Von René Hofmann, Valencia

Nur dritte Wahl: An den Formel-1-Fähigkeiten von Aushilfspilot Luca Badoer zweifelt selbst sein eigener Rennstall Ferrari.

Luca Badoer sagt: "Ein Kindheitstraum wird für mich wahr." Er sagt: "Ich habe mich gut vorbereitet." Er sagt: "Ein Ziel habe ich mir nicht gesetzt. Ich will nur ins Ziel kommen. Für mich ist das wie eine Testfahrt."

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Da hilft kein Ziehen und kein Dehnen: Der Rennanzug von Michael Schumacher dürfte für Luca Badoer (links) stets ein paar Nummern zu groß sein. (© Foto: AP)

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Was soll er auch sonst sagen? Luca Badoer, geboren am 25. Januar 1971 in Montebelluna, ist der Ersatz für den Ersatz. Dritte Wahl sozusagen. Nach Felipe Massas Unfall beim Großen Preis von Ungarn sollte Michael Schumacher bei Ferrari einspringen.

Als das wegen einer Nackenverletzung nicht klappte, war die Zeit zu kurz, noch einen renommierten Reservisten zu finden. Die Scuderia hat zwei Testfahrer, also hatte sie zwei Möglichkeiten: Entweder den Spanier Marc Gené in das Auto mit der Nummer drei zu bitten - oder den Italiener Badoer. Die Wahl fiel auf die Lokalgröße. Vermutlich aus Verbundenheit.

50 Rennen = kein Punkt

Badoer fährt seit 1997 für Ferrari. Tests. Ein Rennen hat er für das Team nie bestritten. Auch 1999 nicht, als Michael Schumacher sich in Silverstone ein Bein brach. Als Aushilfe wurde damals der Finne Mika Salo verpflichtet - und der ausgeliehene Badoer durfte weiter für Fondmetal Minardi Ford Runden drehen.

Beinahe wäre er damals auf dem Nürburgring Vierter geworden, doch kurz vor dem Ziel streikte das Getriebe, und Badoers wenig schmeichelhafte Bilanz hatte Bestand: In knapp 50 Formel-1-Rennen holte er keinen einzigen WM-Punkt. Zuvor war er schon für BMS Scuderia Italia und Forti Grand Prix angetreten. Sein erstes Formel-1-Rennen überhaupt war der Große Preis von Südafrika 1993.

Damals fuhr die Formel 1 noch in Kyalami und Badoers Rivalen hießen Michele Alboreto und Alessandro Zanardi. Der eine verunglückte bei einem Test mit einem Sportwagen tödlich, dem anderen wurden bei einem Rennen der Champ-Car-Serie beide Beine abgerissen.

Der Motorsport ist gefährlich und schnelllebig. Wer sich mehr als ein Jahrzehnt in dem Geschäft hält, muss Qualitäten haben. Die Qualitäten von Luca Badoer sind: nicht groß aufzufallen, sich einzuordnen, klaglos die monotone Arbeit im Verborgenen zu verrichten. Er war einer der ersten professionellen Testfahrer.

Als in den neunziger Jahren das technologische Wettrüsten begann und die Teams immer mehr Übungskilometer absolvierten, gab es mehr zu tun, als zwei Rennfahrer leisten konnten. Die Zuverlässigkeit der Prototypen wurde bei den Übungsfahrten überprüft, immer neue Reifentypen und Aerodynamik-Teile wurden gegeneinander abgewogen. Dabei ging es weniger darum, das Letzte aus dem Wagen herauszuholen. Gleichmäßigkeit war gefragt. Die Lust am Limit - das zeichnet einen guten Rennfahrer aus. Bei einem Testpiloten ist dagegen vor allem Zuverlässigkeit wichtig. Deshalb ist der Rollenwechsel nicht einfach.

Badoer blickt zu Michael Schumacher auf. "Ich bin sein Freund, sein Bewunderer, sein Fan", sagt er über den zwei Jahre Älteren. Den Unterschied zwischen sich und dem siebenmaligen Weltmeister hat Badoer einmal in das schöne Bild gefasst: "Michael ist ein Cocktail mit perfekten Zutaten. Ich bin auch ein guter Cocktail. Aber bei mir stimmt die Mischung nicht genau."

Schnelle Autos, Model-Freundinnen, ein Apartment in Monaco - auch als Testpilot lässt es sich gut leben. Das Privileg, dass er jahrelang der einzige Italiener war, der das italienische Auto auch nur bewegen durfte, hat Badoer reichlich ausgekostet. Seit sich die Teams im Winter auf ein freiwilliges Testverbot verständigten, um Geld zu sparen, ist seine große Zeit aber vorbei.

Fahrlehrer Schumacher

Den F60, den er ab diesem Freitag durch Valencia bewegen darf, kennt Badoer kaum. Anfang der Woche ist er mit dem Modell 200 Kilometer auf der kurzen Strecke in Fiorano gefahren, um TV-Bilder für die Sponsoren zu produzieren. Im Simulator hat er sich die 25 Kurven angeschaut, die es in Valencia gibt, und die Funktionen, die sein Lenkrad bietet. Als Fahrlehrer wird ihm Michael Schumacher zur Seite stehen.

Jüngst haben die beiden in Lonato erst das Kart-Fahren miteinander geübt. "Das Schicksal hat ihm eine einmalige Chance gegeben. Nun muss er das Beste daraus machen", übt Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sanft Druck aus. Niki Lauda bleibt skeptisch. "Da hätte ich auch fahren können", spottet der dreimalige Weltmeister. Besonders groß ist das Vertrauen in Badoers Fähigkeiten offenbar selbst bei Ferrari nicht. Am vergangenen Sonntag jettete Stefano Domenicali für ein Mittagessen nach Brasilien. Der Teamchef wollte von Felipe Massa wissen, wie die Genesung fortschreite - und wann er wieder einsatzfähig sei.

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(SZ vom 21.08.2009/segi)