Ein Kommentar von René Hofmann

Der Rückzug von Honda aus der Formel 1 überrascht. Sollten weitere Autokonzerne folgen, wird sich die Rennserie nachhaltig verändern.

Anzeichen hatte es einige gegeben. Toyota verzichtet aus Kostengründen darauf, sein Formel-1-Auto fürs kommende Jahr vorzustellen. Statt einer pompösen Präsentation wird es bloß ein paar Internet-Bildchen geben. Audi lässt sein Engagement bei der deutschen America's-Cup-Kampagne ruhen und tritt mit seinen Rennwagen nicht mehr bei der in den USA bedeutenden Le-Mans-Serie an. Mit Hondas Rückzug aus der Formel 1 erlebt der Sport nun aber den ersten direkten, großen Einschlag, der von der Finanzkrise ausgelöst wird.

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Ein symbolisches Bild? 2006 in Melbourne brannte der Honda-Motor des britischen Piloten Jenson Button. (© Foto: dpa)

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Weitere werden folgen, nicht nur im Motorsport, bei dem die Abhängigkeit von der Wirtschaft größer ist als bei jeder anderen Freizeitbeschäftigung und Körperertüchtigung. Die Formel 1 dürfte damit zum Beispiel werden für das, was vielen Sportarten in den nächsten Monaten droht: eine Schrumpfkur.

Der Rückzug von Honda kommt überraschend. Die Firma leidet zwar unter Absatzschwierigkeiten - aber: Andere leiden noch viel stärker. Die Misserfolge auf der Rennstrecke kosteten Honda zwar extrem viel Geld - aber: Auch der große Konkurrent Toyota mischt mit. So lange der eine Gigant dabei ist, kann sich der andere den Ausstieg nicht erlauben, hieß es lange. Diese Gleichung gilt seit Freitag offenbar nicht mehr, was die Frage aufwirft: Wer kippt als nächstes? Renault gilt als Wackelkandidat. Bei BMW läuft der Formel-1-Vierjahresplan 2009 aus.

Dass Autokonzerne der teuren Rennerei den Rücken kehren, hat es schon oft gegeben. Honda geht zum zweiten Mal. 1969 hatten die Japaner ihr eigenes Team eingestellt, 1983 waren sie als Motorenlieferant zurückgekehrt. Noch nie aber war die Formel 1 so stark von der Autoindustrie abhängig. Fünf der neun Teams gehören ganz oder teilweise Autofirmen: BMW, Ferrari, Mercedes, Renault und Toyota. Diese haben in den vergangenen Jahren viel zur Blüte des Spektakels beigetragen. Wenn sie ihr Engagement nun zurücknehmen, wird das die Serie nachhaltig verändern. Autorennen wird es weiter geben. Nur eben andere, weniger aufwendige.

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(SZ vom 06.12.2008/agfa)