Ein Kommentar von René Hofmann

Die Glanzzeiten der Formel 1 sind vorbei. Daran hätte auch Michael Schumachers überraschendes Comeback nur kurzfristig etwas geändert.

Das Märchen endete so abrupt, wie es begonnen hatte. Michael Schumacher hat nie ein Comeback in der Formel 1 angestrebt. Es wurde erst ein Thema, weil Ferrari-Pilot Felipe Massa verunglückte. Nun stoppt ein Unfall auch Schumachers Rückkehr: Nach einem Motorradsturz im Februar ist sein Nacken noch nicht wieder stabil genug, um die enormen Kräfte aushalten zu können, die in einem Formel-1-Auto wirken. Ein Unfall hätte für Schumacher selbst deshalb tödlich enden können. Er wollte das Comeback nicht absagen. Er musste es unter Schmerzen tun.

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Letzter Härtetest: Michael Schumacher in der vergangenen Woche beim Kartfahren in Italien - die Schmerzen im Nacken waren beim siebenfachen Weltmeister letztlich zu groß für eine Rückkehr in den Profi-Rennsport. (© Foto: AP)

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Für die Formel 1 ist das eine wichtige Nachricht. Der Wiedereinstieg des siebenmaligen Weltmeisters hatte in den vergangenen Wochen der Rennserie hierzulande mehr positive Schlagzeilen gebracht als alle Siege von Sebastian Vettel zuvor. In der Bild hatte Kolumnist Franz- Josef Wagner gedichtet: "Ein Schumi auf dem Sofa ist wie ein durchgekauter Kaugummi. Ein Schumi im Cockpit ist das Leben."

Hoffen auf den Erlöser

Die Chefredakteurin der Bunten orakelte im Editorial, was Schumachers Frau wohl zu dem Entschluss gesagt haben mag. Das ZDF ließ in einer Talkrunde nicht nur Bruder Ralf Schumacher zu Wort kommen, sondern auch den TV-Koch Horst Lichter, den angeblich "größten Michael-Schumacher-Fan aller Zeiten", der den erhellenden Satz sagte: "Den Damon Hill habe ich gehasst, weil der gegen meinen Schumi gefahren ist." RTL lief sich bereits warm, um die Rechte am Freitagstraining zurückzuerobern, die der Sender ans DSF weitergereicht hat. Keine Sekunde der Rückkehr sollte ungesendet bleiben. Selbst die FAZ startete einen Countdown bis zum Rennen in Valencia.

Einen ähnlichen Medien-Orkan löst in Deutschland kein anderer Sportler aus. Kein anderer Fachmann fürs Körperliche findet von den bunten bis zu den grauen Blättern einen ähnlichen Widerhall. Für die Formel 1 hätte Schumachers Auftritt für eine kurze Zeit noch einmal eine Renaissance bedeutet: Die Wirtschaftskrise macht der Serie schwer zu schaffen, sie muss sich wandeln. Mit Schumacher wäre für eine kurze Zeit noch einmal der trügerische Glanz längst vergangener Tage zurückgekehrt. Diese Schimäre bleibt nun aus. Wenn das den Wandel beschleunigt, hat es etwas Gutes.

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(SZ vom 12.08.2009/jbe)