Es gebe da einen Rennfahrer. Irrwitzig talentiert, wahnsinnig erfolgreich. 40 oder 41 Jahre sei er nun alt. Ein Deutscher, der lange schon mit Ferrari verbunden sei. Überraschend, wie aus dem Nichts, sei plötzlich dessen Zwillingsbruder aufgetaucht, von dem man nie etwas geahnt habe. Dieser sähe genauso aus, spräche genauso, sei ebenfalls erstaunlich fit und wirke wahnsinnig entschlossen. Aber: Es sei eben bloß der Zwillingsbruder. "Ich bin selbst gespannt, wie es sein wird, wenn ich ihm in echt gegenübertrete", kokettiert Montezemolo.

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Ein Zwillingsbruder - die Geschichte ist gut, weil sie viel sagt, ohne die Dinge wirklich auszusprechen. Im August, als Felipe Massa in der Qualifikation zum Großen Preis von Ungarn eine abgerissene Dämpferfeder ein Loch in den Schädel schlug, hatte Montezemolo selbst Schumacher zu einem Comeback-Versuch überredet. Lange hat er dafür nicht gebraucht. Nach fünf Minuten war Schumacher von der Idee begeistert, er trainierte wie selten zuvor, doch Übungsrunden in einem zwei Jahre alten Auto zeigten: Es ging doch nicht. Die Nackenverletzung, die er sich bei einem Motorrad-Sturz zugezogen hatte, war noch nicht vollständig ausgeheilt.

Zweifel am dauerhaften Können

Nach der Absage ließ Montezemolo den Testfahrer Luca Badoer in den Ferrari, später dann Giancarlo Fisichella. Beide bekamen den störrischen Wagen nicht in den Griff. Als Massa so weit genesen war, dass sich abzeichnete, dass er wieder Rennen bestreiten könnte, entschied Montezemolo: Der Brasilianer bekommt 2010 wieder einen Ferrari. Als zweiter Fahrer kam der Spanier Fernando Alonso an Bord. Kimi Räikkönen, dessen Kontrakt noch ein Jahr gültig gewesen wäre, wurde abgefunden. Jetzt ist Schumacher wieder fit. Aber jetzt hat Ferrari keinen Platz mehr für ihn. Dafür Mercedes.

Montezemolo sagt es nicht, aber es ist deutlich zu hören, dass er darüber nicht glücklich ist. Eigentlich schätze er ja Typen, die sich im fortgeschrittenen Alter neue Herausforderungen suchen, sagt der 62-Jährige, aber, was diesen Zwillingsbruder des berühmten Rennfahrers zu einer neuen Karriere treibe, habe er noch nicht ganz verstanden. Ein Comeback für ein paar Rennen wäre perfekt gewesen, aber eine ganze Saison...? Deutlicher lässt sich der Zweifel, ob Schumacher es tatsächlich noch dauerhaft kann, unausgesprochen nicht formulieren.

Im September waren sich die beiden noch einig, Schumachers Vertrag als Ferrari-Botschafter, Berater und Entwickler von Serienfahrzeugen zu verlängern. Und jetzt das. Auf der Rennstrecke endet ein solch abrupter Richtungswechsel im Kiesbett. "Wir haben auch vor ihm gute Autos gebaut", erklärt Montezemolo fast trotzig. Ob er den verlorenen Sohn denn wieder in die Arme schließen würde, wenn seine Sternfahrt fehlschlägt? Die Frage stelle sich nicht, erwidert Montezemolo: "Wir haben den Original-Michael und werden ihn immer behalten. Am Zwillingsbruder haben wir keinerlei Interesse."

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  1. Schumacher wendet sich von Ferrari ab
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(SZ vom 19.12.2009)