Von René Hofmann

Sebastian Vettel fällt beim Grand Prix in Monaco früh aus. Jenson Button siegt zum fünften Mal in diesem Jahr und setzt sich in der WM-Wertung ab.

Jenson Button hat ein recht inniges Verhältnis zu seinem Vater John. Der Senior gehört stets zu den ersten Gratulanten, wenn der Junior Champagner verspritzen darf. So war es auch an diesem Sonntag in Monaco. Brawn-GP-Pilot Jenson Button war zum fünften Mal in dieser Formel-1-Saison der Schnellste, was er ausgiebig genoss: Er jubelte. Er brüllte. Er schloss seinen Vater in die Arme. Ein Wort fiel dabei allerdings nicht: "Champion." So weit will das Duo noch nicht denken, was allerdings immer schwieriger wird.

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Vater und Sohn im Rampenlicht: Jenson (mit Kappe) und John Button. (© Foto: Getty)

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Fünf Siege in den ersten sechs Rennen- Michael Schumacher ist das 2002 und 2004 gelungen. In beiden Jahren wurde der Ferrari-Fahrer überlegen Weltmeister. Eine ähnliche Dominanz zeichnet sich nun erneut ab. Ein Drittel der Jahresdistanz ist absolviert, und mit dem Erfolg an der Côte d'Azur hat Button seinen Vorsprung in der WM-Wertung auf Rubens Barrichello von 14auf 16 Zähler ausgebaut. Barrichello wurde in Monaco Zweiter. Die restlichen guten Plätze belegten Kimi Räikkönen (3.), Felipe Massa (4./beide Ferrari), Mark Webber (5./Red Bull) und Nico Rosberg (6./Williams).

Der beste Nicht-Brawn-GP-Fahrer liegt in der Fahrerwertung mittlerweile schon 28 Punkte hinter Button: Sebastian Vettel. Die Ambitionen des 21 Jahre alten Red-Bull-Fahrers erhielten am Wochenende allerdings einen Dämpfer. Obwohl er am wenigsten Benzin mitführte und deshalb das leichteste Auto bewegte, glückte es Vettel am Samstag nicht wie geplant, die beste Startposition zu erobern. Von Startposition vier aus boten sich ihm wenige Siegchancen, ein bisschen besser hätte es aber schon laufen sollen: Bereits nach 17 Runden musste er sein Gefährt nach einem Unfall in der Kurve vor der Kapelle Sainte Devote abstellen. Als Gründe für den schlechten Auftritt nannte das Team Probleme mit den Reifen und der Servolenkung. Darauf wollte Vettel sein Ausscheiden aber nicht schieben. "Bei uns war hier einfach der Wurm drin", sagte er.

Überrundeter Weltmeister

Der Schanghai-Sieger führte die lange Liste der Enttäuschten an. Titelverteidiger Lewis Hamilton beispielsweise hatte sich für das Rennen durch die vielen engen Kurven besonders viel ausgerechnet. Sein McLaren-Mercedes ist in schnellen Biegungen nicht besonders gut. Weil es davon in Monte-Carlo nur wenige gibt, sollte der Nachteil dieses Mal nicht besonders groß sein. Sollte. Die Realität sah so aus: In Runde 37 - und damit noch nicht einmal nach der Hälfte der Renndistanz - wurde Hamilton von Button überrundet. Am Ende wurde er Zwölfter. Am Tag zuvor, in der Qualifikation, hatte es schon ein ähnliches Erlebnis gegeben: Wegen eines Fahrfehlers schied Hamilton nach einem Unfall bereits im ersten Qualifikationsdurchgang aus. Mit seinem Diamanten-geschmückten Helm auf dem gesenkten Kopf marschierte der große Sieger des vergangenen Jahres um die halbe Strecke in die Box zurück. Teamkollege Heikki Kovalainen lag im Rennen an Platz sieben, als er in Runde 55 in die Leitplanken schleuderte.

Noch weit düsterer war, was BMW in der Glitzerwelt leistete. Nick Heidfeld und Robert Kubica fuhren vom ersten Training an hinterher - und konnten sich bis zum Sonntagabend nicht so recht erklären, warum das so war. Ihre Vermutung: Trotz 25 Luft- und mehr als 40 Grad Außentemperatur brachten die weiß-blauen Autos die Einheitsreifen nicht auf die richtige Temperatur und deshalb nicht ordentlich zum Haften. In der Qualifikation hieß das: Rang 16 (Heidfeld) und 17 (Kubica). Im Rennen musste der Pole wegen eines Defektes aufgeben, Heidfeld schleppte sich mit einem prall gefüllten Tank und lediglich einem Stopp auf Platz elf.

Nicht wesentlich besser erging es Timo Glock im Toyota. Wie zwei Wochen zuvor in Barcelona zeigte sich sein Toyota in Monaco störrisch. "Wir schrauben hoch, runter, links, rechts - und es ist immer die gleiche Rundenzeit. Im Moment bin ich ratlos", stöhnte er schon vor dem Rennen. Danach hatte er auch nichts anderes zu sagen. Platz zehn war eine Enttäuschung. Vor vier Wochen in Bahrain war Toyota noch an der Spitze gefahren - das zeigt, wie schnell in diesem Jahr die Formkurven umschlagen.

Verbesserte Ferrari

Ein Team, dass all denen, die augenblicklich hinterherfahren, Mut spendet, ist Ferrari. Die Scuderia aus Maranello zeigte sich rund ums Casino von Monte-Carlo schneller und so zuverlässig wie schon lange nicht mehr. Beide Fahrer im Ziel, beide in den Punkten - in diesem Jahr hatte es das so noch nicht gegeben. Das Ergebnis und der Rennverlauf legen die Vermutung nahe, dass die roten Autos dank vieler Neuerungen wieder aus der Versenkung aufgetaucht sind. 78 Runden werden in Monaco absolviert. Mehr als 70 davon zeigten sich Räikkönen und Massa hinter Barrichello und Button. Richtig gefährlich konnten sie den beiden allerdings nicht werden.

Buttons Erfolg war vom Start bis ins Ziel ungefährdet. Am anstrengendsten für den 29-Jährigen war der Spurt nach der karierten Flagge: In voller Rennmontur sprintete er von der Box bis zur Siegerehrung in die Fürstenloge. Der Erfolg hatte nicht nur deshalb etwas seltenes: Seit Damon Hill 1996 hatte kein Brite mehr drei Formel-1-Rennen nacheinander gewonnen. Der nächste Grand Prix findet in zwei Wochen in der Türkei statt. Die Strecke bei Istanbul ist ganz anders als die in Monaco: Sie hat lange Geraden und etliche schnelle Kurven und stellt damit wieder andere Anforderungen an Fahrer und Fahrzeug. Jubelt Button dort auch, dürften er und sein Vater das böse Champion-Wort kaum länger vermeiden können.

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(SZ vom 25.05.2009/dop)