Frankreichs Fußball nach dem Terror Jetzt erst recht - Frankreichs Fußballer und ihre Botschaft an die Nation

Olivier Giroud, rechts, jubelt mit den Teamkollegen. Da war im Stadion noch nichts vom Terror bekannt.

(Foto: AP)
  • Nach den Anschlägen in Paris stellt sich Frankreich die Frage, wie sicher die Fußball-EM im kommenden Jahr sein kann.
  • Die Verantwortlichen kennen das Sicherheitsrisiko, deshalb reagieren sie nun besonnen: Die EM soll stattfinden.
  • Am Dienstag spielt die französische Nationalmannschaft im Wembley-Stadion gegen England.
Von Claudio Catuogno, Paris

Am Samstagabend gab der französische Nationalspieler Lassana Diarra von Olympique Marseille eine Erklärung heraus, und spätestens da wurde auch dem Letzten bewusst, wie unmittelbar sich der Terror nun auch in den Sport hineingefressen hat, in den Fußball. "Meine Cousine Asta Diakite ist unter den Opfern einer der Schießereien gestern Abend, wie viele Dutzend weitere unschuldige Franzosen", schrieb Diarra. "Sie war für mich ein Vorbild, eine Unterstützerin, eine große Schwester."

Lassana Diarra hatte am Freitag in der Startelf gestanden im Freundschaftsspiel gegen die Deutschen, defensives Mittelfeld, er hatte die Explosionen gehört, er hatte mitbekommen, wie es mit der Zeit beklemmend still wurde im Stade de France. Er hatte dann später, wie auch die DFB-Elf und ihre Entourage, bis weit in die Nacht hinein in den Stadionkatakomben ausgeharrt und fassungslos auf einen Fernseher gestarrt: Paris im Ausnahmezustand. Und irgendwo in diesem Chaos, in oder vor einem der angegriffenen Cafés und Restaurants im zehnten oder elften Arrondissement, wurde an diesem Abend seine Cousine erschossen.

Ins Stadion kamen die Attentäter nicht hinein

Diarra, 30, schwarze Hautfarbe, geboren in Paris, hat am Tag danach nicht nur den Verlust beklagt, er hat auch eine Botschaft mit diesem Verlust verbunden: "In diesem Klima des Terrors ist es für uns alle, die wir unser Land und seine Vielfältigkeit repräsentieren, wichtig, das Wort zu ergreifen und vereint zu bleiben gegen einen Horror, der weder Farbe noch Religion hat. Lasst uns zusammen die Liebe, den Respekt und den Frieden verteidigen."

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Schon am Samstagmorgen um 3:30 Uhr hatte der Nationalspieler Antoine Griezmann, 24 - ebenfalls Startelf, rechter Flügel - bei Twitter diese Nachricht vermeldet: "Gott sei Dank ist meine Schwester aus dem Bataclan rausgekommen. Ich bin mit all meinen Gebeten bei den Opfern und ihren Familien. #ViveLaFrance". Das Bataclan ist die Konzerthalle, in der 89 Besucher diesen schwarzen Abend nicht überlebten.

Solange es um Leben oder Tod geht, stellt natürlich erst mal niemand die Frage, was das alles eigentlich für die Europameisterschaft 2016 bedeutet. Aber es sind ja nicht zuletzt die persönlichen Geschichten von Diarra und Griezmann, die deutlich machen, wie komplex das Thema Sicherheit sein wird während der vier EM-Wochen im kommenden Sommer, vom Eröffnungsspiel am 10. Juni bis zum Finale am 10. Juli, die beide im Stade de France in Paris stattfinden werden.

Ein Land wie Frankreich wird in der Lage sein, den Innenraum von zehn Arenen zu schützen: mit personalisierten Tickets, mit Leibesvisitationen, mit Rucksack-Scannern wie am Flughafen. Das ist alles längst Standard bei großen Turnieren. Und selbst ohne diesen technischen Aufwand hat man ja letztlich auch das Stade de France geschützt am Freitagabend. Die drei Selbstmordattentäter, schlimm genug, rissen einen Unbeteiligten mit in den Tod und verletzten über 40 weitere, die zufällig in der Nähe waren. Ins Stadion kamen sie mit dem Sprengstoff nicht hinein.

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Aber wie soll man ein ganzes Land schützen? Sieben bis acht Millionen Besucher in den Straßen, im Café und in der Brasserie, an den Bistrotischen, die hier überall auf den Gehsteigen stehen, quasi an jeder Straßenkreuzung? An den Bahnhöfen und U-Bahn-Stationen, vor den Stadien, auf den Fanmeilen? Am Sonntag, als die erste Schockstarre überwunden war, hat auch diese Debatte das Land erfasst.