SZ: War Matthias Sammer ein guter Trainer?

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Sammer: Er war ein intuitiver Trainer.

SZ: Das heißt, Sie haben vieles aus dem Bauch gemacht.

Sammer: Ja, und deshalb ist der Job des Sportdirektors für mich auch so interessant. Ich habe als Trainer viele Dinge einfach so entschieden - ich glaube auch: richtig entschieden - aber ich habe immer gespürt, dass da viele Fragen sind, die ich beantwortet haben möchte. Ich habe vieles richtig gemacht, hätte es aber nicht so genau erklären können. Ich habe gemerkt, dass ich theoretische Schulung brauche - Trainingssteuerung, Individualisierung, Persönlichkeitsentwicklung, all diese Dinge. Inzwischen kann ich das, was ich als Spieler und Trainer praktisch erfahren habe, theoretisch einordnen.

SZ: Was würde der Trainer Sammer heute anders machen?

Sammer: Ich denke, ich würde die Individualität jedes Spielers viel mehr anerkennen. Ich würde der Mannschaft zuliebe mehr Kompromisse machen. Es gibt halt nicht nur die reinen Teamplayer und Kämpfer, sondern auch die Individualisten, das sind ja fast Künstler, und die muss man vielleicht manchmal mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl behandeln. Wenn einer dieser Künstler sich in einer Trainingseinheit mal einen kleinen Freiraum nimmt, würde ich heute nicht mehr gleich durchdrehen.

SZ: Die Weisheit des Alters?

Sammer: Vielleicht, aber auch die Gelassenheit von einem, der jetzt das nötige theoretische Fundament hat. Sie haben vorhin gefragt, ob ich ein guter Trainer war: Aus heutiger Sicht würde ich das Wort ,Trainer' für mich wahrscheinlich gar nicht mehr in den Mund nehmen. Trainer ist was Größeres als das, was ich damals war. Ich war Lehrling.

SZ: Sie sind mit Borussia Dortmund Meister geworden!

Sammer: Also gut: Ich war ein erfolgreicher Lehrling.

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(SZ vom 14.08.2008/mb)