Fußball Brasilien: Ausverkauf der Meister-Mannschaft

Malcolm Emerson (Mitte) könnte den Corinthians viel Geld bringen.

(Foto: imago/Fotoarena)
  • Der brasilianische Fußballmeister Corinthians Sao Paulo verkauft die Hälfte seiner Meistermannschaft.
  • Der Vorgang ist in Brasilien nicht ungwöhnlich, zu hoch sind die Schulden.
Von Alexander Mühlbach

Bayern ist ein "Käuferverein"

Wenn man die Erfolge des FC Bayern in den vergangenen Jahren auf eine Erkenntnis zurückführen müsste, dann wäre es wohl folgende: "Der FC Bayern ist ein Käuferverein, kein Verkäuferverein." Dieser Thesenbeitrag stammt von Bayerns Ex-Präsident Uli Hoeneß - er gab damit die Taktik vor, dass sein Verein mächtig genug ist, um wichtige Profis nicht so einfach zu verlieren. Selbst in Abwesenheit des inhaftierten Hoeneß lässt sich nun sagen: Ohne Zweifel ging dieses Vorhaben auf. Es würde eigentlich auch als Leitsatz für andere Vereine taugen.

Nur nach Brasilien ist das bayerische Transfercredo wohl nicht durchgedrungen. Der brasilianische Meister Corinthians Sao Paulo ist gerade dabei, seine halbe Mannschaft zu verscherbeln. Erst ließ man Renato Augusto, Brasiliens Spieler der Saison, für acht Millionen Euro nach Peking (!) ziehen. Dann wurden die beiden Spielmacher Jadson und Petros (der zuletzt an den Stadtrivalen FC Sao Paulo ausgeliehen war) nach China und Portugal verkauft. Der Verkäuferverein Corinthians ist damit allerdings noch lange nicht fertig. Mittelstürmer Alexandre Pato soll angeblich für 15 Millionen Euro nach Liverpool wechseln, während der 18-jährige Linksaußen Malcom für 13 Millionen Euro nach Dortmund transferiert werden soll. Die Meister-Mannschaft fällt so auf eine Art auseinander, wie es im reichen Europa kaum mehr vorstellbar wäre.

Brasiliens Meister verkauft die halbe Elf

Dabei hat es in Brasilien fast schon Tradition, dass der Meister seinen besten Spieler zur kommenden Saison abgibt. Cruzeiro Belo Horizonte, der Serie-A-Sieger von 2013 und 2014, verkaufte vergangenes Jahr gleich sechs etablierte Kräfte ins Ausland - und verschwand danach wieder im Niemandsland der brasilianischen Liga.

Uli Hoeneß würde sich angesichts solcher Transferpraktiken wohl ins Bäuchlein kneifen. Hinter dem Ausverkauf der brasilianischen Klubs steckt derweil die reine Not: Sie verzichten momentan allesamt auf langfristige Erfolge - einfach um kurzfristig finanziell überleben zu können. Jahrelang haben die brasilianischen Erstligisten über ihre Verhältnisse gelebt, ihren Fußballern viel zu hohe Gehälter ausgezahlt und viel Geld ausgegeben, um brasilianische Helden aus Europa wieder in die Heimat zu locken.

Rummenigge spricht von Europaliga mit 20 Teams

Bei einer Diskussionsrunde in Mailand sinniert der Vorstandschef des FC Bayern über eine mögliche Revolution im europäischen Fußball - und berichtet von Carlo Ancelotti. mehr...

Leute wie Ronaldinho, Kaka oder Ze Roberto kehrten so zurück nach Südamerika - sie verdienten auf die alten Tage noch einmal ordentlich. Das Geld für ihre Gehälter mussten sich Vereine häufig leihen oder sie nahmen es mit dem Fiskus nicht so genau. Dem Staat schulden sie derzeit umgerechnet noch etwa 1,5 Milliarden Euro an Steuern.

Vor allem letztere Tatsache beschäftigt die Liga nun akut. Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff legte im vergangenen Jahr ein Gesetz vor, dass die Klubs dazu verpflichten soll, die Profigehälter zu deckeln und mehr in die Nachwuchsförderung zu investieren. Zudem sollen sie endlich ihre Steuern begleichen. Die Frist für die Rückzahlung ist zwar auf zwanzig Jahre angelegt, dennoch kritisierte der Präsident des brasilianischen Fußballverbands Marco Polo del Nero - der sein Amt derzeit wegen Korruptionsvorwürfen ruhen lässt - das Gesetz als "staatliche Intervention."

Wohl auch aus Furcht, dass sich in Wahrheit keiner der Vereine an das Gesetz halten wird. Denn selbst ohne die Steuerrückzahlungen hatte Corinthiana im Jahr 2013 noch Schulden von mehr als 44 Millionen Euro zu tilgen. Da weder die Fernseheinnahmen genug Geld auf die Konten spülen, noch die Zuschauer wegen hoher Ticketpreise ins Stadion strömen (der Zuschauerschnitt lag mit 16 555 unter dem der zweiten deutschen Bundesliga), bleibt den Vereinen nichts anders übrig, als ihre Spieler zu verkaufen.

Und das ist eben nach einer Meisterschaft am einfachsten. So bleibt Sao Paulo nichts anderes übrig, als den Verkäuferverein zu spielen.