Von Elmar Brümmer

Vettels Kritik an der Regie seines Rennstalls zeugt vom Selbstbewusstsein des 21-Jährigen, ist in dem Teamsport aber äußerst riskant.

Wer sechs von bisher sieben Formel-1-Rennen gewonnen hat, davon die letzten vier am Stück, der hat ein Recht darauf, auch einen schlechten Tag zu haben. Zumindest in der Theorie. "Ich werde auch mal geschlagen werden in dieser Saison", sagte Jenson Button nach seinem Triumph beim Großen Preis der Türkei. Na, und wenn?

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Sebastian Vettel geht auf Konfrontationskurs mit seinem Team. (© Foto: Getty)

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Es handelt sich nicht um vorbeugende Schwarzmalerei, sondern um eine ganz subtile Art des Dauer-Optimisten, seine Überlegenheit zu dokumentieren. Bei noch zehn Rennen 26 Punkte Vorsprung auf seinen Stallgefährten Rubens Barrichello, deren 32 auf Sebastian Vettel im Red-Bull-Rennwagen - der 29-Jährige kann den Titel nach Hause schaukeln, ohne dass er jedes Rennen gewinnen muss.

Allerdings: Der Brawn-Mercedes schaukelt nicht, sondern liegt offenbar auf jeder Strecke perfekt. Das scheint sich auf den Chauffeur zu übertragen. Button, der wie ein Weichspüler fährt, macht keine Fehler, lässt sich nicht unter Druck setzen und katapultiert sich nach seinem Turbo-Start aus dem Nichts in dieser Saison nicht bloß in Sachen Erfolgsstatistik auf Schumacher-Niveau.

Der neue Sieger-Typ genehmigt sich sogar ein wenig Rennfahrer-Poesie in der Analyse: "Ich habe in diesem Auto in jeder Runde ein Lächeln auf meinem Gesicht. Ich hätte weitere 200Runden fahren können." Am liebsten, flötete der Sonnyboy, würde er alle Teammitglieder mit aufs Podium nehmen.

Sebastian Vettel, der sich mit dem dritten Platz hinter seinem Red-Bull-Kollegen Mark Webber zufrieden geben musste, hätte seine Podeststufe sicher gerne geräumt, wenn man den Gesichtsausdruck des Heppenheimers richtig interpretiert. Auch zwei Glücksbringer, eine Cent-Münze und ein heiliger Christophorus, konnten ihn nicht vor Fehlern schützen. Sein Ausrutscher nach einer Dreiviertel-Runde, der dritte Schnitzer in diesem Jahr, hat ihn früh die Chance auf ein offenes Titelrennen gegen Button gekostet. Und mehr.

Erst stellte er die unverändert gebliebene Drei-Stopp-Strategie in Frage ("Das ergab nicht viel Sinn"), dann ärgerte er sich darüber, dass er zum Ende der 58 Runden hin nicht Webber angreifen durfte. Vettel fuhr trotz des von der Box verhängten Langsamfahr-Gebots auf den Australier auf. Später erklärte er diese Lust mit seinem Frust: "Du befindest dich nicht dort, wo du sein möchtest. Das Letzte, was du tun willst, ist einfach langsam zu fahren und das Auto ins Ziel zu bekommen."

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