Ein kleiner Riese erwacht: Vor 50.095 Zuschauern kehrt Fortuna Düsseldorf nach zehn Jahren in die zweite Liga zurück.
Staunend blickte Peter Frymuth hinaus auf den Rasen. "Nein, in dieser Größenordnung habe ich das nicht erwartet", sagte der Vorstandsvorsitzende von Fortuna Düsseldorf, während in der Fußballarena eine anarchische Party stattfand, deren Dimension größer war als die Meisterfeier von Wolfsburg. Die Fortuna ist mit einem 1:0 gegen Werder Bremen II nach zehn Jahren in die zweite Liga zurückgekehrt, Tausende hatten das Spielfeld gestürmt, weinende Männer wälzten sich auf dem Rasen, die Spieler mussten vor der Masse flüchten, und in der Stadt legten Autokorso den Verkehr lahm. Ein rot-weißes Fieber hat Düsseldorf infiziert.
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Geduscht in Düsseldorf: Trainer Norbert Meier. (© Foto: Getty)
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Schon Tage vor dem entscheidenden Spiel waren die Fanartikelabteilungen der Kaufhäuser leergekauft, Menschen warteten in langen Schlangen vor der Geschäftsstelle, um die letzten Karten für die Partie zu ergattern, und "morgens um halb elf hatten wir einen Belagerungszustand vor unseren Hotel" erzählte Trainer Norbert Meier. Eine Lokalzeitung erklärte den vielen Fortuna-Anhängern, die seit Jahren nicht mehr im Stadion waren, welche Lieder mittlerweile gesungen werden, die mit 50:095 Zuschauern ausverkaufte Arena war elektrisiert. Solch eine Kulisse hatte die Fortuna selbst zu Bundesligazeiten höchstens gegen Bayern München.
An solch einem Tag befand sich die Altstadt schon mittags im Ausnahmezustand, nach dem Spiel aber warf der Polizeibericht ein finsteres Licht auf die Festivitäten: Bei Ausschreitungen wurden 25 Polizisten verletzt, 47 Menschen mussten behandelt werden, 23 Verletzte kamen ins Krankenhaus - insgesamt wurden 24 Personen festgenommen. Unter anderem steckten die Randalierer einen Polizei-Bus in Brand.
Ein besonders gutes Fußballspiel hatten die Düsseldorfer ihren Anhängern zuvor auch nicht geboten, ein Glückstor von Marko Christ (12.) reichte für den erlösenden Erfolg. "Dritte Liga war schön, Zeit für uns zu gehen", sang die wild umherspringende Mannschaft. Nur Sportdirektor Wolf Werner genoss den Aufstieg im Stillen. "Erfolg ist planbar, man sieht das an Hoffenheim und Wolfsburg", sagte er. "Fortuna war bekannt für Unruhe, es ist uns gelungen, hier eine größere Seriosität hinein zu bringen."
Zwar ist der Klub weiterhin auf die Unterstützung der Stadt angewiesen, doch "die Kunst hinter den Kulissen war, die Schulden zu reduzieren und trotzdem um den Aufstieg mitzuspielen", erklärte Frymuth. Das überdimensionierte Stadion war in der dritten Liga aufgrund der enormen Betriebskosten immer ein Klotz ein Bein, eine Klasse höher könnte dieser Nachteil zu einem Vorteil werden. Der Verkauf der Dauerkarten für die kommende Saison begann am Sonntagmorgen beim Festakt auf dem Rathausplatz.
Dennoch befindet sich die Fortuna in er Konsolidierung. Der Etat von 4,1 Millionen Euro kann trotz steigender TV-Einnahmen in der zweiten Liga nur auf 4,5 Millionen angehoben werden, und die Summe der Verbindlichkeiten liegt immer noch über drei Millionen Euro. Deshalb ist der Klub so offen für die Avancen des Multimillionärs Daniel Jammer, der bereits in den von Lothar Matthäus trainierten Klub der Maccabi Netanya investiert.
Ein erstes Treffen des deutsch-israelischen Unternehmers mit Fortuna-Vertretern fand in der vorigen Woche statt, "Herr Jammer ist sehr fußballaffin, und wir haben gesagt, wir setzen die Gespräche fort", berichtete Frymuth. Dass Matthäus im Fall einer Zusammenarbeit mit Jammer Trainer werde, sei aber ein Märchen, "Norbert Meier bleibt unser Trainer", versicherte der Vorstand.
Düsseldorf träumt von einer Renaissance. Die Vergangenheit war jedenfalls sehr präsent am Samstag, Fans sangen Lieder von der Meisterschaft 1933, erzählten sich von den Tagen, als die Fortuna mit den Allofs-Brüdern 1979 und 1980 den DFB-Pokal gewann, und 1979 im Finale des Europapokals der Pokalsieger stand. Nach zehn Jahren Dritt- und Viertklassigkeit erwacht ein kleiner Riese.
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(SZ vom 25.05.2009)
Der Flügelflitzer
... ein altes bekanntes gesicht wieder zu sehen. die dimension der aufstiegsfeier zeigt, welche substanz dort abgerufen werden kann
Mich als FC-Fan freut es, dass die Fortuna aufgestiegen ist. Der Verein hat Charisma.
Jetzt wird das Stadion in Düsseldorf auch ab und zu mal gefüllt sein, die Werbe-GmbH einer Chemie-AG hat das ja mit Erstligafussball nie geschafft.