Von René Hofmann

Ferrari-Boss Luca di Montezemolo kehrt als mächtiger Akteur auf die Formel-1-Bühne zurück und fordert neue Machtverhältnisse.

Beim Nachtisch enden die Vorsätze von Luca di Montezemolo. "Nur Obst. Da geht der Sparkurs nun aber wirklich zu weit!", ruft der Ferrari-Präsident - und schon eilen zwei Ordonnanzen und schieben zwei gigantische Panettoni an den Tisch. Die Formel 1 muss sparen. Über kaum ein anderes Thema redet Montezemolo in diesen Tagen mehr und lieber. "Die Formel 1 ist mein Leben. Sie ist in meinem Blut und in dem von Ferrari", sagt Montezemolo pathetisch.

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Einnahmen herauf, Ausgaben hinunter: Luca di Montezemolo begreift die Finanzkrise als Chance für die Formel 1. (© Foto: AFP)

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Der erste Grand Prix, bei dem er etwas zu sagen hatte, war der Große Preis von England 1973. Als Teamchef war der 25-Jährige damals Assistent von Enzo Ferrari. Inzwischen ist Montezemolo 61. In den vergangenen Wochen hat er Einmaliges erlebt: Zum ersten Mal waren sich alle Formel-1-Teams einig. Im Doppelpass mit dem Automobilweltverband FIA wurden im Eilverfahren Regeln verabschiedet, welche die Kosten 2009 um 30 Prozent drücken sollen.

Testfahrten während der Saison sind ab sofort untersagt. Jedes Team darf maximal 20 Motoren verwenden. In der vergangenen Saison verschliss alleine Montezemolos Scuderia dreimal so viele. Noch sind nicht alle Details geklärt, aber im Prinzip gilt, was Montezemolo sagt: "Bisher war es der größte Sport, die Teams gegeneinander auszuspielen. Dieses Mal sind wir zusammengestanden."

Ohne Schauspieler kein Film

Montezemolo wäre nicht Montezemolo, wenn er die Chance ungenutzt ließe, bei der Gelegenheit auch gleich ein wenig Eigenwerbung zu betreiben. Ferrari steht an der Spitze einer im September gegründeten Vereinigung, der Formula One Teams Association, kurz Fota. Das Gründungstreffen fand in der Ferrari-Zentrale statt, Montezemolo wurde für ein Jahr zum ersten Präsidenten berufen.

Nach Jahren der Zurückhaltung, in denen er sich vornehmlich um Fiat und die Geschicke der ganzen italienischen Wirtschaft gekümmert hatte, kehrte er damit auf einen einflussreichen Formel-1-Posten zurück. Und wer Montezemolo kennt, der weiß: Macht zu haben genügt ihm nicht. Er will sie auch nutzen. Seine Vision? "Bis 2012 müssen wir eine ganz neue Formel 1 bauen." Warum? "Weil die Welt dann eine ganz andere sein wird."

Ferrari wird in diesem Jahr zwar einen Rekordgewinn ausweisen, und dank des neuen Modells California ist die Fabrik auch in den kommenden zwei Jahren ausgelastet, aber den Zeichen der Zeit kann sich auch die Sportwagenschmiede nicht entziehen. Benzinverbrauch, CO2-Ausstoß, Energierückgewinnung - diese Schlagworte werden in den kommenden Jahren immer wichtiger werden, weshalb Montezemolo die Formel 1 näher an die Entwicklung der Serienfahrzeuge heranrücken will.

Die Show soll besser werden

"Wir sind Konstrukteure und keine Sponsoren", sagt er: "Die Ausgaben müssen runter auf die Höhe, die sie Anfang der neunziger Jahre hatten. Aber gleichzeitig muss der sportliche und technische Wettstreit gewährleistet bleiben."

Was das konkret heißt? Weniger exotische Materialien, mehr Einheitsteile, womöglich ein einheitliches Telemetriesystem. Und einen eigenen Meteorologen müsse sich jede Mannschaft nun wirklich auch nicht halten. "So sparen wir hier drei Millionen, dort fünf und da drüben eine - und am Ende kommt eine Menge zusammen", glaubt Montezemolo.

Im Januar wird sich die Fota wieder treffen. Dann sollen die nächsten Schritte überlegt werden. Die Show soll besser werden. Getüftelt wird an einem anderen Qualifikationsformat, die Europa-Rennen könnten später starten, nicht einmal Medaillen sind ausgeschlossen.

Auf der nächsten Seite: Wie Montezemolo die Machtverhältnisse verändern will und warum ihm die neuen Stadtkurse nicht gefallen haben.

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