Neue Spannung im Titelkampf: Während Bayern in Mönchengladbach nur ein Unentschieden schafft, gelingt Schalke in Berlin kurz vor Schluss das Siegtor.
Irgendetwas war in den vergangenen Wochen mit Felix Magath passiert, irgendetwas, das aus dem verbal stets defensiv auftretenden Schalker Trainer einen forsch von der Meisterschaft sprechenden Coach gemacht hatte. Jener Magath, der im Vorjahr als Verantwortlicher des VfL Wolfsburg wohl selbst bei einen Sieben-Punkte-Vorsprung nach dem 32. Spieltag noch nicht vom Titel gesprochen hätte, hatte sich zuletzt trotz zweier Zähler Rückstand auf den Tabellenführer FC Bayern als Mitglied der Abteilung Attacke gegeben.
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Jubelnde Schalker: Rafinha und Westermann (v.l.). (© Foto: Reuters)
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Mit einem verschmitzten Lächeln darf sich Magath nun in seiner neuen Rolle bestätigt fühlen. Denn während der FC Bayern in Mönchengladbach nur zu einem 1:1 (0:0) kam, gewann Magaths Mannschaft in Berlin glücklich mit 1:0 und ist nach 32 Spieltagen punktgleich mit den Münchnern. "Nach dem heutigen Spiel, auch wenn das nicht souverän war, bin ich sicher, dass wir auch gegen Bremen gewinnen können. Wir werden weiterhin Druck auf den FC Bayern machen", sagte Magath nach dem Spiel.
Dabei hatten seine Königsblauen keineswegs eine überzeugende Leistung geboten. Selbst beim Tabellen-Schlusslicht ging Schalke vorsichtig zu Werke, die Spielweise war nicht annähernd so forsch wie es die Worte von Felix Magath hätten vermuten lassen. Die Herthaner hatten etliche gute Chancen, doch wie so oft in diesem Jahr war die Abschlussschwäche der Berliner enorm. So stand es im Olympiastadion noch 0:0, als zwei Minuten vor Schluss Heiko Westermann im gegnerischen Strafraum an den Ball kam - und zum 1:0 einschoss.
Nur noch dank des - deutlich - besseren Torverhältnisses liegt der FC Bayern nun noch vorne. Er begann in Mönchengladbach so, als wolle er in dieser Saison nicht nur die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Champions League gewinnen, sondern en passant einen neuen Rekord in punkto Ballbesitzquote aufstellen. Für die Gladbacher Spielanlage musste derweil die für defensiv ausgerichtete Teams häufig verwandte Formulierung, nach der sich eine Mannschaft bis hinter die Mittellinie zurückzieht, überdacht werden. Oftmals nämlich waren selbst zwischen der Mittellinie und dem vordersten Gladbacher Akteur noch zehn, 15 Meter Raum. So konnten sich die Bayern zwar ihre 70, 75 Prozent Ballbesitz, jedoch außer einem Schweinsteiger-Fernschuss keine Chance erspielen.
Doch auf einmal war die Münchner Anfangsdominanz dahin und zeigte die Abwehr ihren bereits überwunden geglaubten Hang zu Aussetzern. In der zehnten Minute tauchte plötzlich Marco Reus frei vor Bayern-Torwart Jörg Butt auf, setzte den Ball aber links neben das Tor. Wenig später hatten die Münchner Glück, dass Schiedsrichter Michael Weiner nicht auf indirekten Freistoß entschied, als Butt eine Bogenlampe von Franck Ribéry mit der Hand aufnahm, und noch ein wenig später stand Martin Demichelis mal wieder falsch, weshalb Gladbachs Raul Bobadilla gefährlich in den Strafraum eindrang, beim Umkurven von Demichelis, Butt und nochmal Demichelis aber irgendwann hängenblieb.
Diese Anfangsphase bildete die Schablone für den weiteren Spielverlauf. Die Bayern agierten dominant, mit vielen Quer- und Rückpässen, geduldig, manchmal zu geduldig, und erspielten sich die eine oder andere kleinere Tor-Gelegenheit. Doch immer wieder leisteten sie sich auch den einen oder anderen kleinen Stockfehler, manches Mal war es allzu lässig, was die Münchner da boten. Und in der 60. Minute war es dann zu lässig, was sie zeigten. Ohne echte Gegenwehr und wegen eines nach einem Zweikampf humpelnden Daniel van Buyten in der Innenverteidigung kombinierte sich Gladbach bis vors Tor von Jörg Butt, wo Marko Reus zum 1:0 für die Gastgeber einschoss.
Die Folgen dieses Tores? Erstens: Der nach einem Foul von Bobadilla humpelnde van Buyten wurde ausgewechselt, und weil zuvor bereits Martin Demichelis wegen einer Verletzung ausgetauscht worden war, hieß die Münchner Innenverteidigung nun Timoschtschuk/Badstuber. Zweitens: Die Gladbacher postierten sich noch tiefer als bisher, sofern das noch möglich war. Drittens: Die Bayern spielten einfach so weiter, wie sie den Großteil der bisherigen 60 Minuten auch gespielt hatten - mit viel Ballbesitz, aber zu wenig Zug zum Tor und defensiver Anfälligkeit.
Dass die Bayern überhaupt noch Tabellenführer sind und nicht hinter Schalke zurückfielen, lag an einem Spieler, der zuletzt kaum noch zum Einsatz gekommen war: Miroslav Klose, nach dem Gladbacher Führungstreffer für Thomas Müller gekommen, verwertete eine Flanke von Philipp Lahm zum 1:1. Und van Gaal wäre nicht van Gaal, hätte er sich nach Kloses Treffer nicht ein paar Mal an der Nase gerieben. Seht her, schien er zu signalisieren, das hatte ich so vermutet, deswegen habe ich ihn ja gebracht.
Doch zum Zeitpunkt des Nasereibens sah es ja auch noch so aus, als solle Schalke in Berlin ebenfalls Punkte liegen lassen. Eine gute Viertelstunde später war die Nasenreiberei vorbei. Es wirkte jedenfalls nicht ganz überzeugend, als Arjen Robben nach dem Spiel möglichst locker bleiben wollte: "Es ist noch nichts los. Wir sind immer noch Erster, und es sind nur noch zwei Spiele."
Der neue Magath und seine Mannschaft sind den Bayern dicht auf den Fersen.
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(sueddeutsche.de/dav)
Führungsstreit der Linken