Frauenfußball-EM Es sollte einfach nicht klappen

Sara Däbritz verzweifelt. Die Deutschen schaffen es nicht, die Abwehr der Schweden zu knacken.

(Foto: dpa)
Von Anna Dreher, Breda

Immerhin eine Premiere, das war wohl das einzig Positive, das Deutschland und Schweden nach ihrem Auftaktspiel der Europameisterschaft in den Niederlanden bilanzieren konnten. In bisher 26 Begegnungen hatte es noch nie ein Unentschieden gegeben - am Montagabend war es das erste Mal soweit: Die beiden Dauerrivalen trennten sich 0:0. Vor allem die deutsche Nationalmannschaft hatte sich den Abend anders vorgestellt, im Hinblick auf ihr großes Ziel, den siebten EM-Titel in Serie, ist das Team jedoch noch im Plan. Bei ihren bisher neun Europameisterschafts-Teilnahmen haben die deutschen Frauen noch nie ein Auftaktspiel verloren und immerhin acht Mal den Titel gewonnen.

"Schweden ist in der Lage uns zu schlagen, wenn wir zu nervös werden oder den roten Faden verlieren", hatte Jones vor dem Spiel gewarnt: "Aber in den Testspielen haben wir immer unsere Philosophie durchgezogen." Ihr Optimismus wurde am Abend von ihren Spielerinnen auf dem Platz im Rat Verlegh Stadion in Breda nicht bestätigt. In der Wiederauflage des olympischen Finales von Rio 2016 war ein hochklassiges Duell auf Augenhöhe erwartet worden. Das beschränkte sich dann allerdings in der ersten Halbzeit vor allem darin, dass beide Mannschaften sehr nervös agierten. Das Tempo war zwar hoch - die Fehlerquote allerdings auch. Es fehlte an Ruhe und dadurch an Präzision.

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Im Vergleich zu ihrem letzten Test im Länderspiel gegen Brasilien hatte Jones ihre Startaufstellung auf zwei Positionen geändert. Statt Linda Dallmann und Hasret Kayikci rückten Josephine Henning sowie die beim schwedischen FC Rosengard spielende Anja Mittag auf. Sara Däbritz spielte nicht, wie erwartet, auf der Sechs, sondern im linken Mittelfeld. Die Position von Däbritz nahm Kristin Demann ein, die wie Lina Magull, Mandy Islacker und Carolin Simon zum ersten Mal bei einer Europameisterschaft eingesetzt wurde.

Nachdem Schweden mit schnellen Angriffen früh Druck ausübte, kamen die Deutschen in der 9. Minute erstmals zu einer Chance. Nach einer Hereingabe von Lina Magull, die eine der auffälligsten deutschen Spielerinnen in der ersten Halbzeit war, kam Svenja Huth mit ihrem Kopfball jedoch nicht an Schwedens Torhüterin Hedvig Lindahl vorbei. Die deutsche Mannschaft erarbeitete sich danach mehr Ballbesitz und Kontrolle, kam aber nach wie vor nicht zu guten Abschlüssen. Auch die Einwechslung der besten Bundesliga-Torschützin der vergangenen zwei Jahre, Mandy Islacker, in der 39. Minute für Svenja Huth änderte daran nichts.

In der zweiten Halbzeit kam Deutschland immerhin besser in die Partie. Drei Minuten nach Wiederanpfiff spielte die sonst so präsente Spielmacherin Dzsenifer Maroszan, die bei vergangenen Begegnungen gegen Schweden entscheidende Tore geschossen hatte, einen Pass in den Lauf von Islacker. Aber noch bevor sich die Angreiferin überlegen konnte, wie sie den Ball am geschicktesten ins Tor treten sollte, grätschte ihr Schwedens Abwehrchefin Nilla Fischer den Ball weg. Kurz danach versuchte es Anna Blässe mit einer Flanke von rechts auf den zweiten Pfosten - wieder auf Islacker, doch die verpasste den möglichen Führungstreffer abermals knapp. In der 65. Minute war es erneut Islacker, die der deutschen Nationalmannschaft die Erlösung hätte bringen können. Den scharf gespielten Ball von Carolin Simon lenkte die 28-Jährige jedoch unglücklich knapp am Tor vorbei. Lindahl wäre wohl nicht mehr rangekommen.

Schweden mit seinen erfahrenen Spielerinnen Lotta Schelin, Caroline Seger, Fischer, Lisa Dahlquist und Lindahl traute sich in den letzten 20 Minuten wieder mehr. Schelin hätte nach einem Konter in der 74. Minute treffen können, aber da stand Almuth Schult im Weg. Gefährlicher war neun Minuten später der Schuss von Islacker nach einem Pass von Marozsan, den Lindahl gerade noch so über ihr Tor lenken konnte. Es sollte einfach nicht klappen, egal, wer etwas versuchte. "Das war ein sehr intensives Spiel gegen einen defensiv eingestellten Gegner. Wir haben in der zweiten Halbzeit Lösungen gefunden, aber das Tor nicht gemacht. Dennoch können wir auf die Leistungen aufbauen", sagte Jones nach dem Spiel in der ARD. Für die deutsche Nationalmannschaft steht am Freitag das nächste Gruppenspiel gegen Italien an (20.45 Uhr/ARD), das am Montag 1:2 (0:2) gegen Russland verloren hat.

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