Unzufriedener Dritter: Sebastian Vettel vergibt beim Erfolg von Jenson Button in der Türkei erneut eine Siegchance und stellt sich gegen sein Team. Zwei weitere Deutsche kommen in die Punkte.
Die Serie ist gerissen. Zum ersten Mal hat Sebastian Vettel ein Rennen nicht gewonnen, das er vom besten Startplatz aus in Angriff nahm. Den Großen Preis der Türkei, das siebte von 17 Formel-1-Rennen der Saison 2009, beendete der 21-Jährige an diesem Sonntag als Dritter - hinter seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber und dem Seriensieger Jenson Button.
Bild vergrößern
Sebastien Vettel hat nicht zum ersten Mal in dieser Saison eine bessere Platzierung vergeben. (© Foto: dpa)
Anzeige
Der Brite, der einen Rennwagen von Brawn GP bewegt, war zum sechsten Mal seit März der Schnellste, womit er einen Rekord von Michael Schumacher einstellt: Ähnlich eindeutig ist schon lange keiner mehr vorneweggebraust. Die Fahrerwertung führt Button vor seinem Heimspiel in zwei Wochen in Silverstone mit 26Punkten Vorsprung vor seinem Teamkollegen Rubens Barrichello an. Vettel ist 32 Punkte zurück Dritter.
Sein Fazit über Istanbul? "Ich bin nicht ganz zufrieden. Wenn man vom ersten Startplatz aus ins Rennen geht, will man auch gewinnen." Dass es so nicht kam, hatte sich Vettel zu einem großen Teil selbst zuzuschreiben. Sein Start war tadellos. Auf den ersten Metern ließ er Button deutlich hinter sich. Erste Kurve, zweite Kurve, dritte Kurve, vierte Kurve- die ersten Lenkrad-Einschläge gingen in die richtige Richtung.
Nach wenigen Kilometern dann aber ein fataler Fehler. In Kurve neun "hätte ich das Auto fast verloren", gab Vettel nachher zu, was so viel heißen sollte wie: So, wie ich da neben die Strecke geraten bin, hätte mein Rennen auch zu Ende sein können. Vettel konnte den störrischen Wagen einfangen. Doch Button schlüpfte an ihm vorbei und konnte fortan all seine Vorteile ausspielen: Er bewegte das schnellere Auto und hatte mehr Benzin an Bord, konnte also später tanken als Vettel.
Wer das Rennen gewinnen würde, war in diesem Moment entschieden. Button saß nach eigenem Empfinden in einem "Monster-Auto", das "wie in einer anderen Welt fuhr". Aus relativer Nähe konnten sich davon Jarno Trulli (Toyota), Nico Rosberg (Williams), Felipe Massa (Ferrari), Robert Kubica (BMW) und Timo Glock (Toyota) überzeugen, die - in dieser Reihenfolge - die Punkte-Plätze vier bis acht belegten. Für Rosberg war es das beste Ergebnis in dieser Saison.
Für die einstigen Weltmeister Kimi Räikkönen (Ferrari), Fernando Alonso (Renault) und Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) endete der Nachmittag mit den bitteren Plätzen neun, zehn und 13. Weil die etablierten Kräfte schwächeln und Sebastian Vettel Nerven zeigt, sollte Button es leicht haben, zu seinem ersten WM-Titel zu kommen. Der Ausrutscher ist bereits Vettels dritter Fahrfehler, der ihm Punkte kostete: In Melbourne und in Monte Carlo kam er nach Unfällen überhaupt nicht ins Ziel.
In Istanbul wäre zumindest Platz zwei möglich gewesen. Der ging allerdings an Mark Webber - weil der Australier mit der besseren Strategie unterwegs war. Er stoppte lediglich zweimal an der Tanksäule, während Vettel dort wie verabredet dreimal vorfuhr. "Nachdem ich die Führung an Jenson verloren hatte, dachte ich, dass wir auf zwei Stopps umstellen. Das ist nicht passiert. Meiner Meinung nach hat das nicht so viel Sinn ergeben. Da muss ich nochmal nachhaken", zeigte sich Vettel im Ziel angesäuert.
Harte Kritik von den Experten
In den jüngsten drei Rennen holte Webber jedes Mal mehr Punkte als Vettel. Von 8,5 Punkten ist dessen Vorsprung vor dem Teamkollegen auf 1,5 zusammengeschrumpft. Das lässt den Binnendruck steigen. Als es im Speed Park auf die letzten Runden ging, überhörte Vettel denn auch einen mahnenden Funkspruch vom Kommandostand: Er und Webber sollten die Autos schonen, wünschten sich die Red-Bull-Strategen. Auf dem Zeiten- monitor war davon wenig zu sehen.
Dort war zu sehen, wie entschlossen Vettel fuhr - und wie gerne er an dem routinierten Webber noch vorbeigezogen wäre. Der Teamkollege ist für jeden Formel-1-Fahrer der erste Gegner. Teamchef Christian Horner mühte sich auf dem Weg zur Siegerehrung, den heraufdämmernden Zwist in seinem Stall zu dämpfen: "Das war ein starkes Mannschaft-Ergebnis", bilanzierte er und fügte väterlich an: "Sebastian hat in der ersten Runde einen kleinen Fehler gemacht. Deshalb ist Jenson Button vorbeigekommen. Aber die Brawns waren heute generell ein wenig schneller als wir."
So milde gehen nicht alle Fachleute mit Vettel ins Gericht. Dessen schneller Aufstieg hat Erwartungen geweckt. Die Formel 1 ist eine harte Welt. Wer hinter seinen Möglichkeiten bleibt, erntet Kritik. Niki Lauda fasste seine Vettel- Eindrücke in drei Sätzen zusammen: "Für mich war er der klare Favorit. Ich bin enttäuscht. Wenn man das ganze Rennen betrachtet, war Webber eben Zweiter und Vettel Dritter."
Marc Surer, der als TV-Experte jedes Grand-Prix-Rennen vom ersten Training an verfolgt und zu einer ausgewogeneren Meinung neigt, kommentierte noch deutlicher. Der Schweizer auf die Frage, ob Red Bull nicht eine Order zu Vettels Gunsten verfügen sollte: "Du kannst nicht auf einen Fahrer setzen, der in sieben Rennen drei Fehler macht."
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Formel 1 in Istanbul Vettel auf Pole Position 06.06.2009
- Formel 1: Michael Schumacher Kompromisslos und widersprüchlich 18.05.2010
- Formel 1: Monte Carlo Ein typischer Schumacher 17.05.2010
- Formel 1: Monte Carlo Vorne, aber nicht voraus 16.05.2010
- Formel 1: Monte Carlo Laufsteg Monaco 16.05.2010
- Formel 1: Qualifying Vettel Dritter, Schumacher bleibt zurück 15.05.2010
- Sport kompakt Erster Titel für Stevens 13.05.2010
(SZ vom 08.06.2009/aum)
Kosovo-Konflikt
Das mit kam sah siegte wird wohl nichts.
Der junge Mann muss einfach noch lernen.
"Die Serie ist gerissen. Zum ersten Mal hat Sebastian Vettel ein Rennen nicht gewonnen, das er vom besten Startplatz aus in Angriff nahm."
Ach so? Zwei Siege von der besten Startposition sind eine Serie? Quatsch, blubber blubber Seifenblasen. Also wenigstens drei oder vier Wiederholungen gehören schon zu einer Serie, oder?
Vettel ist erst 21 und leistet erstaunliches, da muß man ihm solche Fehler mal zugestehen. M. Schumacher war auch nicht immer fehlerlos, teils trieb ihn sein Ehrgeiz zu unüberlegten Aktionen. Brawn und Webber machen einen grandiosen Job, da gibt es nichts dran zu rütteln. Insgesamt aber wieder einmal ein Rennen, dass nur im Mittelfeld halbwegs spannend und unterhaltsam war, eben weil dort die ganze "Prominenz" herumgurkte.
Die hochgesteckten Erwartungen konnte er mal wieder nicht erfüllen. Aber: Der Fahrfehler in der ersten Runde hat wohl doch nur das Elend (Überholt von JB) etwas nach vorne gezogen, der zweite Platz, der nach dem Qualifikationstraining eh sehr wahrscheinlich war wenn man sich die getankte Benzinmenge anschaut) wurde durch die Rennstrategie verschenkt. Aus Sicht des Teams nicht so schlimm, Platz 2 und 3 waren relativ sicher, welcher Fahrer auf welchem Platz landet ist da eher egal. Auf die Fahrer-WM hat man sowieso wenig Chancen, es gilt den zweiten Platz in der Teamwertung zu halten. Pech für Vettel, aber im zweitbesten Team zu sein bringt halt nur was wenn das Auto auch realistische Siegchanzen hat, und das seh ich eben nicht.