Frauenfußball-Nationalmannschaft Am liebsten gemeinsam

"Auf jeden Fall nicht wischi-waschi": Als Nationalspielerin hat Steffi Jones einen WM-Sieg und drei EM-Titel errungen. Als Bundestrainerin will sie diese Erfolge fortführen.

(Foto: Thomas Lohnes/Getty Images)

Die neue Bundestrainerin Steffi Jones, 43, setzt zum Amtsantritt auf einen verstärkten Austausch mit den Trainern der Frauenfußball-Bundesliga. 2017 will sie den EM-Titel.

Von Anna Dreher, Frankfurt

Fünf Tage nach dem historischen Gold-Erfolg der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft steht Steffi Jones in einem schlichten Konferenzraum in einem Hotel am Frankfurter Flughafen, eine Zeitenwende beginnt manchmal ganz ohne Pomp. Scheinwerfer sind auf sie gerichtet: Die neue Frauen-Bundestrainerin des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat eingeladen, um sich und ihr Konzept der Öffentlichkeit vorzustellen.

In ihren ersten offiziellen Tagen als Nachfolgerin von Titelsammlerin Silvia Neid hat die 43-Jährige im Rahmen einer Trainertagung der Frauenfußball-Bundesliga ihre Ziele, ihr Vorgehen und ihren neu zusammengestellten Trainerstab vorgestellt. Sie wollte früh Einblick in ihre Arbeit geben, Vertrauen zeigen. Als Bundestrainerin, das zumindest ist der erste Eindruck, wird Jones so offen und kommunikativ sein, wie sie es als Nationalspielerin, Chefin des Organisationskomitees der Frauenfußball-WM 2011 und als DFB-Direktorin für den Frauenfußball war. Sie möchte, so sagt sie, eine enge Zusammenarbeit und viel Austausch auf dieser Ebene - mehr, als es unter Neid der Fall war.

Beim nächsten Lehrgang will sie die neue DFB-Kapitänin benennen

Auch deswegen hat sie zwei Assistenztrainer in ihr Team berufen, die sich sowohl auf Verbandsebene wie auch in der Bundesliga auskennen. Verena Hagedorn, 34, die mit Jones für kurze Zeit in der Nationalmannschaft spielte, gehörte seit 2007 zum Trainerlehrstab des Fußball-Verbandes Mittelrhein. Markus Högner, 49, hat sich seit 2010 als Trainer des Frauen-Bundesligisten SG Essen einen Namen gemacht, ihn kennt Jones vom gemeinsam absolvierten DFB-Lizenztrainer-Lehrgang. "Ich hatte bei beiden das Gefühl, dass wir die gleiche Philosophie verfolgen", sagt Steffi Jones. "Für mich war von Anfang an klar, dass ich mit ihnen zusammen arbeiten wollte."

Neben dem Wunsch nach einem offenen Austausch und dem Team-Gedanken auf der Trainerebene hat Jones von dem Fußball gesprochen, den sie spielen lassen möchte und den sie erwartet: variabel, dominierend, ballbesitzorientiert. "Wir werden den Fußball nicht neu erfinden, sondern wollen an die Erfolge anknüpfen. Wir gehen grundsätzlich ein paar andere Wege, werden aber nichts großartig ändern", formuliert Jones etwas nebulös. "Es wird auf jeden Fall nicht wischi-waschi werden." Immerhin soll der Frauen- und Männerfußball beim DFB in der Konzeption nicht länger unterschiedlich sein, die Spielauffassung soll vereinheitlicht werden.

Ein wichtiger Aspekt von Jones' Arbeit wird daher sein, den von ihr gemeinsam mit DFB-Sportdirektor Hans Flick entwickelten Leitlinien für die Auswahl-Mannschaften Leben einzuhauchen, in denen zunächst erwartbare Aspekte wie taktisches Verständnis, optimale Athletik und mentale Stärke enthalten sind. Daneben hat sie Positionsprofile erstellt, die jeder Spielerin klarmachen sollen, was von ihr gefordert wird. Für Jones, die noch kaum Erfahrung als Trainerin hat, ist das Amt eine Herausforderung, doch sie bittet um Geduld: "Es ist Fakt, dass mir die praktische Erfahrung fehlt", sagt Jones. "Aber ich kann erst dann überzeugen, wenn ich in meinem Traineramt angefangen habe."

Schon Mitte September muss Jones in Russland und Ungarn bei den Qualifikationsspielen für die Europameisterschaft 2017 in den Niederlanden unter Beweis stellen, ob ihre Konzepte funktionieren - die EM-Teilnahme steht immerhin bereits fest. Was sie 2017 bei ihrem ersten Turnier als Cheftrainerin erreichen will, weiß sie bereits: "Wenn wir etwas machen, dann richtig. Und deshalb wollen wir bei der EM auch den Titel." Die Rücktritte der Teamroutiniers Saskia Bartusiak, Annike Krahn und Melanie Behringer haben ihre Aufgabe noch spannender gemacht: Steffi Jones muss ihre Spielidee etablieren und zugleich eine neue Hierarchie im Team aufbauen. Wer Bartusiak als Kapitänin nachfolgt, will sie der Mannschaft beim nächsten Lehrgang mitteilen: "Ich weiß, wer in Frage kommen könnte."