Fritz Sdunek und Ulli Wegner im Gespräch "Ich bin etwas ruhiger, aber ich mache harte Ansprachen"
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SZ: Herr Wegner, Sie hatten eine ähnlichen Erfahrung: Arthur Abraham kämpfte 2006 mit gebrochenem Unterkiefer, gab nicht auf und gewann.
Boxweltmeister im Schwergewicht Vitali Klitschko verteidigt Titel gegen Chisora
Wegner: Er ist ein großer Sportler, der schwierige Situation meistern kann. Darum machen wir mentales Training. Dass aber so was kommt, hätte ich nie gedacht. Wenn es irgendein Gelenk gewesen wäre, hätte ich den Kampf sofort abgebrochen. Wenn ich da aber versagt hätte, den Kampf gegen den Willen des Boxers gestoppt hätte, hätte ich vor ihm für immer versagt.
Sdunek: Ich hätte ihn rausgenommen. Ich habe Vitali Klitschko auch schon rausgenommen.
SZ: Durch den Kampf wurde Abraham berühmt, dann ging es abwärts. War er der Boxer, der Sie am meisten enttäuscht hat?
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Wegner: Der hat ja eine Art, einmalig, der wickelt jeden ein.
SZ: Sie auch?
Wegner: Nä, vor zwei Jahren habe ich ihm gesagt: Arthur, pass auf! Du kannst ganz schnell fallen. Nur ist er zu schnell zu Geld gekommen. Wie soll er das auch verkraften? Kommt mit 8000 Euro Schulden an und ist jetzt Millionär. Er hat aber nicht alleine schuld. Ich war der Einzige, der es mit ihm gut gemeint hat. Ich kann ihn nicht im Stich lassen.
SZ: An diesem Samstag treten Sie gegeneinander an. Der Fernsehzuschauer kennt Ulli Wegner auch wegen seiner legendären Pausenansprachen. Bei den Kämpfen von Ihnen, Herr Sdunek, läuft in der Ringpause immer Werbung. Was machen Sie in der Minute eigentlich?
Wegner: Der schimpft auch ganz schön!
Sdunek: Ich bin etwas ruhiger in der Ecke, aber ich mache schon harte Ansprachen, wenn es notwendig ist. Wenn die Boxer aber nicht das machen, was sie sollen, halte ich auch mal die Schnauze. Dann gucken die mich erschrocken an: Warum sagt der nichts?
Wegner: Fritz hat ganz andere Typen. Einen Huck, einen Abraham muss ich klar, deutlich mit einfachen Anweisungen dirigieren.
Sdunek: Ich habe schon mal einem Typen eine Backpfeife gegeben. Oder das Beispiel Zsolt Erdei: Der boxte mit gebrochener Rippe; da habe ich dann den Schmerz vergrößert, habe reingedrückt. Oder eben der Trick mit der Gurgel.
SZ: Herr Sdunek, was trauen sie Marco Huck zu - unabhängig vom Kampf gegen ihren Schützling Afolabi?
Sdunek: Huck hat sich gut entwickelt. Er ist ein Junge mit Herz, kennt keine Angst, keine Gefahr. Er sollte im Cruisergewicht bleiben. Ich weiß nicht, ob ihm das Schwergewicht bekommen würde
Wegner: Beim Schwergewicht kannst du doch nur von deinen beiden Klitschkos sprechen. Alles andere ist doch schrecklich! Und der Kleene Klitschko, der hat nach wie vor Angst! Fritz, das sage ich dir: Guck' dir doch mal an, wie unsicher der ist. Klitschko kann unglaublich boxen, mit der Führungshand. Aber ich bin überzeugt: Huck haut den weg!
Sdunek: Einen der Klitschkos? Niemals!
Wegner: Den Großen nicht. Aber den Kleenen: Wenn der eine Bombe von Huck bekommt, dann hat der Angst.
Sdunek: Wladimir hat eine unglaubliche Führungshand, er hat seine Defensive verbessert. Schwer, den zu erwischen.
Wegner: Ich hätte gesagt: Huck, verzichte auf ein paar Pfennige, mach drei, vier Schwergewichtskämpfe, und dann nehmen wir uns den Kleenen vor.
SZ: Die Chance gibt es ja durchaus noch.
Wegner: Müssen wir mal sehen. Hängt auch ein bisschen davon ab, wie er sich jetzt aus der Affäre zieht.
SZ: Haben Sie beide schon über den Kampf am Samstag gesprochen?
Sdunek: Klar, wir haben uns gegenseitig die Taktik verraten. (lacht)
Wegner: Ich weiß sowieso, was Fritz vorhat.