Der Machtkampf wird demnach immer schmutziger. Mit Folgen: Am Freitag hat Flügelstürmer Stefan Aigner seinen Abschied von 1860 zum Sommer bestätigt - als Grund für seinen Weggang gab er das dauerhafte Mobbing des Investors gegen Präsident Schneider an: "Das war für mich einer der Hauptgründe für meinen Entschluss, bei 1860 nicht zu verlängern. Ich finde es unmenschlich und absolut unfair, so auf einen Mann loszugehen, der den Verein gerettet hat."

Anzeige

Schneider selbst hatte sich am Freitag noch zuversichtlich gegeben. Er durfte ja die mit Verve vorgetragene Rückendeckung des Aufsichtsrats, die dem Erpressungsversuch gefolgt war, als Bestätigung verstehen. Dennoch ging er erneut auf Iraki zu: "Es geht nicht darum, dass irgendwer nun gewonnen hat", sagte er. "Ich sehe das Votum als Auftrag, dass wir uns nun noch einmal an einen Tisch setzen, um unsere Zukunft gemeinsam positiv zu gestalten."

Dass Iraki nun massiv öffentlich Präsident Schneider angreift, verheißt nichts Gutes für die Harmonie im Klub während der anstehenden Verhandlungen mit der Deutschen Fußball-Liga. Irakis Blockade der Wintertransfers war ja bislang nur ein virtuelles Druckmittel. Aus dem gleichen Grund erfolgte ja auch keine Intervention der DFL nach der faktischen Erpressung des 1860-Aufsichtsrates durch den Investor: Weil Wintertransfers keine existenzielle Bedeutung haben für das Überleben der Fußball-KGaA.

Spätestens im März indes, wenn das nächste Lizenzierungsverfahren bei der DFL ansteht, könnte erneuter Druck auf den Aufsichtsrat des Mehrheitsgesellschafters 1860 und dessen Klubchef nicht ohne Folgen bleiben. Denn dann ginge es um die Existenz der KGaA, was dann auch die DFL interessieren wird.

Dieter Schneider müsste wohl mal selbst über all diese Themen reden mit Ismaik, der bald in München erscheint. Denn der Eindruck drängt sich auf, dass die komplizierte Kooperation mit ihm keinen neuen Klubpräsidenten benötigt. Sondern einen besonnenen Unterhändler des Investors.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Irakis Vorwürfe ohne Belege
  2. Sie lesen jetzt Der Machtkampf wird schmutziger
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 28.01.2012/ebc)