Von Klaus Hoeltzenbein

Die Bundesliga erlebt einen enormen Zuschauerboom, doch immer noch kommt es zu Gewaltübergriffen außerhalb der Stadien. Während die Polizei warnt, fühlt sich der DFB nicht zuständig.

Gelungen war jene Aktion mit den Spreewaldgurken. Die hatten sich jüngst die Cottbuser von der Nordtribüne einfallen lassen, sie hielten elf Tafeln mit meterhohen grünen Gurken in die Höhe, darunter prangte auf Leinwand ein Wunsch als Befehl: "Schluss mit dem Rumgegurke!" Das hatte Witz, anders als jetzt beim VfL in Bochum, einem Revier-Klub, bei dem man im Kern der Fan-Kultur eigentlich die Selbstironie vermutet hätte. "Zerreißt Euch - sonst tun wir es" war dort am Samstag auf einem humorfreien Laufband zu lesen, mit dem einige jener, die unter dem Sammelbegriff "Ultras" auftreten, schon das Abschlusstraining des VfL gestört hatten.

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Wenn der Mob kommt: Vor dem Frankenderby Greuther Fürth gegen Nürnberg am vorletzten Wochenende kam es zu Aufmärschen gewaltbereiter Fangruppen. (© Foto: Getty)

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Es sind dies Botschaften aus einer minimalen Minderheit, die sich inzwischen gerne als Sprachrohr der Mehrheit im Stadion geriert. Diese Mehrheit aber ist in der laufenden Saison sehr groß geworden: Die Dramatik des Saisonfinales sorgte am 33.Spieltag mit 458633 Besuchern (Schnitt 50959) für einen Rekord in der Liga-Historie, der alte war erst am 27. Spieltag (454188) aufgestellt worden. Fünf der neun Arenen waren ausverkauft, der Gesamtbesuch nähert sich der 13-Millionen-Marke. Als der Italiener Luca Toni im Sommer 2007 zum FC Bayern kam, teilte er als ersten Eindruck mit, es wundere ihn, dass sich - anders als in der Serie A - so viele Eltern mit Kindern ins Stadion trauen würden.

Außergewöhnliche Zuschauerzahlen

An ihrer polierten Oberfläche ist die deutsche Bundesliga in erster Linie ein Familienfest, ein Ereignis für alle - mit Besucherzahlen, die jede andere Liga in den Schatten stellen. Unter dieser Oberfläche aber brodelt es zunehmend, worauf am Freitag auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bei einem Symposion "Fußball und Gewalt" hinwies. Im Gegenzug beklagen immer mehr Fanbetreuer, dass die Sicherheitskräfte unter dem Vorwand der Prävention den Rahmen der Verhältnismäßigkeit überschreiten würden. Mittendrin in der Debatte versucht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Standpunkt zu behaupten: Er sei nur für das verantwortlich, was im Stadion passiert. Dass es dort friedlich sei, beweise sich samstags beim Kinderfest.

Allerdings ist es weitgehend die Zahlkundschaft des Fußballs, die sich in dieser Saison bei Karlsruhe - Stuttgart, St.Pauli - Rostock und anderswo in Massen prügelte. Vor dem Derby gegen Nürnberg zog gar ein tausendköpfiger, rechtslastiger Ultra-Block durch Fürth und schreckte die Einwohner. Nur drei Beispiele, die davon zeugen, dass Polizei, DFB und Fans ihren Dialog stark verbessern müssen, um das Fest im Stadion vor Partysprengern zu schützen.

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(SZ vom 18.05.2009/jbe)