Von René Hofmann

Die Daimler AG will offenbar den Formel-1-Rennstall McLaren übernehmen - vielleicht sogar noch vor dem Saisonstart.

Die Daimler AG steht offenbar kurz davor, die Mehrheit an dem in Großbritannien beheimateten McLaren-Formel-1-Team zu übernehmen. Das in Stuttgart verlegte Fachmagazin auto, motor und sport berichtet auf seiner Homepage über die Menge der Aktien, die den Besitzer wechseln sollen, und den Kaufpreis sei bereits eine Einigung erzielt worden. Noch vor dem Saisonstart am 16. März in Melbourne solle der Handel verkündet werden. Die zum Daimler-Konzern gehörende Marke Mercedes ist seit 1995 mit McLaren verbunden. Derzeit hält sie 40 Prozent an dem Team, das der Brite Ron Dennis zu seiner heutigen Größe aufgebaut hat. Dennis und Mansour Ojjeh, der Eigentümer der Investmentfirma TAG, besitzen beide 15 Prozent. 30 Prozent gehören seit einem Jahr dem Staat Bahrain.

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Der neue Rennwagen wurde schon in Stuttgart vorgestellt

Die Beteiligten wollten sich am Mittwoch zu den Spekulationen nicht äußern. Ein Mercedes-Sprecher teilte mit: "Am Status quo hat sich nichts geändert." Schon in den vergangenen Monaten hatte es aber einige Hinweise gegeben, dass eine Machtverschiebung anstehen dürfte. Das Formel-1-Auto für 2008 wurde in der vergangenen Woche erstmals am Mercedes-Sitz in Stuttgart präsentiert. Das große Wort schwang dabei Dieter Zetsche, der Vorstandsvorsitzende der Daimler AG, der Anfang der neunziger Jahre als stellvertretender Entwicklungsvorstand die Rückkehr von Mercedes in den Grand-Prix-Sport unterstützt hatte. McLaren-Teamchef Ron Dennis hingegen hatte bei der Präsentation lediglich einen kurzen Auftritt.

Der 60-Jährige beging in der Saison 2007 im Zuge der Spionage-Affäre mit Ferrari viele Fehler. Zunächst stritt Dennis ab, dass unter seinen Augen je Unrechtes geschehen könne. Als mehr und mehr belastende Details ans Licht kamen, musste er zurückrudern. Im September sprach der Automobilweltverband die Rekordstrafe von 100 Millionen Dollar gegen McLaren aus. Nachdem eine Untersuchung nach Saisonende das ganze Ausmaß des Abkupferns enthüllt hatte, musste McLaren sich demütig entschuldigen, um dem Ausschluss aus der WM zu entgehen. Im letzten Saisonrennen hatte zudem ein Schaltdefekt Lewis Hamilton den Fahrertitel gekostet.

Die Pläne sollen schon seit einiger Zeit bestehen

Als größter Anteilseigner wurde Mercedes von all dem getroffen, ohne viel entgegensetzen zu können. Das würde sich in der neuen Struktur ändern. Pläne, die McLaren-Mehrheit zu übernehmen, werden den Schwaben schon länger unterstellt. Lange standen der Akquise aber die Probleme im Weg, welche die Fusion mit dem US-Unternehmen Chrysler der Daimler AG gebracht hatten. Nach der Scheidung vom ungeliebten Partner wäre der Weg nun frei. Ron Dennis hat als seinen Nachfolger Martin Whitmarsh aufgebaut. Der 49-Jährige firmiert seit 2004 als Geschäftsführer des Formel-1- Teams. Das Mercedes-Motorsport-Engagement verantwortet seit 1990 Norbert Haug. Der 55-Jährige arbeitete einst als Journalist- unter anderem für auto, motor und sport.

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(SZ vom 17.01.2008/lsp)