Fußball-Bundesliga Die Kritikpunkte vier und fünf

Viertens: Der Manager machte Fehler

Auch Allofs, der in Hecking übrigens erstmals einen Trainer entlassen hat, ist nicht frei von Schuld. Ganz im Gegenteil: Als omnipotenter Geschäftsführer und Manager hat er alle Transfers mit verantwortet. Doch das Näschen, das ihn einst bei Werder Bremen auszeichnete, als er Spieler wie De Bruyne oder Johan Micoud entdeckte, geht ihm seit einiger Zeit ab. Schürrle? Kruse? Draxler? Gomez? Haben in Wolfsburg (bislang) alle nicht funktioniert.

So kann sich Allofs hinstellen und Hecking vorwerfen, er habe aus der Mannschaft nicht genug herausgeholt, außerdem den Spielern polternd ihren freien Tag streichen. Es war allerdings Allofs, der diese Spieler für viel Geld geholt hat und mit ansehen muss, dass sie nicht die erhoffte Leistung bringen. Hartnäckig hält sich der Verdacht, dass viele Spieler nur des Geldes wegen in die Autostadt wechseln, aber nicht mit dem Herzen voll dabei sind. Jetzt versucht Allofs, diesen Missstand mit einem Trainerwechsel (vorerst übernimmt U23-Coach Valérien Ismaël) zu korrigieren. Dabei steht er nun gewaltig unter Druck.

Fünftens: Das Korrektiv an der Vereinsspitze fehlt

Dies ist das größte, strukturelle Problem des Vereins. Denn Allofs ist im Klub so mächtig, dass er schalten und walten kann, wie er will. Außer ihm sitzt in der Führungsetage keiner mit fußballerischer Fachkompetenz, von dem Allofs eine zweite Meinung einholen oder ein Veto kassieren könnte. Auf Geheiß von VW-Boss Francisco Javier García Sanz ist Allofs der starke Mann. Sanz ist allerdings auch der Meinung, dass sich das Investment des Autobauers in den Spitzenfußball lohnen muss - sprich: Der VfL muss international von sich reden machen.

Verpasst Wolfsburg erneut die Champions League oder, noch schlimmer, auch die Europa League, könnte es für Allofs ungemütlich werden. Nicht ausgeschlossen, dass VW seine finanzielle Unterstützung irgendwann sogar einstellt - der von Affären geschüttelte Konzern hat eigentlich genügend Ärger im Haus.

Warum nicht auch in Wolfsburg so?

In der Nationalmannschaft glänzt Julian Draxler. Beim VfL liefert er jedoch in jüngster Vergangenheit oft freudlose Vorstellungen. Von Jörg Marwedel mehr...