DFB-Chef Zwanziger kann wegen seiner vorschnellen Parteinahme das prominenteste Opfer der Schiedsrichter-Affäre werden.
Deutsche Schiedsrichter genießen im internationalen Fußball seit Jahrzehnten einen exzellenten Ruf. Dass sich Deutsche in der Aufsicht übers Regelwerk hervortun, ist zwar kaum der Verblüffung wert und dürfte einem weltweit gültigen Verständnis des Nationalcharakters entsprechen, aber der Beitrag beschränkt sich nicht auf die unmittelbare polizeiliche Funktion. Der Schwabe Rudolf Kreitlein etwa hat mit einem englischen Kollegen die Gelbe und die Rote Karte erfunden. 1966 war das, und die Menschheit ist ihnen immer noch dankbar dafür.
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DFB-Präsident Zwanziger spielt in der Schiedsrichter-Affäre mittlerweile eine problematische Rolle. (© Foto: ddp)
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In den vergangenen Jahren wurden deutsche Schiedsrichter jenseits der üblichen internationalen Einsätze vermehrt zu heiklen Partien ins Ausland expediert, sie leiteten Ligaspiele in Iran, Tunesien oder Bulgarien. Beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) war man darauf sehr stolz, das Schiedsrichterwesen galt als Musterabteilung. Davon kann derzeit keine Rede mehr sein, wenngleich niemand auf die Idee käme, die unübersichtlich wuchernde Affäre um den ehemaligen Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell, 63, und den Referee-Aufsteiger Michael Kempter, 27, zum Maßstab eines allgemeinen Werturteils zu erheben.
Doch die hässliche, sehr private Auseinandersetzung zwischen den beiden Männern verdrängt im Moment jede andere Wahrnehmung der Verbandsarbeit. Umso mehr, da sie in den kommenden Wochen in aller Öffentlichkeit vor Gericht weitergehen wird. Die Verantwortlichen des DFB und vor allem sein allgegenwärtiger Präsident Theo Zwanziger haben sich in den Sog dieses chaotischen Konfliktes ziehen lassen, sie haben längst die Kontrolle über das Geschehen verloren.
Sie haben im frühen Stadium des Falls Position gegen den langjährigen Schiedsrichteraufseher Amerell und für den angeblich sexuell belästigten Kempter bezogen, doch inzwischen zeigt eine Fülle von Indizien an, dass diese resolute Parteinahme ein Fehler war. Mittlerweile ist klar, dass der DFB, voran sein agiler Präsident Zwanziger, den Fall anders hätte angehen müssen.
Er hätte dem Angeklagten Amerell gewähren müssen, was im Rechtsstaat unabdingbar ist: Das Recht auf Kenntnis der Vorwürfe und auf angemessene Verteidigung. Dass ihm der Jurist Zwanziger dieses Recht versagt hat, weil er den Fall als Verbandsverfahren führte, erweist sich nun als grober Fehler. Er hat sich damit selbst um die Informationen gebracht, die ihm eine differenziertere Betrachtung ermöglicht hätten. Jetzt nimmt Amerell rücksichtslos Rache, und er scheint die öffentliche Meinung auf seiner Seite zu haben, obwohl er dem Vorwurf der sexuellen Belästigung gegen Schutzbefohlene ausgesetzt ist.
Der beredte Zwanziger zieht jetzt Schweigen vor. Zu spät. Der Schaden ist angerichtet. Die Schiedsrichterei wird sich davon erholen, der Präsident womöglich nicht. Im April, so heißt es, will er vor einem außerordentlichen DFB-Bundestag die Vertrauensfrage stellen. Vorausgesetzt, er bleibt bis dahin im Amt.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 09.03.2010/jbe)
Freundschaft zwischen den Geschlechtern
Ein insgesamt unwürdiges Schauspiel. Das gehörte von Anfang an nicht an die Öffentlichkeit.
Selten einen undifferenzierteren Beitrag als Ihren gelesen. Wirklich einzigartig ist Ihr Rechtsverständnis und Ihre Interpretation der Unschuldsvermutung. Bei Ihnen muss nicht erst bewiesen werden das jemand schuld ist. Es genügt was man in den Medien über eine Person schreibt. Würde mich mal interessieren wie Sie sich fühlen würden wenn Sie jemand als z.B. Kinderschänder denunziert.
Die Komödie ist das Resultat, wenn 22 Männern einem Ball hinterherspringen und eine Masse Geld bekommen, die inkeinster Relation zur Leistung steht. Aber bei den Rennfahrern ist es ja ebenso. Zum Schluss regiert die Langeweile und so sehen dann auch die Schlagzeilen aus.
@besserohne:
Sie scheinen ja bestens informiert zu sein, vielleicht legen sie noch ein paar Argumente dar, weshalb Herr Amerell der "Urheber" und "Verursacher" sein soll?
1. Im Moment sieht es so aus, als ob es sich um einer Liebesbeziehung handelt. Und die hat Herr Kempter und der DFB öffentlich gemacht.
2. Zu einer Beziehung gehören immer zwei Personen, also ist Herr Kempter genauso "Verursacher".
Ob es sich um eine Beziehung gehandelt hat, oder um Nötigung, wird jetzt endlich ein Gericht klären, so wie es von Anfang an nötig gewesen wäre...
Falsch. Wenn man tatsächlich vom "Verursacher" sprechen kann, dann wohl von einem erwachsenem Herrn Kempter, der 1 JAHR mit den Vorwürfen wartete und diese nicht dort erhob, wo sie hingehören: nämlich bei der Polizei.
Daß sich der DFB überhaupt auf dieses Thema einläßt, ist die nächste Frage. Sexueller Mißbrauch fällt eindeutig NICHT in die Sportgerichtsbarkeit.
Ob sexueller Mißbrauch von Abhängigen überhaupt ein Thema ist, oder ob es sich um einen Rosenkrieg aufgrund verschmähter Liebe oder Eifersucht handelt, werden die Strafbehörden wohl ermitteln müssen.
Völlig unverständlich für mich ist das Prozedere, bis es zu Herrn Zwanziger kam und dieser noch dazu als Jurist schwachsinniger Weise die Angelegenheit nach Gutsherrenart behandelte.
Wenn die Akten jetzt ergeben, daß tatsächlich eine Straftat vorlag, kann es Herrn Zwanziger noch blühen, daß er sich wegen Strafvereitlung zur Verantwortung gezogen wird.
Paging