Frauen-WM 2011 nach dem deutschen Aus Schocktherapie für die neue Liebe

Es klingt paradox, aber im Prinzip ist das deutsche Viertelfinal-Aus eine gute Nachricht. Es zeugt von der hohen Qualität des Teilnehmerfelds und stellt die Nation zugleich auf eine Probe: Wie ernst ist es ihr mit der neuen Zuneigung zum Frauenfußball?

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Das Land war bereit, sich überraschen zu lassen von der Frauenfußball-WM. Aber war es auch auf dieses Scheitern gefasst? Das Scheitern trifft einen ja oft mit weniger Wucht, wenn man es, bevor es eintritt, schon mal in Erwägung gezogen hat.

Bei der Männer-WM 2010 in Südafrika beispielsweise fuhren die Spieler des gastgebenden Teams schon vor dem Turnier im offenen Bus durch Johannesburg, eine ganze Stadt feierte mit, und alle zusammen ahnten, dass es nie mehr so schön werden würde. Es wurde dann tatsächlich nie mehr so schön, aber die Fußballwelt drehte sich gelassen weiter, trotz des frühen Ausscheidens der Südafrikaner.

Im deutschen Team hatten sie vor den Japanerinnen gewarnt. Unangenehm, technisch überlegen. Gegen die kann man verlieren, die Spielerinnen wussten das. Vorbereitet waren sie trotzdem nicht auf das Scheitern. Und bis ins Land war die Warnung erst recht nicht durchgedrungen. Also wird sich jetzt in einer Art Schocktherapie erweisen, wie ernst es dem Land wirklich ist mit seiner neuen Liebe zum Frauenfußball.

Dass der Weltmeister nicht jedes Mal Deutschland heißt, zeigt ja gerade, wie wettbewerbsfähig es im Frauenfußball inzwischen zugeht. Es ist, bei aller Enttäuschung, Ausweis einer neuen Qualität. Und bisher sieht es so aus, als ob das beim Konsumenten auch so angekommen ist.

Auf die Fanmeilen gehen die Menschen bisweilen sogar trotz des Fußballs: wegen der Geselligkeit. Aber wer sich vor seinen Fernseher setzt, um sich Schweden-Australien oder England-Frankreich anzuschauen, dem darf man Interesse für die Sache unterstellen. Die Millionenquoten, die Übertragungen ohne deutsche Beteiligung bisher erzielten, sind ein ziemlich unbestechlicher Indikator.

Ein Erfolg ist dieser WM deshalb nicht mehr zu nehmen: Sie hat den Frauenfußball zügig auf seinen Kern reduziert. Vor dem Turnier ging es um alles mögliche. Seit der Ball rollt, geht es vor allem: um Fußball. Eines allerdings blieb dem Turnier erhalten: Die WM war wieder eines dieser schwarzrotgoldenen Jubel-Events, an dem sich viele beteiligen, weil es längst nette Sommer-Gewohnheit ist. Ab sofort, ohne die deutsche Elf, ist dem Turnier auch diese Konnotation genommen.

Nun spielen eben die momentan besten vier Frauenfußball-Teams der Welt auf deutschem Boden gegeneinander. Der Frauenfußball erweckt bisher den Eindruck, als sei er gekommen, um zu bleiben - wie viel Anteilnahme auch der letzten WM-Woche noch entgegengebracht wird, wird nun ein Hinweis sein, ob dieser Eindruck der Realität standhält.

"Das ist alles surreal"

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