Er spielte seinen Gegnern Knoten in die Beine: Danilo Popivoda, einer der ersten Bundesliga-Legionäre aus Jugoslawien, verkörpert die goldenen Siebziger von Braunschweig.
In den 70ern erlebte der Fußball in vielerlei Hinsicht seine wildeste Zeit: Lange Mähnen schmückten die Häupter der Gladbacher Fohlen, Nationalspieler Paul Breitner posierte im Afro-Look und mit Mao-Bibel, Torwart Sepp Maier ging im Strafraum auf Entenjagd. Selbst vor den Trikots eines damaligen Bundesligisten machte das Wild nicht halt. Günter Mast, der Kräuterlikör-Fabrikant aus Wolfenbüttel, nahm sich 1973 die Kicker von Eintracht Braunschweig zur Brust und platzierte dort das bekannte Logo seines guten Tropfens, den Hubertushirsch mit Kruzifix. Doch der Pionier der Kommerzialisierung bescherte der Bundesliga nicht nur das revolutionäre Trikot-Sponsoring, sondern auch einen der wildesten Fußballer, die das Land bis dahin erlebt hatte.
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Kräuterlikör-Fabrikant Günter Mast lockte den jugoslawischen Außenstürmer Danilo Popivoda (im Bild) nach Braunschweig. (© Foto: imago)
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Die Rede ist vom jugoslawischen Außenstürmer Danilo Popivoda, der bei der WM 1974 in Deutschland die Abwehrrecken reihenweise schwindlig gespielt und dadurch Vereine wie Schalke 04, Bayern München und den 1. FC Köln auf sich aufmerksam gemacht hatte. Doch der Wirbelwind an der rechten Seitenlinie hatte es auch Braunschweigs Trainer Branko Zebec angetan. Ohne zu zögern öffnete der neue Klubpräsident und Großsponsor Mast seine Schatulle, um den gebürtigen Montenegriner nach Braunschweig zu locken. Masts Spendierhosen wie auch Zebecs jugoslawische Wurzeln erwiesen sich als die entscheidenden Trümpfe im Poker um den begehrten Nationalspieler, und so wechselte der 28-Jährige im Sommer 1975 von Olympia Ljubljana zur Eintracht.
Trainingsunfall mit Torhüter Franke
Zunächst jedoch schien es, als sei der Transfer des technisch versierten Angreifers eher eine Schnapsidee denn ein großer Coup. Noch bevor die Saison überhaupt begann, brach sich Popivoda im Intertotospiel gegen das jugoslawische Novi Sad das Schlüsselbein und fiel monatelang aus. "Popi nie da", raunzte mancher Anhänger schon auf den Rängen im Stadion an der Hamburger Straße, doch der Ärger war schlagartig verpufft, als der sehnlichst erwartete Flügelflitzer am 13. Spieltag gegen den Hamburger SV endlich sein Debüt geben konnte.
Als wollte Popivoda all das Vergnügen, das ihm während seiner Abstinenz entgangen war, auf einen Schlag nachholen, vernaschte er Hamburgs Verteidiger Peter Hidien 90 Minuten lang nach Strich und Faden. Als sein erstes Bundesligaspiel abgepfiffen wurde, hatten ihn die Braunschweiger Fans längst zu ihrem neuen Liebling gekürt. Wie ein verführerischer Appetithappen wirkten Popivodas Kunststückchen auf die Zuschauer und machten Hunger auf mehr. Doch daraus wurde erst einmal nichts.
Noch vor dem nächsten Spiel brach sich der Hoffnungsträger bei einem Trainingsunfall mit Torhüter Bernd Franke erneut das Schlüsselbein und musste abermals pausieren. Erst zu Beginn des Jahres 1976 stürmte er wieder los, und diesmal ließ er sich von keiner Verletzung, geschweige denn von irgendwelchen Abwehrspielern aufhalten. Er war eine Art Fußball-Partisan, denn wie einst Titos Freiheitskämpfer ihre gefährlichsten Waffen unter der Zivilkleidung versteckt hielten, überraschte auch Popivoda mit plötzlichen Täuschungsmanövern seine Kontrahenten. Als "einen der schwierigsten und interessantesten Gegner meiner Karriere", bezeichnete Berti Vogts den ebenso kraftvollen wie trickreichen Stürmer.
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