Für die Designer der Formel-1-Autos beginnt nach dem Diffusor-Urteil der Fia eine teure und zeitaufwendige Aufholjagd.
Die Tatsache, dass ein Flugzeug aus Taiwan 300 Formel-1-Fans zum Großen Preis von China am Wochenende bringen wird, dient den Organisatoren als Beleg dafür, dass das Zuschauerinteresse am dritten WM-Lauf der chinesischen Wirtschaftskrise trotzt. Einen deutlicheren Rückschluss auf die Stimmung im inneren Zirkel der Formel 1 lassen die Flüge zu, die nicht angetreten wurden: Ferrari hat nach dem Strategiedebakel von Malaysia seinen Teammanager Luca Baldisserri dazu verdonnert, Stallwache in Maranello zu halten.
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Jenson Button und das Brawn-Team sind bisher überlegen. (© Foto: dpa)
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Adrian Newey, der Konstrukteur des revolutionären Red-Bull-Rennwagens, hat sein Ticket unmittelbar nach dem durch das Fia-Berufungsgericht endgültig abgelehnten Protest gegen die Doppel-Diffusoren storniert: Für den Designer hat die Aufholjagd begonnen, bis Mitte Mai will er - wie alle sieben Verlierer des Rechtsstreits - eine Unterbodenlösung nach dem Prinzip der derzeit überlegenen Rennwagen von Brawn-Mercedes, Toyota und Williams präsentieren. Um zu retten, was noch zu retten ist.
Zum Beispiel den Rest der Saison. Die Diskussion, ob die WM jetzt schon gelaufen ist, übertrifft sogar noch die über die richtige Reifenwahl, was wirklich etwas heißen will. Der Himmel über dem Shanghai International Circuit drückt wie eine gigantische Grauzone auf die Stimmung von zwei Dritteln des Formel-1-Starterfeldes. Renault-Statthalter Flavio Briatore wetterte gesten- und wortreich gegen die Doppeldecker-Fraktion, die in seinem Wörterbuch unter B wie Banditen zu finden sind.
Das Rundenzeiten-Wunder, das besonders bei Tabellenführer Brawn auf die aerodynamische Unterbodengestaltung des Rennwagens zurückzuführen ist, animiert zu mehr oder weniger versteckten Angriffen unter die Gürtellinie. Von Briatore stammt auch der Vorschlag, die von der Teamgemeinschaft beschlossene finanzielle Starthilfe für den Brawn-Rennstall aus der Gewinnausschüttung alter Honda-Ansprüche umgehend zu streichen.
Merke: Wer die technischen Regeln großzügig auslegt, hat mit Kleinlichkeit zu rechnen. Für die neu entdeckte Solidarität in der Branche ist der abgewiesene Protest eine entscheidende Belastungsprobe.
McLaren-Mercedes und Renault könnten schon in Shanghai mit einer veränderten Luftführung an den Start gehen, BMW und Ferrari beim Europadebüt am 10. Mai in Barcelona nachziehen, Red Bull wird wohl bis Ende Mai brauchen. So lange teilt sich das Feld in eine Art Formel 1 und eine Formel 2 auf. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sieht die Konzernansprüche auf den Titelkampf schwinden.
Politisch korrekt klingt der Ausdruck von Benachteiligung so: "Die Aufgabe, Rennen zu gewinnen, ist sicher schwerer geworden. Es wird eine Weile dauern, bis wir bei der Entwicklung einer eigenen Unterbodenlösung das Ziel erreichen. Natürlich kann es passieren, dass bis dahin die WM entschieden ist."
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