Franz Beckenbauer Auf gut Deutsch

Einst gemeinsam im Fifa-Vorstand: Der Katarer Mohammed bin Hammam (l.) und Franz Beckenbauer.

(Foto: Karim Jaafar/dpa)

Nachdem der Weltverband eine 90-Tage-Sperre verhängt hat, kündigt Franz Beckenbauer an, den Fifa-Ermittlern bald zu antworten. Es bleibt ein Widerspruch - und Ungewissheit über die Folgen der Sanktion für seine Aktivitäten im Dunstkreis des Fußballs.

Von Johannes Aumüller und Thomas Kistner, Rio de Janeiro/München

Am Sonntag unternahm das Lager des Fußball-Kaisers den Versuch, die heikle Lage ein wenig zu entspannen. Franz Beckenbauer habe dem Weltverband mitgeteilt, bis spätestens 27. Juni die Fragen der Fifa-Ermittler zu beantworten, hieß es in einer Erklärung seines Managements.

Darin schwingt die Hoffnung mit, dass der Wirbel um die Causa weitgehend abflauen wird. Beckenbauers legendäre Lockerheit habe halt zu einem Missverständnis geführt, soll der Eindruck sein - nun antwortet er ein bisschen später, wenn die Fifa-Ermittler um US-Anwalt Michael Garcia mit allen Beteiligten der skandalumtosten Doppelvergabe der WM-Turniere 2018 (nach Russland) und 2022 (nach Katar) das Gespräch suchen.

Ob damit all das Ungemach rund um die provisorische 90-Tage-Sperre abzuhaken ist, die der Weltverband auf Garcias Antrag gegen Beckenbauer wegen bisher nicht erfolgter Kooperation mit den Ermittlern verhängt hat, bleibt abzuwarten. Brisant ist ja vor allem, dass die Fifa-Ethiker das einstige Vorstandsmitglied (2007 bis 2011) indirekt der Lüge zeihen.

Beckenbauer will Fifa-Fragen beantworten

Nun will sich Franz Beckenbauer äußern: Nach der Sperre durch die Fifa kündigt sein Management eine Erklärung bis zum 27. Juni an. Das Vorgehen des Fußball-Weltverbands habe Beckenbauer überrascht. mehr ...

Gemäß Mitteilung des Weltverbandes sei Beckenbauer "wiederholt" angefragt worden, "in einem persönlichen Interview oder durch die Beantwortung schriftlicher Fragen, die in Englisch und Deutsch gestellt wurden, Informationen zu liefern". Dies widerspricht Beckenbauers bisheriger Darstellung. Bis zur Verhängung der Sperre hatte er gesagt, dass er die Ermittler-Fragen nur in einem "Juristen-Englisch" erhalten habe, das er "bei einer so komplizierten Materie nicht vollständig verstanden habe". Und dass es nicht, wie von ihm gewünscht, zur Unterredung auf Deutsch gekommen sei. "Dann eben nicht", sei die Reaktion gewesen.

Nun heißt es in der Mitteilung des Managements lapidar, Beckenbauer werde in schriftlicher Form auf Deutsch antworten. Offen bleibt dabei, wann und wie oft die Ermittler in welcher Sprache Beckenbauer einen Fragebogen übersandt haben. Konkrete Nachfragen beantwortete Beckenbauers Management am Sonntag nicht. Das US-Büro von Garcia erklärte auf SZ-Anfrage, man werde keine weiteren Kommentare abgeben.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach teilte dazu mit: "Es ist gut, dass Franz seine Kooperationsbereitschaft deutlich gemacht hat und ich gehe davon aus, dass jetzt alle offenen Fragen geklärt werden." Neben diesem Aspekt geht es um inhaltliches. 130 Fragen umfasst Garcias Katalog laut Beckenbauer. Zwar schrieb Bild jüngst, er habe bei der Kür Katars in Runde eins Australien gewählt, danach die USA. Indes publizierte die Sunday Times jüngst Material, bei dem es um Treffen Beckenbauers mit hohen Vertretern im Emirat und dem früheren Fifa-Vorständler Mohammed bin Hammam ging.