Das Fußballstadion war immer schon ein Ort, den Männer und auch Frauen aufgesucht haben, um ungestört andere Menschen zu beleidigen. Doch neuerdings gibt es einen Fundamentalismus und eine Über-Emotionalisierung, die verstörend sind.
Werder Bremens Torwart Tim Wiese hat am Samstag wieder mal gesagt, was er wirklich denkt. "Ich bin froh, wenn diese &%$*'§ Saison endlich vorbei ist", hat er gesagt, und er scheint einer Menge Leuten aus dem Herzen gesprochen zu haben.
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Nach dem Abpfiff des Spiels zwischen Frankfurt und Köln kommt es zu Krawallen durch Fans, die Polizei muss einschreiten. (© dpa)
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Denen zum Beispiel, die in Frankfurt offenbar ebenfalls alles &%$*'§ finden, weshalb sie den Platz stürmten und sich mit der Polizei prügelten. Oder denen in Gelsenkirchen, die ihren Torwart ausgepfiffen haben, den wahrhaftigen Schalker Manuel Neuer, weil der sich nach 20 Jahren zum Tapetenwechsel entschieden hat. Oder denen, die in Leverkusen "Heynckes raus" riefen, weil Bayer, bis Samstag beste Rückrundenelf, zum zweiten Mal nacheinander nicht gewinnen konnte. Und nächstes Wochenende hängen vielleicht schon die Nächsten ihre zornigen Plakate mit pathetischen Parolen auf.
Das Fußballstadion war immer schon ein Ort, den Männer und auch Frauen aufgesucht haben, um ungestört andere Leute zu beleidigen: Spieler, Trainer, Schiedsrichter, zur Not die Freundin des gegnerischen Stürmerstars. Mittlerweile ist das Stadion aber auch ein Ort der moralischen Entrüstung. Niederlagen werden nicht mehr als Ergebnis des Sports debattiert, sondern vor dem Hintergrund der Vereinspolitik und eines gemeinsamen Beziehungsrahmens.
Die Frankfurter Anhänger wurden in ihrer Raserei durch die Zusage gebremst, dass Spieler und Trainer bei ihnen um Verzeihung für das 0:2 gegen Köln und den drohenden Abstieg bitten würden. Aussprachen und geheime Gipfeltreffen mit sogenannten Fan-Vertretern sind mittlerweile üblich. Neue, teils seltsame Sitten haben Einzug gehalten, fundamentalistische Ernsthaftigkeit und Humorlosigkeit sowie starke Über-Emotionalisierung haben Besitz ergriffen vom Gesellschaftsspiel.
Bevor nun der Kulturpessimismus überhandnimmt, ist anzumerken, dass zum überdrehten Erregungsniveau auch der wilde Saisonverlauf beiträgt, der viele Klubs unter Handlungsdruck gesetzt hat. So wurde das Spektakel zum Standard, die Menschen gerieten von einer Wallung in die nächste.
Die jüngste Volte ist der Sturz der Trainergrößen Felix Magath und Christoph Daum und das Glück des Lucien Favre. Während Daum und Magath als Retter willkommen geheißen wurden, hatte das Volk in Gladbach Favre mit Skepsis empfangen. Lieber wollten die Leute einen tatkräftigen Feuerwehrmann sehen, keinen komischen Schweizer für den Neuaufbau in Liga zwei. Und jetzt? Bei Borussia sind sie zuversichtlich, dass sie am Ende auf eine tolle Saison blicken dürfen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 09.05.2011/aum)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
Ein "wahrhaftiger Schalker" würde niemals, unter keinen Umständen nicht, zu den Bayern wechseln.
Eher noch nach Dortmund.
Welch glückliche Zeit, in der sich viele Probleme eines Volkes auf den Sport beschränken. Elf Jungs, zusammengekauft von reichen in- oder ausländischen Sponsoren auf der weiten Welt, laufen einem Ball nach. Organisiert von einem Verein, der seinen Sitz (noch) in der Nähe des Wohnortes hat. Der wird zum Lebensinhalt, meist in Fanclubs organisierter, Anhänger, die sich grölend und die Arme schwingend, im und ums Stadion die Zeit vertreiben. Mangels anderer Werte und Sorgen brechen sie Tränen aus, wenn „ihr“ Verein absteigen muss, weil er - wie einige einst in der Schule - das Klassenziel nicht erreicht hat.
Zwei oder drei Vereine müssen absteigen, damit das Spiel und der Wettbewerb funktionieren, frische Gesichter die Konkurrenz beleben und die Langeweile verdrängen. Wenn man den Verbleib oder Aufstieg geschafft hat, wird vom friedlichen Sport und Fairness geschwafelt. Ansonsten müssen tausende von Polizisten wöchentlich auf Kosten der Steuerzahler die, gelegentlich sogar mit Baseballschlägern oder Eisenstangen bewaffneten, Fans in Schach halten. Sport ist leider auch nur ein, nicht immer sauberes Geschäft.
noch akzeptieren.
Als höchstkommerzialisierter Sport mit vollkommen übertriebener gepushter Funktion als Vorbild-Unterhaltung der Massen muss ich dieses Opium fürs Volk ablehnen.
Trainer/Spieler-Wechsel sind Narrentheater der "Burgherren" für ihre Untertanen, die sich auch noch lang und breit darüber ereifern, wer warum gehen musste.
Brot und Spiele, Bits and Bytes, Klitschko und Konsorten: Was hat sich seit Rom und dem Colosseum geändert? Heut' gibt's Bratwürste statt Lerchenzungen! Und der Eintritt ins Colosseum war gratis.
Das einfache Ballspiel, bei welchem die Mannschaft gewinnt, die ein Tor mehr geschossen als kassiert hat, wird überschätzt! Zurück zur Einfachheit, zum Genuss, zum Spaß, zur Spannung...
Diese Woche geht eine Saison zu Ende. Jetzt erst wird abgerechnet. Beispiele: Tendenziell hätte Magath Schalke weitergebracht als es Rangnick vermochte? Eine aus dem Hut gezauberte Notlösung Daum kann keine Mannschaft der Welt in kürzester Zeit vom zahmen Stubenkater zur wilden Raubkatze machen? Es fallen einfachste spielerische Qualitäten weg. Von allen Fußballspielen am Samstagmittag war Frankfurts "Nachspiel" die unrühmliche Ausnahme. Dank gilt einem engagierten Präsidenten Fischer, der sein Herz in die Hand genommen hat und mit dem kleinen Teil der Randalierer, die sich auch "Fans" nennen, gesprochen hat.
Ob sich ein deutscher Verband für 2011/12 dazu entschließen kann, keine Trainerwechsel während der Saison mehr zu zulassen?
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Klar. Fussball.
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