Fußball Bayern und Juventus - Geschäfte seit der Bronzezeit

Absolvierte zwischen 2011 und 2015 mehr als 120 Spiele für Juventus Turin: der heutige Bayern-Mittelfeldspieler Arturo Vidal, 28.

(Foto: Boris Streubel/getty)
  • Am Dienstag tritt der FC Bayern zum Achtelfinale der Champions League bei Juventus Turin an.
  • Die beiden Klubs verbinden gute Handelsbeziehungen - im vergangenen Sommer kamen Kingsley Coman und Arturo Vidal zu den Bayern.
  • Das liegt auch am legendären italienischen Spielerberater Giovanni Branchini.
  • Zu den Statistiken und Ergebnissen der Champions League geht es hier.
Analyse von Christof Kneer

Im Sommer sah es so eine Weile aus, als könnte auch Paulo Dybala die Alpen überqueren. Dybala, 22, ist zurzeit so etwas wie der unbekannteste Weltstar im Fußball, die Sportmanager kennen ihn sehr viel besser als der normale Fußballanhänger, dem beim Stichwort "Juventus Turin" erst mal Buffon einfällt, dann Pogba, dann vielleicht die ewigen Bonucci und Barzagli und dann womöglich, je nach Nationalität und Neigung, auch noch Khedira oder Mandzukic. Aber Dybala?

Der junge Argentinier spielt erst seit vorigem Sommer in Turin, davor war er drei Jahre in Palermo, aber schon damals hat er bei den Scouts der europäischen Topklubs erhebliche Hitzewallungen verursacht. In Italien heißt es, versierte Branchenkuppler hätten den jungen Mann auch dem FC Bayern angedient, und in München waren sie vorübergehend wohl auch ernsthaft entflammt.

Rummenigge hat ein Herz für den italienischen Fußball

Karl-Heinz Rummenigge, der blondeste Italiener der Welt, hat seit seiner Zeit bei Inter Mailand ja mindestens ein Auge, ein Ohr und ein Herz für den italienischen calcio übrig, aber von den Transferexperten in seinem Klub hat er sich dann überzeugen lassen, dass man sich mit diesem grandiosen Techniker auch ein grandioses Problem ins Haus holen würde: Dybala ist ein zentraler Offensivspieler - und für diese Planstellen beschäftigen die Bayern bereits Robert Lewandowski, Thomas Müller, Mario Götze und auch den Spanier Thiago. Und dann noch Dybala?

Im Sinne einer seriösen Kaderplanung haben die Münchner, durchaus schweren Herzens, die Personalie nicht mehr weiter verfolgt. Dybala wechselte zu Juventus - wo sie aktuell einen mittig geschnittenen Fußball pflegen, der gut zum Zentral- spieler Paulo Dybala, aber weniger gut zum Flügelspieler Kingsley Coman passt. Den jungen Franzosen haben dann die Bayern geholt, leihweise zunächst, aber mit einer schönen Kaufoption.

Pep Guardiolas bessere Hälfte

Die Offensive um den neuen Führungsspieler Müller soll kompensieren, dass der FC Bayern fast ohne defensive Autoritätsperson zum Champions-League-Spiel nach Turin reist. Von Christof Kneer mehr ...

Es ist kein Wunder, dass sich Europas Spitzenklubs bei der Spielerakquise immer wieder begegnen, aber mit Bayern und Juventus ist das noch mal eine andere Geschichte. Die Handelswege über den Alpenhauptkamm sind seit der Bronzezeit nachgewiesen, und die nur wenige Monate nach Beendigung der Bronzezeit gegründeten Fußballklubs in München und Torino haben diese Straßen immer besonders gerne befahren. Jürgen Kohler, Stefan Reuter, Hasan Salihamidzic oder Robert Kovac überquerten die Alpen allesamt in südlicher Richtung, sie wechselten von Bayern direkt zu Juventus, nur der Stürmer Mario Mandzukic verfuhr sich zuletzt ein wenig (möglicherweise ein Problem bei der Programmierung seines Navigationssystems). Das zwang ihn zu einem kurzen Zwischenstopp bei Atlético Madrid. Den umgekehrten Weg über die Alpen wählten im vergangenen Sommer Kingsley Coman und Arturo Vidal; sie verließen Turin nach dem verlorenen Champions-League-Finale, um sich dem FC Bayern anzuschließen.