Keine Interviews, keine Geschichten und jetzt auch noch falsche Sammel-Bildchen: Die Nordkoreanerinnen werden bei der WM nur als anonymes Team geführt - sie sind lediglich als Einheit anwesend, als Element, um das Spieltableau komplett zu machen. Als Individuen existieren sie nicht.
Die Firma Panini gibt seit Ewigkeiten Fußball-Sammelbilder heraus, Sticker mit zum Teil bemerkenswert frisierten Männergesichtern. Jetzt sind zum ersten Mal Frauen drauf, 336 WM-Fußballerinnen. Die Kollektion ist eine Herausforderung für die Sammler, aber auch für Panini: Bei jedem abgebildeten Fußballer stehen Geburtsdatum, Größe und Gewicht, bei den Frauen haben sie auf die Angaben zum Gewicht verzichtet, weil das charmanter ist. Zum ersten Mal hat Panini außerdem ein Sammelbild zweimal im Album, Jon Myong Hwa (Bildnummer 214) sieht exakt so aus wie Kim Kyong Hwa (Bildnummer 206).
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Gestatten, Jon Myong Hwa. Oder doch Kim Kyong Hwa? Das Bild ist im Panini-Heft dasselbe. (© Panini)
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Der Fehler lag bei Panini, hat deren Sprecherin inzwischen zugegeben, sie haben da was durcheinandergebracht und einem Spielerinnengesicht zwei Namen zugeordnet. Ein peinliches, aber nachvollziehbares Versehen, weil auch sämtliche Teamkolleginnen von Jon Myong Hwa und Kim Kyong Hwa so ähnlich aussehen wie Jon Myong Hwa und Kim Kyong Hwa. Zumindest lassen sich alle beim selben Experten die Haare schneiden.
Rechts- oder Linksfuß? Wer weiß.
In Nordkorea ist Frauenfußball Staatssport, der bemerkenswert frisierte Diktator Kim Jong Il fordert den Weltmeister-Titel. Anders als die Männer haben Nord-koreas Frauen tatsächlich eine Chance, sie sind schnell und bestens trainiert, und ihre Verwechselbarkeit könnte sogar ein Wettbewerbsvorteil sein, ein taktischer Trick, eine moderne Variante des Hase-und-Igel-Spiels.
Wie soll sich, zum Beispiel an diesem Dienstag, im Spiel der Gruppe C eine amerikanische Verteidigerin einstellen auf eine Stürmerin, die den Ball plötzlich mit dem rechten Fuß dressiert, wo sie doch gerade noch Links- füßerin war?
Profifußball ist eine von vielen Kameras umstellte Bühne, jeder Spieler ist gleichzeitig Darsteller. Er nutzt die Gelegenheit, sich dem Publikum vorzustellen, durch sein Spiel, seine Interviews; durch Fotos in Magazinen, auch durch sein Styling auf den Panini-Bildchen. Die Sportler prägen sich dem Publikum ein, inzwischen weiß jeder, der es wissen will, dass die Mexikanerin Lupita Worbis eine Art Intellektuelle ist.
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Na toll, da die Nordkoreanerinnen diesen SZ-Artikel aus dem Gastgeberland ohnehin nicht lesen, kann man als SZ-Schreiber ruhig richtig vom Leder ziehen? Die kulturellen, politischen und besonders die menschlichen Unterschiede können in der Tat nicht sein. Die westliche Arroganz ist weltweit ohne Beispiel.
Aber man muss wohl froh sein, dass diese Spielerinnen überhaupt Namen haben und nicht nur Nummern...
So traurig das ist mit den totalitären Diktaturen...
Die Persiflage in dem Text geht aber zu weit, denn eine Passage wie "Ein peinliches, aber nachvollziehbares Versehen, weil auch sämtliche Teamkolleginnen von Jon Myong Hwa und Kim Kyong Hwa so ähnlich aussehen wie Jon Myong Hwa und Kim Kyong Hwa." sind nicht hinnehmbar... Sie klingen wie aus Schulbüchern aus Dunkeldeutschland...
"Wer das Paninialbum besitzt, weiß, dass die Nordkoreanerinnen im Album tatsächlich alle gleich aussehen - künstlich, wie mit Photoshop zusammenkopiert."
Natürlich besitze ich kein Paninialbum.
Habe ich nie, werde ich auch nie... Wenn dann die Hanuta-Sammalbilder... (Eigtl ein Skandal dass es zur Frauen-WM keine gibt!)
Naja, dann ist der Artikel wohl insofern falsch, als dass hier nur 2 gleich aussehen und der Rest zum Verwechseln ähnlich.
Mir ging es auch nicht darum, wie die Bilder aussehen, sondern dass mich diese Ausführungen fatal an einschlägige Literatur erinnert hat...
Wer das Paninialbum besitzt, weiß, dass die Nordkoreanerinnen im Album tatsächlich alle gleich aussehen - künstlich, wie mit Photoshop zusammenkopiert.
Sie haben wohl kein Album, denn die Nigerianerinnen sehen in keinster Weise alle gleich aus. Aber immer gleich den Rassismusvorwurf raushauen, obwohl man eigentlich nicht mitreden kann ...
...ob irgendeiner der Schlaumeier hier im Forum auch nur ein paar Monate mit einer der NK Spielerinnen tauschen möchte.
Und ja, wenn ich Gäste hier im Land habe, dann möchte ich sie auch ganz gerne ein wenig kennenlernen und etwas über sie erfahren (das dann auch gerne über Klatsch und Tratsch hinausgehen darf). Wenn die Spielerinnen dann keine Lust auf Gespräche haben, kein Problem - wenn sie das dann selbst sagen! Wenn sie aber von einer ganzen Meute staatlicher und angeheuerter Security-Aufpasser hermetisch abgeschottet werden, dann macht mich das mißtrauisch und ich finde das ziemlich unentspannt.
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