Jedes Land würde gerne einen Grand Prix veranstaltet. Doch Formel-1-Chef Ecclestone presst so viel Geld aus den Veranstaltern, dass sich die Rennen kaum lohnen.
Bernie Ecclestone neigt zur Übertreibung, wenn er ein neues Mitglied im erlauchten Kreis derer begrüßt, die ein Formel-1-Rennen ausrichten dürfen. So sagte der Vermarkter Ende vergangener Woche, als er verkündete, dass der Japan-Grand-Prix 2007 von Suzuka nach Fuji umzieht, nicht einfach: Willkommen im Klub!
Wo gibt's viel Geld? Bernie Ecclestone. (© Foto: dpa)
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Danke, dass ihr einer meiner Firmen künftig jedes Jahr etliche Millionen überweist. Er sagte: "Wir haben die gute Aussicht, dass der Event am Fuße des majestätischen Mount Fuji der Beginn einer neuen Ära in der Formel-1-Geschichte werden wird."
Der Deal könnte tatsächlich für einen Epochenwechsel stehen. Er ist brisant. Die Strecke in Suzuka gehört Honda, den Fuji International Speedway betreibt Toyota.
In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat der Konzern ihn mit großem Aufwand modernisieren lassen, um den Rivalen nicht nur auf der Strecke zu ärgern, sondern auch damit, was einen Trend andeutet: Die Pisten sind zu Prestigeobjekten geworden - ohne Zuwendungen der Autoindustrie sind sie nicht zu unterhalten, ohne staatliche Zuschüsse taugen sie nicht länger für Formel-1-Rennen.
Zuschuss trotz Rekordbesuch
Die Entwicklung ist nicht neu, hat aber im Winter eine erstaunliche Dynamik angenommen. Das traditionsreiche Rennen in Spa-Francorchamps (Belgien) wurde abgesagt; 2007 soll es wieder stattfinden - wenn genug Geld für eine neue Boxenanlage aufgetrieben ist. Eine Anwaltskanzlei streitet für die Fans, die bereits Tickets gekauft haben, wenigstens einen Teil des Eintrittsgeldes zurückzubekommen. Ähnliches drohte in Hockenheim: Die Betreibergesellschaft ist seit dem Umbau des Rings am Höhepunkt des Schumacher-Booms hoch verschuldet.
Als der Kartenvorverkauf schlechter lief, drohte die Zahlungsunfähigkeit. Ein Krisengipfel wurde einberufen, zu dem drei Minister der baden-württembergischen Regierung eilten. Erst eine neue Eigentümerstruktur sicherte den Bestand. "Ich verstehe nicht, warum es ein Problem sein soll, Geld in die Formel 1 zu stecken.
Frankfurt hat 174 Millionen, Hamburg 97 Millionen, Hannover 63 Millionen, Köln 117 Millionen und Stuttgart 56 Millionen zur Renovierung der Fußballstadien für die WM ausgegeben", hat Ecclestone dazu kalt lächelnd mitgeteilt. Der Impressario, an den der Automobilweltverband für mehr als hundert Jahre das Recht abgetreten hat, die Rennserie zu vermarkten, ist es gewohnt, öffentliches Geld hinterhergeworfen zu kriegen.
In Bahrain und in Malaysia war der Publikumszuspruch am Freitag und am Samstag zum Saisonauftakt dürftig; weil die Veranstaltung als Standortmarketing geführt wird, begleicht der Staat das Minus. Auch in Melbourne, wo es am Sonntag rund geht, wird das wohl so sein.
Zwar war der Grand Prix mit 369600 Zuschauern an drei Tagen im vergangenen Jahr der bestbesuchte, trotzdem rechnet der Bundesstaat Victoria damit, für die diesjährige Runde 13 Millionen Euro zuzuschießen. Den Veranstaltern bleiben nur die Erlöse aus den Ticketverkäufen, die Werbeeinnahmen streichen Ecclestones Firmen vollständig ein, die TV-Einnahmen zu 53 Prozent.
Der Nürburgring konkurriert mit ganzen Staaten
Die restlichen 47 Prozent werden an die Teams weitergereicht. Aus dem Königreich Bahrain gibt es die Geschichte, dass die Scheichs 2005 wissen wollten, was das Spektakel an Einnahmen für ihr Land generierte. Sie beauftragten ein Forschungsinstitut, das herausfand: Die Fomel 1 ist ein Zuschussgeschäft. Daraufhin bekam in diesem Jahr ein anderes Institut den gleichen Auftrag.
"Früher haben wir mit anderen Strecken konkurriert, heute konkurrieren wir mit Staaten", sagt Walter Kafitz, der Geschäftsführer der Nürburgring GmbH. Für den Großen Preis von Europa Anfang Juli wirbt er mit dem Slogan: schwarze Hengste gegen rote Bullen in der grünen Hölle. Das Klappern ist wichtig. Von 2003 auf 2004 sind die Zuschauerzahlen um 14 Prozent zurückgegangen.
In diesem Jahr läuft der Vorverkauf wieder besser. Die Karten sind billiger geworden, jeden Tag gibt es auch rund um den Ring Remmidemmi. Motto: Vier Tage, vier Themen. "Wir haben so viele deutsche Fahrer wie nie, dazu zwei deutsche Firmen. Wenn es jetzt nicht läuft, müssen wir den gröberen Hobel rausholen", sagt Herman Tomczyk, der Sportpräsident des ADAC.
Der Verkehrsklub ist Mitveranstalter des Rennens. Mehr als 96 Prozent der Tickets müsse man verkaufen, um Gewinn zu erwirtschaften, hat Tomczyk 2004 verraten, wobei der Druck von Jahr zu Jahr steigt. Clever verhandelt Ecclestone meist eine automatische Teuerung in die Verträge, welche die allgemeine Inflation in der Regel übersteigt.
Hinzukommen immer neue Kleinigkeiten, die das Budget der Veranstalter belasten. Treffen die Sonderausweise in einem Jahr fertig etikettiert ein, müssen die Organisatoren im nächsten eventuell eine Halbtagskraft einstellen, um sie einzutüten.
Abgerechnet wird in Dollar
In Spielberg (Österreich) strich die Firma Formula One Administration, der Ecclestone als Präsident vorsitzt, im Jahr 2003 nach Informationen der Kleinen Zeitung 9516650 Dollar ein, in Spa-Francorchamps waren es ein Jahr später 13,275 Millionen Euro.
Mittlerweile, schreibt das Fachblatt sportauto, sei das Antrittsgeld an den meisten Strecken auf mehr als 15 Millionen Dollar geklettert. Wer sich das nicht leisten kann, dem bietet Ecclestone eine Alternative: Er tritt selbst als Veranstalter auf.
In diesem Fall sind die Streckenbetreiber viele Sorgen los, allerdings oft auch die Aussicht auf eine Gewinnbeteiligung. Überliefert sind die Bedingungen vom Österreich-Grand-Prix Ende der neunziger Jahre in Spielberg. Bis zur Summe von sechs Millionen an Eintrittskartenerlösen gingen die Gastgeber leer aus; an den nächsten 1,2 Millionen wurden sie mit 25 Prozent beteiligt.
Sollten die Bruttoerlöse 7,2 Millionen übersteigen, standen ihnen von den nächsten 2,4 Millionen 20,83 Prozent zu, von den nächsten 1,2 Millionen dann aber nur noch 16,66 Prozent. Abgerechnet wurde in Dollar, zum Mittelwert des Ankauf- und Verkaufskurses, den die Financial Times am Freitag vor dem Grand Prix veröffentlichte.
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(SZ vom 29.3.2006)