Die Bundesliga erlebt einen enormen Zuschauerboom, doch immer noch kommt es zu Gewaltübergriffen außerhalb der Stadien. Während die Polizei warnt, fühlt sich der DFB nicht zuständig.
Gelungen war jene Aktion mit den Spreewaldgurken. Die hatten sich jüngst die Cottbuser von der Nordtribüne einfallen lassen, sie hielten elf Tafeln mit meterhohen grünen Gurken in die Höhe, darunter prangte auf Leinwand ein Wunsch als Befehl: "Schluss mit dem Rumgegurke!" Das hatte Witz, anders als jetzt beim VfL in Bochum, einem Revier-Klub, bei dem man im Kern der Fan-Kultur eigentlich die Selbstironie vermutet hätte. "Zerreißt Euch - sonst tun wir es" war dort am Samstag auf einem humorfreien Laufband zu lesen, mit dem einige jener, die unter dem Sammelbegriff "Ultras" auftreten, schon das Abschlusstraining des VfL gestört hatten.
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Wenn der Mob kommt: Vor dem Frankenderby Greuther Fürth gegen Nürnberg am vorletzten Wochenende kam es zu Aufmärschen gewaltbereiter Fangruppen. (© Foto: Getty)
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Es sind dies Botschaften aus einer minimalen Minderheit, die sich inzwischen gerne als Sprachrohr der Mehrheit im Stadion geriert. Diese Mehrheit aber ist in der laufenden Saison sehr groß geworden: Die Dramatik des Saisonfinales sorgte am 33.Spieltag mit 458633 Besuchern (Schnitt 50959) für einen Rekord in der Liga-Historie, der alte war erst am 27. Spieltag (454188) aufgestellt worden. Fünf der neun Arenen waren ausverkauft, der Gesamtbesuch nähert sich der 13-Millionen-Marke. Als der Italiener Luca Toni im Sommer 2007 zum FC Bayern kam, teilte er als ersten Eindruck mit, es wundere ihn, dass sich - anders als in der Serie A - so viele Eltern mit Kindern ins Stadion trauen würden.
Außergewöhnliche Zuschauerzahlen
An ihrer polierten Oberfläche ist die deutsche Bundesliga in erster Linie ein Familienfest, ein Ereignis für alle - mit Besucherzahlen, die jede andere Liga in den Schatten stellen. Unter dieser Oberfläche aber brodelt es zunehmend, worauf am Freitag auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bei einem Symposion "Fußball und Gewalt" hinwies. Im Gegenzug beklagen immer mehr Fanbetreuer, dass die Sicherheitskräfte unter dem Vorwand der Prävention den Rahmen der Verhältnismäßigkeit überschreiten würden. Mittendrin in der Debatte versucht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Standpunkt zu behaupten: Er sei nur für das verantwortlich, was im Stadion passiert. Dass es dort friedlich sei, beweise sich samstags beim Kinderfest.
Allerdings ist es weitgehend die Zahlkundschaft des Fußballs, die sich in dieser Saison bei Karlsruhe - Stuttgart, St.Pauli - Rostock und anderswo in Massen prügelte. Vor dem Derby gegen Nürnberg zog gar ein tausendköpfiger, rechtslastiger Ultra-Block durch Fürth und schreckte die Einwohner. Nur drei Beispiele, die davon zeugen, dass Polizei, DFB und Fans ihren Dialog stark verbessern müssen, um das Fest im Stadion vor Partysprengern zu schützen.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 18.05.2009/jbe)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
Strafverfolgung und Kostenzuweisung müssen den direkten Verursachern (Krawallbrüdern) und nicht den Rahmensetzern (Vereine und DFB) zugordnet werden.
Oder soll demnächste der DGB für die Maikrawalle oder Greenpeace für Kastorgegner bezahlen?
Die Assos, die Krawall machen, müssen die Konsequenzen fühlen, d.h durch Geldstrafe die Kosten tragen und in schweren Fällen, d.h. bei Vorsatz, durch Haft 2-3 Jahre ruhig gestellt werden.
Nur wer fühlt, wird auch hören!
Den Vereinen die Einsatzkosten in Rechnung stellen? Schöne Idee. Dann würde man sich vielleicht manchmal vorher überlegen, ob es notwendig ist, 200 Polizisten bei einem Viertligaspiel rumsitzen zu haben, zu dem sich gerade mal 10 Gästeanhänger verirren.
Wer sich die Zuschauerzahlen in Liga 1 und 2 ansieht, und dann die registrierten Straftaten dazu in Relation stellt (von denen ein Großteil auf Delikte wie Sachbeschädigung durch Verkleben von Aufklebern oder Beleidigung entfällt) kann sich zwar gerne unsicher fühlen, dürfte sich aber eigentlich nicht mal mehr zum nächsten Schulfest wagen. Natürlich gibt es Konfliktpotenzial und natürlich darf sich der DFB da nicht aus der Verantwortung stehlen. Allerdings ist Gewalt im öffentlichen Raum kein Problem dass der Fußball exklusiv hat, deshalb sind vom Fußball allein auch keine Lösungen zu erwarten. Gewalt im Fußball gehen in Deutschland seit 90 Jahren miteinander einher. Wie auch anderswo in der Gesellschaft.
Dass es in Spanien anders ist, liegt in der anderen Bedeutung die der Fußball dort hat. Der Großteil geht dort zum Fußball wie ins Theater. Ok, das wollen einige, insbesonders Verantwortliche hier auch. Wenn man dazu noch dafür sorgt, dass ein Stadionbesuch nur noch für reiche ältere Herren oder Touristen erschwinglich ist, hat man auch irgendwann das Problem gelöst. Allerdings nur vordergründig. Die Gewalt ist dann nämlich nicht weg, sie ist nur woanders.
Natürlich muß etwas gegen die zunehmende Gewalt rund um Fußballspiele unternommen werden. Aber die Politik und die Polizei machen es sich, genau wie einige Kommentatoren zu einfach, wenn man die forderung erhebt, Fußballvereine sollte die Einsätze gesondert bezahlen.
Durch Umsatzsteuer, Alkoholsteuer, Gewerbesteuer, Kapitalertragsstuer, Einkommensteuer (der Spieler) erhalten Bund, Länder und Gemeinden eine ganze Menge Geld. Hinzu kommt der Umsatz bei umliegenden Geschäften, den Stadionbesucher so generieren.
Ganz zu schweigen davon, daß angekündigte Randale von irgendwelchem arbeitsscheuem Gesindel (z.B. jährlich am 01. Mai) von der Politik offensichtlich geduldet werden, anstatt da einmal massiv vorzugehen.
Soweit würde ich nicht gehen. Allerdings würde ich dem Wirtschaftsunternehmen Bundesligaverein die Kosten eines Polizeieinsatzes komplett in Rechnung stellen. Erst dann werden sich die denkfaulen Herren beim DFB und in den Konzernzentralen der Vereine überlegen, wie sie es verhindern, dass Samstag für Samstag Horden besoffener Gewalttäter ins Stadion pilgern, auf dem Weg Straftaten und Ordnungswidrigkeiten begehen und dabei von einer zur Tatenlosigkeit verurteilten Polizei auch noch ins Stadion geleitet werden. Vielleicht bemühen sich die Dummschwätzer aus den Fanprojekten einmal selber an den Ort des Geschehens und schauen sich den Umzug dieser Armleuchter an. Wenn wir mit unseren Söhnen zusammen Bundesligaspiele anschauten, mussten wir auf dem Weg ins Stadion ständig darauf achten, diese Gruppen weiträumig zu umgehen, vor allem zu vermeiden diesen in irgendeiner Engstelle allzu nahe zu kommen. Wir haben es aufgegeben und widmen unsere Freizeit anderen Tätigkeiten - die Bundesliga wird uns als Zuschauer erst dann wieder sehen, wenn (Rechts-) Radikalen und angetrunkenen Pseudofans konsequent der Zugang verwehrt wird. Dass es in Italien noch schlimmer sein soll (Zitat von Luca Toni), tröstet mich wenig. In Barcelona erlebten wir ein Ligaspiel als kleines Volksfest im natürlich ausverkauften Stadion, eingerahmt von einer katalonischen Großfamilie. Zehntausende strömten nach dem Spiel (nüchtern) zu Fuß auf gesperrten Straßen in Richtung Innenstadt. So kann es auch gehen!
Ausweis besonderer Sensibilität, hervorragenden Verantwortungsbewußtseins, wenn der DFB sich so zitieren läßt: " Mittendrin in der Debatte versucht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) seinen Standpunkt zu behaupten: Er sei nur für das verantwortlich, was im Stadion passiert." Dann wird es aber langsam Zeit, die Grenzen der Vereinsverantwortlichkeit durch das Geltendmachen von Polizeikosten abzustecken. Mal sehen, wie schnell die Vereine auf den Bäumen sind, wenn Polizeibehörden wegen der zu erwartenden Krawalle und Störungen reihenweise die Austragung von BL-Spielen aus polizeilichen Gründen untersagt. Warum soll eigentlich der Steuerzahler über die bislang nicht eingeforderten Kosten für Polizeischutz etc. solche Wirtschaftsunternehmen wie die Erstligaclubs weiterhin subventionieren?!? Kann mal das einer erklären?