Von René Hofmann

Hamilton? Räikkönen? Massa? Kubica? Vor dem Rennen in Hockenheim überrascht die Formel 1 mit gewagten Kalkulationen und selbstbewussten Fahrern.

Am Hockenheimring gibt es eine Tribüne, die nach einer schwäbischen Autofirma benannt ist. 6.000 Menschen finden dort einen Platz, von dem sich ein schöner Blick auf die Kurven bietet. Unter der Tribüne spielt in einer Wasserlandschaft eine Band. Als Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen am Donnerstag ankamen, war nur das Schlagzeug aufgebaut. Aber auch mit dem lässt sich so etwas wie Musik machen.

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Lewis Hamilton macht in Hockenheim erneut einen starken Eindruck und ist bestens gelaunt. (© Foto: AP)

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Unternehmungslustig stülpten sich die beiden McLaren-Mercedes-Piloten die Gummistiefel über, wateten durch das flache Wasser und trommelten freudig drauflos. Der Finne Kovalainen bewies dabei deutlich mehr Taktgefühl. "Aber er ist ja auch Profi", kommentierte Hamilton seine Niederlage. Zuvor hatten die beiden sich bereits bei einem Musik-Quiz geneckt. "Lewis kennt doch gar keine gute Musik", hatte Kovalainen gefrotzelt, als die beiden in einem nahen Kulturzentrum acht Titel erraten sollten. Der Vergleich endete sechs zu zwei für Hamilton. Als er dafür eine goldene CD erhalten hatte und Kovalainen eine silberne, hielt Hamilton dem Teamkollegen auf der improvisierten Bühne das Mikro unter die Nase und fragte ihn frech: "Na, wie fühlst du dich jetzt?"

Mangelnde Chancenverwertung

Die Stimmung ist also prächtig bei den Favoriten für den Großen Preis von Deutschland an diesem Wochenende (Qualifikation Samstag, Rennen Sonntag, jeweils 14 Uhr). Die jüngste Wettfahrt vor zwei Wochen in Silverstone hat Hamilton souverän gewonnen. Bei Tests in der vergangenen Woche in Hockenheim hinterließ sein McLaren-Mercedes MP 4-23 einen starken Eindruck. An diesem Freitag war Hamilton in beiden Trainingsdurchgängen der Schnellste - am Nachmittag mit dem großen Vorsprung von sieben Zehntelsekunden.

"Wir sollten wieder ein gutes Paket haben", sagt er. "Ich denke, wir sind in der Lage, die Plätze eins und zwei zu belegen - hier und in diesem Jahr noch öfter", sagt Kovalainen. Neun Rennen sind absolviert. "In fünf, sechs oder sieben waren wir siegfähig", sagt Mercedes-Sportchef Norbert Haug. Gewonnen hat das Team bloß drei Mal. Die mangelhafte Chancenverwertung ist dieser Tage das Thema. Auch beim anderen großen Team: Ferrari.

Präsident Luca di Montezemolo zeigte sich nicht wirklich erfreut darüber, was seine Stallburschen in Mittelengland darboten. Felipe Massa kreiselte so beständig auf der rutschigen Piste, als habe er eine Karussell-Rundfahrt gebucht. Bei Kimi Räikkönen wollten die Ferrari-Strategen besonders clever sein: Als der Regen einsetzte und der Finne zum Boxenstopp kam, wechselten sie die Reifen nicht. Der angefahrene warme Gummi, so die Hoffnung, würde schnell wieder Haftung finden. Die Hoffnung trog.

WM in konzentrierter Form

Dramatisch aber findet Räikkönen das nicht. "Uns ist halt ein Fehler passiert", sagt der Stoiker: "Ansonsten war es ein ganz gutes Rennen." Am Ende wurde er Vierter, was im Fahrer-Klassement nach 50 Jahren wieder einmal zu der Konstellation führt, dass zur Saisonhalbzeit drei Piloten gleichauf liegen: Hamilton, Massa und Räikkönen kommen auf 48 Punkte, BMW-Fahrer Robert Kubica ist lediglich zwei Zähler zurück. Im Prinzip beginnt der Wettstreit nun also von neuem, bis November gibt es eine WM in konzentrierter Form.

Die Protagonisten bringen sich dafür in Stellung. Lektion eins dabei: Stärke und Zuversicht demonstrieren. Ob er sich am Sonntag Regen oder Sonne wünscht? "Ist mir egal", sagt Räikkönen, "wir haben ein Auto, das bei allen Bedingungen gewinnen kann." Ob er die WM als Drei- oder als Vierkampf sieht? "Als Fünfkampf", sagt Hamilton: "Heikki hat ebenfalls ein gutes Auto und damit noch alle Chancen." Der zweite McLaren-Mann ist allerdings doch schon 24 Punkte zurück. Die ungewöhnliche Unberechenbarkeit führt dazu, dass mancherorts ganz gewagte Kalkulationen angestellt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die eigenwillige Pannenstatistik von Robert Kubica und die Probleme durch den verschärften Titelkampf für die nächste Saison.

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