Frauen-Nationalmannschaft Jones muss es jetzt nur besser machen

Steffi Jones bleibt Frauen-Nationaltrainerin.

(Foto: dpa)

Bei der EM scheiterten die DFB-Fußballerinnen viel zu früh. Warum Steffi Jones trotzdem eine zweite Chance verdient hat.

Kommentar von Anna Dreher

Noch bevor Steffi Jones wusste, was ihr Arbeitgeber sagen würde, sagte sie lieber selbst etwas. Ihre eigene Motivation sei da, an solchen Erfahrungen wachse man - und ja, sie wolle weitermachen. Es waren Sätze, die im Moment der Niederlage Stärke und Zuversicht ausdrücken sollten. Die Trainerin der Frauenfußball-Nationalelf wusste ja, worum es jetzt ging, nachdem ihr Debüt bei der Europameisterschaft in den Niederlanden missglückt war. Überraschend und historisch früh schied Deutschland im Viertelfinale gegen Dänemark aus. Und Jones' Verbleib als Bundestrainerin wurde in Frage gestellt.

Der Deutsche Fußball-Bund zog es vor, sich nicht zu früh festzulegen. Präsident Reinhard Grindel sagte, man werde in Ruhe analysieren, was zu tun sei, um an frühere Erfolge anzuknüpfen. Zehn Tage dauerte dieser Prozess, bis der DFB seiner Führungskraft das Vertrauen aussprach. Sehr deutlich sogar: Jones wurde nicht nur bestätigt, ihr Vertrag wurde bis zur WM 2019 in Frankreich verlängert - mit Option bis zu Olympia 2020.

Jones hat sich akribisch auf ihre Aufgabe vorbereitet

Es ist die zweite Chance, auf die Jones gehofft und die sie auch verdient hat. Die 44-Jährige ist auf höchster Ebene als Trainerin eingestiegen, als Nachfolgerin der erfolgreichen Silvia Neid von Beginn an von großen Erwartungen begleitet. Dass diese Konstellation - mit nur zehn Monaten Vorlauf auf ein wichtiges EM-Turnier - ein Risiko barg, wusste der DFB. Jones hat sich akribisch auf ihre Aufgabe vorbereitet. Dass es dennoch nicht gereicht hat, lag an vielen Faktoren, die letztlich zu einer Überforderung aller Beteiligten geführt haben.

In die eigene Falle getappt

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Jones wollte den Olympiasieger, zweimaligen Welt- und achtmaligen Europameister nicht einfach nur übernehmen. Sie ließ offensiver spielen, änderte das Team, war offener im Austausch, bezog die Akteurinnen stärker in Entscheidungen ein. Die Spielerinnen schätzten all das sehr. Doch die Leistung auf dem Platz blieb aus - bei einer Mannschaft, die selbst von ihrem Potenzial überzeugt war. Immer wieder wurde die Favoritenrolle betont und damit der ohnehin hohe Druck noch unnötig erhöht.

Jones will viel, was mittelfristig richtig sein mag. Aber andere Nationen, das zeigte die EM, haben aufgeholt. Für den Anfang wollte Jones daher wohl zu viel. Die Frage bleibt, ob sie bei der fehlerhaften Umsetzung ihrer gut gemeinten Modernisierungsmaßnahmen dies früher hätte erkennen müssen. Letztlich hat sich das DFB-Team selbst geschlagen.

Nun hat Steffi Jones Zeit bekommen, zu einer erfahrenen Bundestrainerin zu werden und zu festigen, was sie angefangen hat. Bis zur WM bleiben ihr zwei Jahre. Steffi Jones darf es weiterhin gut meinen - sie muss es nur besser machen.

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