Frankreichs Bewerbung für die Fußball-EM 2016 wird deklariert als Staatsangelegenheit - und Mittel gegen die Rezession.
Michel Platini fährt Nicolas Sarkozy in die Parade, das gab ein paar Tage lang prächtige Schlagzeilen in Frankreich. Als sich der Staatspräsident im Oktober anlässlich des Freundschaftsspiels Frankreich - Tunesien im Stade de France über Pfiffe gegen die Marseillaise erregte und forderte, künftig Spiele abzubrechen, wenn die Hymne geschändet wird, fand Platini, Präsident der europäischen Fußball-Union Uefa, ein garstiges Wort dafür: "absurd".
Bild vergrößern
Nicolas Sarkozy gibt derzeit den fußballbegeisterten Präsidenten. (© Foto: AFP)
Anzeige
Politiker sollten sich nicht so aufblasen, sagte Platini, sollten vor allem nicht den Fußball in "Geiselhaft" nehmen für ihre Ziele. Er selbst habe als Nationalspieler die Marseillaise niemals mitgesungen, fügte Platini hinzu: weil so ein martialischer Text ("das unreine Blut tränke unserer Äcker Furchen") fehl am Platze sei im Sport. Das klang wie eine Kriegserklärung an Super-Sarko, der gerade dabei ist, die Welt zu retten - auch mit Hilfe des Fußballs.
Auf Wunsch des Präsidenten bemüht sich Frankreich um die Europameisterschaft 2016. Der ehemalige Rugby-Nationaltrainer Bernard Laporte, Sarkozys Sportminister, verkündete Anfang des Jahres die Bewerbung. Staatssekretär Eric Besson, ein ehemaliger Sozialist und Sarkozys Geheimwaffe für Sonderprojekte, veröffentlichte vergangene Woche seinen großen Bericht über die Wettbewerbsfähigkeit des nationalen Profifußballs.
Land der alten Arenen
Darin werden Wege gewiesen, im Verbund zwischen Klubs, Privatwirtschaft und Staat den Stadionbau anzukurbeln. Auf einem Stadien-Kongress in Paris forderte am Dienstag Frederic Thiriez, Präsident der französischen Profivereine, den Bau neuer Arenen anzugehen, "gleich jetzt". Er berief sich auf Sarkozys "politischen Wunsch, Frankreichs Ruf als große Fußball-Nation zu stärken", ebenso wie auf den G-20-Gipfel in Washington und Sarkozys angeblich vorbildhafte Wirtschaftspolitik. Der Stadionbau wird so zum Konjunkturprogramm deklariert, und die Fußball-EM zum Mittel, die Rezession zu stoppen.
L'État, Frankreichs allmächtiger Staat, will nun auch den nationalen Profifußball zukunftsfähig machen; dabei ist er momentan dessen größter Hemmschuh. Alle Stadien sind im Besitz der Kommunen, was den Vereinen Handlungsspielraum raubt. Sie leiden deshalb im Vergleich zur europäischen Konkurrenz vor allem unter geringeren Zuschauer-Einnahmen; das gilt in Frankreich als Hauptgrund, warum die Klubs trotz gewaltiger TV-Einnahmen in Europa keine Titel gewinnen.
In den letzten zehn Jahren sind nur vier Stadien modernisiert oder neu gebaut worden. In Deutschland waren es 13, zwölf in England, neun in Spanien. Nun soll der Bau moderner Multifunktionsarenen angeschoben werden. 20 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro sind in der Planung, eines davon in Lyon, wo Frankreichs Serienmeister endlich eine angemessene Arena aus dem Boden stampfen will. Dafür müssen nun die rechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Fußball-Europameisterschaft In Fußweite 14.11.2008
- Fußball-EM 2012 Blatter droht Polen 30.09.2008
- Sportpolitik Mehr Einfluss für Zwanziger 28.10.2008
Drogeriekette wird abgewickelt