen, die "100 hottest women" heißen und stets mit viel Liebe zum Detail illustriert werden, hat Bianca Kajlich 2007 Platz 63 belegt, alle Achtung. Landon Donovan, ihr Ehemann, sagt: "Sie ist eine tolle Frau." Er sagt das aber nicht nur wegen Platz 63, natürlich nicht, sondern vor allem, weil sie ihm mitgeteilt habe, dass er nach Europa gehen dürfe, wenn er denn wolle. Und Landon Donovan will nach Europa, unbedingt sogar.

Landon Donovan, 26, läuft in der US-Profiliga für Los Angeles Galaxy auf, er ist erst kürzlich zum fünften Mal in den vergangenen sieben Jahren zu Amerikas Fußballer des Jahres gewählt worden. Jürgen Klinsmann sagt über ihn: "Er ist der Ausnahmefußballer in Nordamerika, inklusive Mexiko und allem, was sonst da noch dazugehört." Seit Dienstag ist Landon Donovan beim FC Bayern, als Trainingsgast, Klinsmann persönlich hat ihn eingeladen. Er hatte Donovan schon im Sommer angerufen, "da konnte ich nicht, weil die Saison in den USA noch lief", sagt Donovan.

Hoeneß: "Er bringt alles mit"

Jetzt ist die Saison zu Ende, und Donovan ist hier. Am ersten Tag, sagt er, "war ich ganz schön nervös". Er soll sich präsentieren, schließlich sind die Bayern offenbar alles andere als abgeneigt, Donovan zu verpflichten. "Kicken kann er", sagt Bayern-Manager Uli Hoeneß. "Generell bringt er alles mit, um in Europa zu bestehen", sagt Jürgen Klinsmann. Generell. Aber je länger Klinsmann spricht, desto größer wird sein Lob, und auf die Frage, ob er überlege, Donovan unter Vertrag zu nehmen, sagt Klinsmann: "Die Überlegung war, ihn einzuladen." Heißt: Warum nicht?

Donovans Leistungsdaten sind beeindruckend: 20 Tore in 25 Spielen vergangene Saison, 169 Treffer in 183 Spielen in der US-Profiliga. Über die aber sagt Donovan selbst: "Es gibt in jeder Mannschaft höchstens zwei, drei Spieler, die in der Bundesliga mithalten könnten. Bayern würde locker Meister werden." Deshalb sagt er auch demütig: "Bei Bayern bin ich sicherlich nicht der beste Spieler." Aber doch gut genug, wie er glaubt. Die Zeit als Trainingsgast begreift er als "super opportunity", als Gelegenheit.

Früher für Leverkusen

Er hat schon mal für Bayer Leverkusen gespielt, von 1999 bis 2001, da war er noch nicht volljährig, er hatte Heimweh, ging zurück, ehe ihn Leverkusen 2005 erneut für rund eine Million Euro Ablöse kaufte. Dass er sich nicht durchsetzen konnte, bezeichnet er als "meinen Fehler", das Heimweh hatte ihn erneut befallen. Heute, sagt er, "bin ich eine andere Person". Eine seit 2006 verheiratete Person, die erstaunlich gut deutsch spricht.

Womöglich könnte Donovan also ebenso für die Münchner eine opportunity sein: Dass Lukas Podolski weg will, ist kein Geheimnis, nun soll der Vorstand dem Angreifer die Freigabe zur Winterpause bei entsprechender Ablösesumme erteilt haben. Donovan, der sowohl als Stürmer, als auch als offensiver Mittelfeldspieler einsetzbar ist, wäre womöglich ein idealer (und wohl günstiger) Podolski-Ersatz: einer, der sich hinter Klose und Toni fügen würde.

Ob er aber die Qualität besitzt, Podolski auch sportlich zu ersetzen, dürfte sich erst nach einer Verpflichtung herausstellen. Donovan zu holen, hieße also, ein Risiko einzugehen, zumal eine Ablösesumme an LA Galaxy fällig wäre, da Donovans Vertrag noch drei Jahre läuft, was er persönlich "schade" findet. Von Jürgen Klinsmann weiß man nun nicht wirklich allzu viel - was man aber weiß: Er ist keiner, der Risiken scheut.

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(SZ vom 14.11.2008)