Freshfields-Ermittlungen WM-Affäre: Zwei Münchner auf einem Bewirtungsbeleg

Auf Karl Hopfner und Karl-Heinz Rummenigge könnten Fragen in der DFB-Affäre zukommen.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • In der Affäre um die WM 2006 blieb der FC Bayern bisher außen vor.
  • Das könnte sich jetzt ändern - auf einer Rechnung tauchen zwei prominente Namen auf.
  • Die Namen wurden nachträglich durchgestrichen.
Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner

Es war kein angenehmer Gesprächstermin für die erfolgsverwöhnten Bayern. Aber er musste sein. Mehrere Monate gingen die Anwälte der Kanzlei Freshfields im Auftrag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) den vielen Merkwürdigkeiten rund um die Sommermärchen-Affäre nach, mehr als zwei Dutzend Interviews führten sie dabei. Fast alle Befragten hatten direkte Bezüge zum DFB, von den Protagonisten des damaligen WM-Organisationskomitees um Franz Beckenbauer bis zur aktuellen Archivleiterin.

Aber es gab einen zentralen Akteur rund um die WM-Bewerbung, der mit dem Verband unmittelbar nichts zu schaffen hat: den FC Bayern. Und so hatten die Abgesandten der Kanzlei Freshfields heikle Fragen im Gepäck, als sie sich zum Gespräch nach München aufmachten, zum Vereinspräsidenten Karl Hopfner.

Die Bayern und die Vergabe der WM 2006, das ist ein langes, in der aktuellen Aufarbeitung erstaunlich weit umdribbeltes Kapitel. Dabei erschienen den deutschen Bewerbern schon damals, kurz vor der Vergabe am 6. Juli 2000, Ruf und Dienste des Rekordmeisters als unverzichtbar. Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum im Februar 2000 flog fast ein Dutzend Wahlmänner des Weltverbandes Fifa ein, auf deutsche Kosten. Später wurden Testspiele des Klubs in Ländern von Fifa-Vorständen vereinbart, an denen lokale Würdenträger dank marktunüblicher Rechteverträge mitverdienten: Malta, Thailand, Tunesien.

Und als das vom damaligen Bayern-Chef Beckenbauer angeführte Bewerberkomitee vier Tage vor der WM-Vergabe noch einen von der heutigen DFB-Spitze als "Bestechungsversuch" eingestuften Vertrag mit Fifa-Skandalfunktionär Jack Warner schloss, beinhaltete das millionenschwere Leistungspaket auch dieses Versprechen: Jedes Jahr dürfe ein Klub aus Warners Nord-/Mittelamerikaverband Concacaf ein dreiwöchiges Trainingscamp mit dem FC Bayern bestreiten.

Auch sonst gab es in jenen Jahren eine Anbindung der Münchner an diverse Protagonisten, die Bedeutung für die WM-Akquise hatten: an Adidas, das 2001 sogar Anteile am Klub erwarb. An den damaligen Adidas-Eigner Robert Louis-Dreyfus persönlich, der Uli Hoeneß Geld zum Zocken lieh. Und auch an die TV-Rechte-Firma Kirch. Nach deren Zerschlagung flog sogar ein Geheimvertrag auf; vereinbart war, dass die Bayern auf Lobbyarbeit gegen die zentrale Fernsehvermarktung der Bundesliga verzichten und dafür von Kirch diskret mit zirka 40 Millionen Mark entschädigt werden sollten.

Was braucht es, um eine WM "gekauft" zu nennen?

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Und dann gab es da noch eine seltsame Verbindung. Viele Jahre nach der WM, als Insider die Furcht beschlich, dass das Sommermärchen ein heikles Thema werden könnte, kam es zu einem diskreten Treffen, in dessen Kontext auch zwei Münchner Spitzenkräfte auftauchen: Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Klubpräsident Karl Hopfner.

Am 24. September 2012 traf am Frankfurter Flughafen eine prominente Runde zusammen - aufgeschreckt von einer Entscheidung des Schweizer Bundesgerichts. Die oberste Instanz hatte geurteilt, dass die sogenannte Einstellungsverfügung zum ISL-Prozess in teilweise anonymisierter Form veröffentlicht werden müsse - also das Schlussdokument zum Strafprozess um jene Sportrechteagentur, die über ein Jahrzehnt in der Sportwelt mindestens 142 Millionen Franken Schmiergeld verteilt hatte. Das Papier nährte nun den Verdacht, die ISL habe auch an der WM-Vergabe nach Deutschland mitgedreht. Immerhin gingen am Tag vor dem Entscheid im Juli 2000 von einem ISL-Konto 250 000 Dollar ab.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, es sei an den Neuseeländer Charles Dempsey gegangen, dessen merkwürdige Enthaltung anderntags im Fifa-Wahlgremium in der Schlussrunde Deutschlands 12:11-Sieg über Südafrika sicherte. Nun, im Herbst 2012, saßen die deutschen Fußball-Granden nach übereinstimmender Auskunft aus der Runde im Airport-Club beisammen: Beckenbauer, der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, Strippenzieher Fedor Radmann, Horst R. Schmidt und Theo Zwanziger, also alle Mitglieder des früheren OK-Präsidiums. Anlass des Treffens laut Bewirtungsbeleg: "OK der WM 2006 - Finanzen".