Formel 1 "Mir fehlte das Gefühl für mein Auto", sagt Vettel

Mit der Nachtruhe in der Ferrari-Box ist es seit ein paar Rennen ja schon nicht mehr weit her, und das hat nichts mit ausgiebigem Jetlag zu tun. Sebastian Vettel fehlte am ersten Trainingstag auf dem Circuit of the Americas eine gute halbe Sekunde auf Lewis Hamilton. Daraufhin relativierte der Heppenheimer zwar alle Fragen nach einer neuerlichen Malaise des SF 70 H, aber anschließend wurde so viel an seinem Rennwagen umgebaut, dass die Rennkommissare das Auto am Samstagmorgen nochmal komplett neu abnehmen mussten, weil sogar die Sicherheitszelle in Mitleidenschaft getauscht worden war.

Allein von dem einen Ausritt Vettels ins Kiesbett kann das kaum rühren, die ursprüngliche Version des Ferrari für Austin musste irgendwie komplett verzogen sein. "Es war etwas verwirrend", gestand der WM-Zweite ein, "ich habe gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Mir fehlte das Gefühl für mein Auto." Über Boxenfunk wählte er den drastischeren Vergleich: "Weich wie ein Gummibärchen." Ob es an einer vermeintlich neuen Achsengeometrie lag oder einer veränderten Radaufhängung, das war nicht herauszufinden. Ferrari pflegt bei jeder Panne den verbalen Catenaccio.

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Die sich häufenden Unsicherheiten und ominösen technischen Aussetzer in der italienischen Autowerkstatt schüren weiter die Annahme, dass Teamchef Maurizio Arrivabene die Winterpause in seinem Amt endgültig demontiert wird.

Der Motorsport-Kritiker von La Republicca analysiert die missliche Lage der vermutlich verpassten Weltmeistertitel - Mercedes steht in Austin kurz vor dem Konstrukteurstitel - mit dem angemessenen Pathos: "Ferrari ist (oder war) das beste von Italien, ein Konzentrat aus Wissen, Expertise, Tradition und Innovation, technischer Handwerkskunst und Futurismus. Was für den freien Fall der italienischen Fußball-Nationalmannschaft gilt, gilt für Ferrari unter Sergio Marchionne: ein verlorenes Team. Wo ist nur diese einst gelobte Kraft der Gruppe?"

Sebastian Vettel, ganz Mannschaftskapitän, kann keine zusätzliche Unruhe gebrauchen, und auch die Diskussion, ob die Scuderia bei ihrer famosen technischen Aufholjagd gegenüber Mercedes ein zu hohes Risiko gegangen ist und dafür jetzt mit Unzuverlässigkeit bezahlen muss, will er nicht führen. Jedenfalls nicht, solange er sich noch im Titel-Rennen befindet: "Es ist keine Zeit für Panik. Wir haben zu viel zu tun. Das Potenzial ist bei Ferrari vorhanden, die richtigen Leute sind an Bord, es gibt genügend talentierte Menschen. Manchmal muss man nur ein bisschen nachjustieren, und es läuft mit den gleichen Leuten viel besser." Ob in Maranello nur aufgearbeitet oder richtig aufgeräumt werden muss, wird sich noch zeigen: "Wir müssen die Probleme nicht nur erkennen, sondern sie lösen."

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