Formel 1 Niki Lauda: "Ich habe keine Freunde"

Niki Lauda beim Grand Prix in Bahrain.

(Foto: Getty Images)
  • Niki Lauda ist eine Legende der Formel 1. Nach seinem Unfall auf dem Nürburgring stieg er sieben Wochen später wieder in das Auto.
  • Im Interview erzählt er von seinem Vater, der seine Karriere verhindern wollte und von der alltäglichen Todes-Gefahr in den damaligen Formel-1-Autos.
  • Seinen Kindern würde er keine Karriere als Rennfahrer empfehlen. Außerdem habe er außer seiner Frau keine wirklichen Freunde.
Von Harald Hordych

Der Mann ist eine Legende. Das sagt man so leicht hin, meist ist es ein wenig übertrieben, in vielen Fällen betreiben die Menschen sogar ihre eigene Legendenbildung, indem sie ihr Leben geschickt vermarkten. Bei Niki Lauda war es anders. Der Sohn eines Wiener Industriellen kannte schon als Jugendlicher nur ein Ziel, eine Strecke: Er wollte der beste Rennfahrer der Welt werden. Und er wurde es auch, mit einer Akribie, einer Willensstärke, die ihn letztlich zur Legende gemacht haben.

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erzählt der 66-Jährige nun, wie sein Großvater, ein einflussreicher Banker, einst mit allen Mitteln verhindern wollte, dass sein Enkel ins Rennauto stieg. Und wie er als Jugendlicher sein Matura-Zeugnis fälschte, um endlich seine Ruhe zu haben. 1971 begann dann die große Karriere des Niki Lauda als Formel-1-Fahrer, mit Ferrari wurde er 1975 Weltmeister. Unvergessen der dramatische Unfall auf dem Nürburgring, bei dem Lauda nur knapp mit dem Leben und mit einem verbrannten Ohr davon kam, nur um sieben Wochen später schon wieder in die Maschine zu steigen.

"Damals sind pro Jahr zwei Fahrer tödlich verunglückt"

"Für mich war der Unfall ganz pragmatisch keine Überraschung", erzählt Lauda. "Ich hatte von Anfang an gewusst, worauf ich mich einlasse. Damals sind pro Jahr zwei Formel-Fahrer tödlich verunglückt. Von 16 Fahrern. Da hast du dir ausrechnen können, wann du drankommst." Was ihn zu einem der besten Rennfahrer aller Zeiten gemacht hat? Niki Lauda erklärt das mit seiner radikalen Besessenheit, seiner zwanghaften Manie, Probleme sofort lösen zu müssen: "Jede Minute, die es länger dauert, ist sinnlos. Wenn ich einen habe, mit dem ich eine wichtige Sache zu klären habe, dann ruf ich zehn Mal an, bis ich ihn habe." Ob die jüngere Generation das auch so sieht? Lauda ist da skeptisch: "Mein Eindruck ist, dass die Jugend von heute nicht mehr so von Leistung getrieben ist, weil sie in Europa eine Gesellschaft vorfindet, in der die Menschen viel mehr Freiheiten haben, ohne mit hundertprozentiger Leistung für diese Freiheit kämpfen zu müssen."

Seine zwei Kinder aus zweiter Ehe, die gerade sechs geworden sind, würde er übrigens niemals ermutigen, Rennfahrer zu werden - obwohl er bei einem Ausflug zu einer Rennkartstrecke kürzlich feststellen musste, dass sein Sohn Max Benzin im Blut hat. Den Rennkart hätte er seinen Kindern niemals geschenkt, das war ein Präsent des ehemaligen Kollegen Gerhard Berger.

In dem Gespräch erzählt Lauda auch: "Ich habe keine Freunde." Schon früher, in der Formel 1, habe er nur Konkurrenten gehabt, aber keine Freunde. Seine Frau Birgit sei heute sein bester Freund: "Mit der rede ich über alles. Aber bei allen anderen sage ich immer ganz brutal: Ein Freund müsste immer 24 Stunden erreichbar sein."

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