Sebastian Vettel gewinnt zum ersten Mal in dieser Saison - und wird von Michael Schumacher zum Kandidaten für den Weltmeister-Titel erklärt.
Nach dem Rennen brüllte Sebastian Vettel in sein Funkgerät: "Danke, danke, danke! Was für ein Rennen! Das ist ein Traum. Danke, danke, danke!" Er wollte gar nicht mehr aufhören, sich zu bedanken - dabei war es vor allem der Fahrer Vettel, der in diesem Grand Prix in Shanghai die Nerven behielt und sein Fahrzeug in strömendem Regen sicher ins Ziel fuhr. "Er hat das brillant gemacht", lobte Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinen Fahrer nach dem Rennen.
Dancing in the rain: Sebastian Vettel in Shanghai. (© Foto: dpa)
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Es war die 41. Runde, in der dieser junge Fahrer zeigte, wie sehr er beweisen wollte, dieses Rennen gewinnen zu wollen. Nach einem Boxenstop lag er hinter Jenson Button auf dem zweiten Platz. Der Brite musste noch einmal zum Tanken, weshalb Vettel in aller Ruhe hinterherfahren hätte können, bis er den ersten Platz quasi kampflos wieder bekommen hätte. Vettel jedoch scherte aus, zog an Button vorbei und bremste vor der Kurve geschickt ab. Er gewann den Großen Preis von China nicht an der Boxengasse, sondern auf der Rennstrecke. "Er hatte so ein gutes Gefühl und ist kein Risiko eingegangen - so ist er sicher ins Ziel gekommen", urteilte Niki Lauda über das Manöver.
Wegen der schwierigen Bedingungen war das Rennen auf dem Shanghai International Circuit hinter dem Safety-Car gestartet worden. Nach dem fliegenden Start behielt Vettel die Nerven und behielt den ersten Platz, den er sich im Qualifying am Tag zuvor gesichert hatte. "Er ist einer der wenigen Fahrer, der die Füße am Boden hat. Er entwickelt sich am schnellsten weiter und ist auf dem richtigen Weg", sagte Lauda.
Nach einem kapitalen Auffahrunfall von BMW-Sauber-Pilot Robert Kubica mit dem Toyota von Jarno Trulli musste das Safety-Car in der 18. Runde erneut auf die Strecke. Dies spielte Vettel in die Karten, der wie schon bei seinem Premierensieg im Regen von Monza 2008 ein fehlerloses Rennen fuhr. Während zahlreiche andere Fahrer, darunter auch der Weltmeister der vergangenen Saison Lewis Hamilton, von der Strecke flogen oder sich drehten, hielt Vettel sein Fahrzeug souverän auf der Strecke.
"Toll für das Team"
Auf der Pressekonferenz bedankte sich Vettel noch einmal bei allen, die ihm einfielen: "Grüße in die Heimat, Grüße nach Österreich, Grüße nach England, ich bin so dankbar, dieses Auto fahren zu dürfen." Über das Rennen sagte er: "Es war schwer, bei diesen Bedingungen zu fahren, aber wir hatten an diesem Wochenende ein gutes Paket, wir haben viel gearbeitet."
Mit diesem Sieg meldet Vettel auch Ansprüche auf den weiteren Verlauf der Saison an. In der WM-Gesamtwertung schob sich Vettel, der sich schon 2008 bei seinem ersten Sieg in Monza im Toro Rosso als Regen-Spezialist erwiesen hatte, mit den zehn Punkten auf Rang drei vor. An der Spitze liegen zwar weiterhin Button (21 Zähler) und sein brasilianischer Teamkollege Rubens Barrichello (15), der beim Großen Preis von China nach zwei Safety-Car-Phasen Vierter wurde.
"Er kann weiter vorne mitfahren und es ist toll für das Team, wenn es so einen Motivator wie Vettel hat", urteilte Michael Schumacher. Niki Lauda relativierte indes: "Vettel ist im Regen grandios gefahren. Auf trockendem Boden ist Brawn GP weiter vorne." Man müsse abwarten, wie sich die Situation gestalte, wenn die anderen Teams den Doppel-Diffusor einsetzen und über ein ähnliches Aerodynamik-Paket verfügten.
Vettel indes beschäftigte sich nicht mit der Zukunft, sondern genoss erst einmal den Sieg: Der 21-Jährige aus Heppenheim siegte vor seinem Red-Bull-Teamkollegen Mark Webber aus Australien. Seinen ersten Erfolg hatte Vettel am 14. September 2008 beim Großen Preis von Italien in Monza im technisch unterlegenen Toro Rosso eingefahren, auch damals auf regennasser Strecke. Damit hatte sich der Hesse als jüngster Rennfahrer aller Zeiten in die Formel-1-Siegerliste eingetragen.
Den dritten Platz belegte der Brite Jenson Button, der im Brawn-Mercedes die ersten beiden Saisonrennen in Australien und Malaysia gewonnen hatte. Vierter wurde Buttons Teamkollege Rubens Barrichello aus Brasilien vor Silberpfeil-Pilot Heikki Kovalainen aus Finnland.
Weltmeister Lewis Hamilton (Großbritannien) landete in seinem McLaren-Mercedes auf Position sechs. Zweitbester deutscher Fahrer war Toyota-Pilot Timo Glock (Wersau) auf Rang sieben.
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(sueddeutsche.de/jüsc)
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