Fußball Ach, der Zlatan wieder!

Als Paris am Wochenende Meister wurde, schoss Zlatan Ibrahimovic mal eben vier (!) Tore in einer Halbzeit.

(Foto: AP)

Eine Ibrahimovic-Statue anstelle des Eiffelturms? Die neuerliche Großspurigkeit des Schweden zeigt, wie wichtig einzelne Figuren in den Businessmodellen der Klubs geworden sind.

Kommentar von Oliver Meiler

Hält er sich tatsächlich für den Größten, den Besten, den Großartigsten? Oder kokettiert er nur mit seinem barocken Größenwahn? Bei Zlatan Ibrahimovic aus der schwedischen Stadt Malmö, und vielleicht ist das die unterhaltsamste Note in seiner Geschichte als vermeintlicher Bad Boy des Fußballs, ist man nie ganz sicher - und lacht dennoch: Ach, der Zlatan wieder! Etwa, wenn er sich mit Gott vergleicht. Das tut er gern und mit ernster Miene, die Wirkung ist dann noch etwas größer. Wir nehmen nun einmal an, dass "Ibra" der Selbstironie fähig ist.

Am Wochenende feierte Paris Saint-Germain dank Ibrahimovic schon acht Spiele vor Saisonende den vierten Meistertitel in Serie. Als der Schwede danach vor den Fernsehkameras gefragt wurde, ob er seinen Vertrag verlängern werde, sagte er: "Ich denke nicht, dass sie den Eiffelturm mit einer Statue von mir ersetzen können. Das können wahrscheinlich nicht einmal die Bosse des Vereins. Aber sollten sie es dennoch schaffen, dann bleibe ich. Versprochen!" Eine hübsche Pointe war das, vorgetragen mit einem gelösten, sonoren Lachen.

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PSG wird ihn wahrscheinlich nicht halten können, so sehr sich die milliardenschweren Vereinsbesitzer aus Katar auch bemühen sollten, die Angebote aus England mit einigen zusätzlichen Gehaltsmillionen zu kontern: Man spekuliert, Ibrahimovic ziehe es zu Manchester United - raus aus der fußballerischen Provinz, zurück auf die wirklich große Bühne. Mit 34 Jahren ist das wahrscheinlich seine letzte Chance. In Paris könnten dann ohne seine Nummern am Ball und ohne seine Sprüche schnell die Lichter ausgehen.

Ibrahimovic war bisher immer alles in einem gewesen: der überragende Fußballer der Liga, selbst wenn er mal einen weniger guten Tag hatte; die wandelnde Litfaßsäule von PSG, der Chefunterhalter mit dem Glamourfaktor eines Popstars, der Alleinvermarkter der Ligue 1. Er war gar der einzige Grund, warum man außerhalb Frankreichs den französischen Fußball in den vergangenen Jahren überhaupt wahrnahm. Die Franzosen verziehen ihm sogar, dass er ihr Land einmal "ein Scheißland" nannte. Und das will etwas heißen. Kein Wunder, dass er sich als Alternative zum Eiffelturm sieht. Auf diese Allegorie muss man ja auch erst einmal kommen.

Vor allem aber zeigt sein Fall exemplarisch, wie wichtig einzelne Figuren in den Businessmodellen der Großvereine geworden sind - fürs Marketing, fürs Merchandising. Alles wird um sie herum gebaut, eine ganze Mannschaft. Der Emir aus Katar rechnete sich wohl aus, dass dieser groß gewachsene Schwede mit dem spektakulären Mundwerk seinem Projekt unmittelbar am meisten Strahlkraft geben würde. Es geht ja darum, Katar als Fußballland zu positionieren, für die WM 2022. So grotesk das auch wirkt. PSG ist das Schaufenster dafür, und "Ibra" war bisher die schönste Puppe darin - schier unbezahlbar.

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