Von Moritz Kielbassa

Nach dem historisch schlechten Fehlstart herrscht in den Chefbüros Betriebsamkeit - und Manager Uli Hoeneß schließt die Verpflichtung neuer Spieler nicht aus.

Bündig trainieren kann Louis van Gaal auch in dieser Woche nicht. Am Mittwoch tritt der FC Bayern zum x-ten Marketingspiel des Sommers an, bei Union Berlin. Anlass ist der 375. Geburtstag einer Brauerei, für die das Bayern-Team bereits am Montag ein Fotoshooting machte, im Oktoberfest-Gewand mit Lederhosen. Trainer van Gaal hat tapfer gelacht auf dem Bild, mit einem Bierglas in der Hand, alle Spieler waren dabei, sogar die zuletzt absenten Luca Toni und Franck Ribéry.

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Darf Louis van Gaal bald neue Spieler in seinem Kader begrüßen? (© Foto: Reuters)

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Dabei stand den Bayern kaum der Sinn nach PR-Gaudi. Nach drei Bundesliga-Spielen mit indiskutablen zwei Punkten herrscht Alarm, und wenn am Samstag Meister VfL Wolfsburg in München gastiert, ist dies bereits ein wegweisendes Spiel unter hohem Druck: "Wir müssen unbedingt ein Zeichen setzen", weiß Verteidiger Philipp Lahm, sonst hecheln sie der Meute schon weit hinterher.

Die brisanteste Frage ist, ob der FC Bayern - bis spätestens 31. August - personell noch nachlegt. Manager Uli Hoeneß gab Montagfrüh nicht lange Auskunft, er verwies auf zu erledigende "Hausaufgaben" und wollte "nicht ausschließen", dass man auf den historischen Fehlstart mit Transfers reagiert.

Speziell der Baustelle Defensive täten neue Helfer gut, wie das 1:2 in Mainz offenbarte; vorstellbar wären Zukäufe an diversen neuralgischen Punkten (Torwart, Innen- und Rechtsverteidiger). Wechsel im vorderen Bereich sind unwahrscheinlich. Ribéry trainierte Montag wieder engagiert mit, eine Verpflichtung des bei Real Madrid aussortierten Wesley Snejider schloss Hoeneß aus, Rafael van der Vaart wäre verfügbar.

Van Gaal sagt, er trage etwaige Transferwünsche "dem Vorstand" vor, "nicht der Presse". Den Erfindungsreichtum des Münchner Boulevards in Krisenphasen hat der Holländer indes bereits kennengelernt: "Louis van Qual" hieß er Montag, und ein seriöses Fachblatt berichtete, dass man bei Bayern zwar van Gaals fachliche Arbeit schätze, sein strenger Führungsstil aber skeptisch beäugt werde. Und natürlich blieb ein sanfter Stoß des Kolumnisten und Präsidenten Franz Beckenbauer nicht aus, van Gaal müsse "Antworten finden gegen Wolfsburg".

Van Gaal kommandierte im Montagstraining wieder laut. Für ihn läuft - unter Ernstfallbedingungen - noch immer eine fortgesetzte Vorbereitung. Zwei oder drei Stürmer? Zehner oder doch keiner? Wie das biedere Mittelfeld vitalisieren? Wie die poröse Abwehr sichern? Viele Fragen sind offen.

"Wir wussten, dass der Start holprig werden kann", denn der neue starke Taktikakzent in der Tagesarbeit sei "eine große Umstellung für jeden Einzelnen", erläuterte Philipp Lahm beim Lederhosen-Termin. Vor allem aber mangelte es bislang vorne wie hinten an herausragenden Einzelkönnern. Womöglich kommen nun noch neue, die Betriebsamkeit in den Chefbüros ist begründet.

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(SZ vom 25.08.2009)