Frankreich spielt nur 1:1 gegen England Biedere Briten, passive Franzosen

Viele Experten haben Frankreich zum Geheimfavoriten der EM erklärt. Zum Auftakt gegen England wird das Team um Franck Ribéry diesem Anspruch nicht gerecht. England geht sogar in Führung, Samir Nasri schafft nur noch den Ausgleich - am Ende sind beide Mannschaften trotzdem zufrieden.

Aus dem Stadion von Johannes Aumüller

Spätestens kurz vor dem Anpfiff mussten manche Zuschauer im schicken Donezker Stadion glauben, es habe eine kurzfristige Änderung am Spielplan gegeben. Als Frankreich gegen England war diese Partie angekündigt worden, doch als die Teams einliefen, schallte von der Tribüne: "Ros-si-ja", "Ros-si-ja".

Wieder kein Tor: Englands Keeper Joe Hart blockt Samir Nasri.

(Foto: Getty Images)

Donezk zählt ohnehin zum russophilen Teil der Ukraine, zudem waren viele Fans direkt aus Russland angereist: Weil dort am Dienstag Nationalfeiertag ist, schob die Regierung wie üblich einen Brückentag ein, den viele "Ros-si-ja", "Ros-si-ja" rufend in Donezk verbrachten. Sie sahen ein mäßiges Spiel, ein 1:1 eben zwischen Frankreich und England.

Frankreichs Trainer Laurent Blanc hatte vor nicht allzu langer Zeit die Spielweise der deutschen Nationalmannschaft als Vorbild für seine eigene Elf genannt; allerdings hatte er nicht dazu gesagt, auf welches Jahrzehnt er sich dabei bezog. Seine Elf, nach 21 Spielen ohne Niederlage favorisiert, begann jedenfalls sehr passiv, ohne Tempo und mit viel Quergeschiebe. "Wir haben zu ängstlich gespielt", stellte Blanc hinterher fest. In der ersten Viertelstunde ergab sich so lediglich eine Halbchance: Samir Nasri schoss knapp am Tor vorbei (11.).

Natürlich dauerte es nicht lange, bis die Engländer, denen mit Wayne Rooney, Frank Lampard, Gareth Barry und Gary Cahill gleich vier wichtige Spieler fehlten, diese Passivität bemerkten - und zunehmend die Partie prägten. Sie waren aktiver und energischer als der Gegner, und nach einem schönen Diagonalpass von Ashley Young durch die französische Viererkette hatte James Milner sogar das, was im Branchenjargon eine Hundertprozentige heißt: Er umkurvte Torwart Hugo Lloris und stand halblinks vor dem leeren Tor, aber aus spitzem Winkel traf er mit seinem schwachen linken Fuß nur das Außennetz (15.).

Eine Viertelstunde später jedoch schlug Steven Gerrard von der rechten Seite einen Freistoß weit auf den zweiten Pfosten, wo sich Alou Diarra völlig falsch postierte und so Joleon Lescott zum Kopfball kam - und in der 30. Minute das 1:0 erzielte.