Eine Aufnahme von Frauenboxen, Golf und Rugby ins olympische Programm hätte nicht nur sportliche Gründe - die Sportarten liefern wichtige Argumente für Verhandlungen mit TV-Sendern und Sponsoren.
Die Olympischen Spiele als reine Sportveranstaltung abzutun wäre eine Untertreibung, so als würde man sagen, dass Uli Hoeneß den FC Bayern gern hat. Es geht schon lange nicht mehr darum, dass sich die "Jugend der Welt" zu einem sportlichen Vergleich trifft, wie es der Begründer der modernen Olympischen Spiele, Pierre de Coubertin, im Sinn hatte.
Von 2012 an im olympischen Programm: Frauenboxen. (© Foto: Getty)
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Sie sind gewaltige Medienereignisse, von den Spielen in Peking 2008 etwa berichteten mehr als 18.000 Journalisten. Sie werden politisiert, diese Spiele, obwohl de Coubertin genau das Gegenteil im Sinn hatte, als er sie wiederbelebte. Und sie sind ein gewaltiges Wirtschaftsimperium. Allein die Vermarktungseinnahmen der Winterspielen 2006 in Turin und der Sommerspiele 2008 in Peking betrugen zusammen mehr als fünf Milliarden Dollar.
Wenn das Internationale Olympische Komitee also neue Sportarten ins Programm aufnimmt, dann nicht nur, um der Jugend der Welt neue Plattformen zu geben, sich sportlich zu messen. Mit der Empfehlung von Golf und Siebener-Rugby für die Aufnahme ins Programm der Olympischen Spiele 2016 will sich die Weltregierung des Sports attraktiver und für die milliardenschweren Sponsoren der höchstprofitablen Profisportarten lukrativer machen. Mit diesem Vorschlag hat die IOC-Exekutive am Donnerstag in Berlin die Kommerzialisierung vorangetrieben, am 9. Oktober wird in der IOC-Vollversammlung über die Aufnahme abgestimmt.
Dass Sportarten wie Karate, Squash und Inline Skating dagegen abgelehnt wurden, dürfte ebenfalls nicht nur sportliche Gründe haben. "Alle Sporarten hatten Vorteile, aber ich denke, wir haben eine nachvollziehbare Wahl getroffen", sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach nach der Sitzung in Berlin. Vor allem deshalb, weil vor allem Golf dem IOC ein schlagkräftiges Argument liefert bei den Rechteverhandlungen mit amerikanischen Fernsehstationen und den gesprächen mit zahlungskräftigen Sponsoren.
Auch Rugby gilt als eine wirtschaftlich rentable Sportart, allein beim vergangenen World Cup wurde ein Profit von mehr als 100 Millionen Euro erzielt. "Wir sind eine jugendliche, dynamische Sportart, die großen wirtschaftlichen Erfolg nachweisen kann", erklärte Mike Miller, der Generalsekretär des Weltverbandes International Rugby Board. So wie Golf ein Argument für den amerikanischen Markt ist, dürfte Rugby das Zugpferd für Verhandlungen mit Fernsehsendern und Sponsoren in Australien sein.
Auch für die Verbände der Sportarten lohnt sich die Aufnahme ins Olympische Programm. Jeder Verband, der bei Olympia vertreten ist, darf mit einer IOC-Subvention von mindestens 15 Millionen US-Dollar rechnen. "Wir drücken die Daumen, dass die IOC-Vollversammlung der Empfehlung des Präsidiums folgt, damit Golfen unter den fünf Ringen ab 2016 nach über 100 Jahren wieder möglich wird", sagt der Präsident des Deutschen Golf Verbandes, Wolfgang Scheuer. "Wir können jetzt endlich alle unsere Pläne in die Tat umsetzen", sagte Rugby-Verbandspräsident Claus-Peter Bach, der nun auf mehr Förderung und Professionalisierung hoffen darf.
Deshalb wird auch die Aufnahme von Frauenboxen ins Olympische Programm nicht so positiv aufgenommen wie von IOC-Präsident Jacques Rogge erhofft: "Frauenboxen ist eine großartige Ergänzung. Es war Zeit, den Sport aufzunehmen", sagte Rogge und betonte, dass durch das zulassen von drei gewichtsklassen der Anteil an weiblichen Athleten erhöht würde.
Das sei eine fadenscheinige Begründung, so zahlreiche Kritiker, weil das IOC durch die Empfehlung von Golf den eigenen Anspruch auf Gleichbehandlung der Geschlechter in Frage stellen würde - zwei der wichtigsten Clubs der Welt (Augusta National Golf Club, St. Andrews) lassen keine weiblichen Mitglieder zu. So bleibt nach den Vorschlägen des IOC der Eindruck: Die Jugend der Wlt soll künftig vor allem Golf spielen.
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(sueddeutsche.de/dpa/jüsc/dop)
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warum man Sportarten wie Squash, Karate und inline skating aus dem Programm nimmt oder gar nicht erst aufnimmt. Die Kosten dürften sich in Grenzen halten. (n Glaskäfig und paar matten aufm Boden) Klar sind das nicht wirklich Publikumsmagneten, nur bin ich der Meinung dass alle sauberen Leistungssportler dass Recht haben sollten bei olympisches Spielen teilzunehmen. Bei Wildwasser Kanu, wo man erstmal ne Anlage für zig Millionen hinstellen muss, die nachher keiner mehr braucht, könnte ich einen Ausschluss noch teilweise nachvollziehen.