Von Johannes Aumüller

Nach dem überzeugenden 5:1 gegen Hannover wollen die Bayern die Aufregung der vergangenen Wochen einfach vergessen - dabei gibt es noch manche Reizpunkte.

Unruhe, welche Unruhe? Die Bayern waren sich da ziemlich einig: Unruhe? Nie da gewesen, alles von außen an die Mannschaft herangetragen. Die Diskussionen über die richtige taktische Ausrichtung. Van Buytens Gemosere in Richtung Trainer. Ribérys Dauerflirt mit europäischen Spitzenklubs. Die öffentliche ausgetragene Diskussion über Donovan. Und vor allem natürlich die Frage nach Qualität und Befähigung des Trainers. All diese größeren und kleineren Unruhen - war da irgendetwas?

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Freude auf der Bank: Jürgen Klinsmann und Uli Hoeneß (© Foto: dpa)

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Ein überzeugender 5:1-Sieg gegen Hannover und der Sprung auf den zweiten Tabellenplatz scheinen in München auszureichen, um in paar aufregende Wochen einfach aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen. "Wir haben nie daran gedacht, uns von Klinsmann zu trennen", sagte Manager Uli Hoeneß. "Mir geht's gut, mir ging's auch vor dem Spiel gut", sagte Trainer Jürgen Klinsmann. "Es ist wichtig, dass wir uns ab und zu die Meinung sagen. Das verletzt manchmal, aber es gibt auch Reaktionen und ist jetzt vergessen", sagte Daniel van Buyten, der gegen Hannover sowohl als bissiger Innenverteidiger als auch als Torschütze zum 1:0 überzeugte.

Gegen Hannover war die Reaktion, dass nach van Buyten auch noch Klose, Altintop, Podolski und Demichelis trafen - und schon war das verdiente 5:1 fertig. Bei Siegen in einer solchen Größenordnung stellt sich ja immer die Frage, ob denn nun der Sieger so stark oder der Verlierer so schwach war. Die Bayern waren sich da selbst nicht ganz einig. "Jetzt heißt es wieder, dass die anderen schlecht waren. Das ist dasselbe Hannover, das vor einer Woche Leverkusen 1:0 geschlagen hat", ereiferte sich Manager Uli Hoeneß. Miroslav Klose hingegen sagte: "Ohne Hannover weh zu tun, kann man schon sagen, dass das ein sehr angenehmer Gegner für uns war."

Es wäre in Tat zu billig, den Sieg einfach nur als einfache Pflichterfüllung gegen das schlechteste Auswärtsteam der Liga abzutun. Die Bayern spielten durchaus überzeugend, und besonders beeindruckend war dabei, wie ruhig sie nach dem frühen Gegentor durch Jiri Stajner agierten - ein Gegentor, das für manchen Beobachter schon das Ende der Ära Klinsmann einläutete. "Ich habe gedacht, dass der negative Lauf weitergeht", gestand Klose. Aber davon ließen sich die Münchner nicht beirren: Konzentriert arbeiteten sie und erzwangen sich ihre Chancen und Tore. Die Bayern konnten sehr zufrieden sein mit ihrem Spiel, das nur an wenigen Stellen hakte, das Klinsmann aber auch schnell abhakte. "Jetzt müssen wir nachlegen", forderte er, der deutsche Meistertitel sei "absolute Pflicht".

Die Bayern sind wieder in den Angriffsmodus übergegangen. Viel ist jetzt von der "Serie" die Rede, die es unbedingt geben muss, um den Anschluss an den schon vier Punkte enteilten Tabellenführer Hertha BSC Berlin nicht zu verlieren. Doch die Verantwortlichen des FC Bayern wissen: Schon einmal in diesem Jahr dachten sie nach einem Spiel, in dem die Mannschaft fünf Treffer erzielte, die Krise sei überwunden. Vor zehn Tagen war das, nach dem 5:0 im Champions-League-Hinspiel gegen Sporting Lissabon. Doch auf dieses Resultat folgten nicht Ruhe und weitere Siege, sondern verschärfte Diskussionen um Klinsmanns Autorität, ein Remis gegen Werder und das Pokal-Aus gegen Leverkusen.

Der Spielplan zumindest sieht in den nächsten Wochen recht günstig aus. Penetrant, aber zu Recht hat Manager Hoeneß zuletzt auf die vielen noch ausstehenden Heimspiele hingewiesen. Und von den nächsten fünf Gegnern scheint nur der VfL Wolfsburg ein ernsthafter Konkurrent zu sein und kommen gleich vier aus dem Tabellenkeller (Bochum, Karlsruhe, Frankfurt, Bielefeld) - aber war nicht auch der 1. FC Köln ein vermeintlich leichter Gegner? Konstanz ist beim FC Bayern ein Fremdwort geworden, den klassisch-langweiligen 2:0-Sieg aus der Hitzfeld-Zeit gibt es nicht mehr. Niemand weiß, ob auf ein 5:1 gegen Hannover nicht wieder ein Spiel wie gegen Köln folgt.

Kein Vertrauen in Nachwuchsspieler

Ungünstig ist zudem ein Blick auf den eigenen Kader: Der dünnt nämlich gewaltig aus. Gegen Hannover nahmen nur fünf Spieler auf der Bank Platz, erlaubt sind sieben. Darunter sind Akteure wie Breno oder Sosa, denen die Bayern-Macher allenfalls Kurzeinsätze zutrauen. Nun ergänzt auch noch der gegen Hannover überzeugende Hamit Altintop (Faserriss) die Verletztenliste, auf der schon Franck Ribéry, Luca Toni und Tim Borowski stehen. Zudem reist am Montag Winter-Ausleihe und Reserve-Stürmer Landon Donovan wieder in Richtung Los Angeles ab. Und Nachwuchsspielern aus der zweiten Mannschaft traut Klinsmann offenbar so wenig zu, dass er sie nicht einmal in den Kader beruft und lieber zwei Plätze auf der Ersatzbank freilässt.

Einerseits hat Klinsmann zu wenige Spieler, andererseits für manche Positionen auch zu viele - zum Beispiel in der Innenverteidigung. Nach der überzeugenden Leistung von van Buyten gibt es kaum Argumente, den Belgier aus der Mannschaft zu nehmen; doch nachdem van Bommel seine Gelbsperre abgesessen hat, will auch Demichelis wieder zurück auf die von ihm bevorzugte Abwehrposition; und als dritter Innenverteidiger ist ja auch noch Lucio dort. "Vielleicht bleibt Mischo auch auf der Nummer sechs", versucht van Buyten, das Problem zu lösen. Bei solch einer Entscheidung aber würde es nicht lange dauern, bis der etatmäßige defensive Mittelfeldmann van Bommel ein ähnliches Wand-Zitat von sich gibt wie kürzlich van Buyten. Unruhe-freie Tage sehen irgendwie anders aus.

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