Formel E Sonntagsjagd auf Senna

Führt das Klassement an: Bruno Senna, der Neffe des legendären und viel zu früh verstorbenen Ayrton Senna.

(Foto: Charles Coates/Getty )

Vor dem letzten Rennen der Elektroboliden führt der Neffe der Formel-1-Legende das Klassement an. Die Abt-Fahrer aber machen Druck. Alain Prost ist begeistert.

Viermal Weltmeister, 51 GP-Siege, zudem vier Jahre lang Teambesitzer und Teamchef: Wenn sich jemand in der Formel 1 auskennt, dann ist es Alain Prost. Viel scheint der 60-Jährige aber mittlerweile nicht mehr übrig zu haben für die Königsklasse des Motorsports. "Eine Rennserie ist dann richtig gut, wenn sie bis zum allerletzten Rennen spannend bleibt, wenn die Entscheidungen erst ganz zum Schluss fallen. Das habe ich auch in der Formel 1 immer schon gesagt", meinte Prost am Samstag in London. Da hatte Sebastien Buemi gerade das zehnte Rennen der neuen Formel E gewonnen, der ersten mit Elektro-Boliden durchgeführten Formel-Meisterschaft. Durch den Sieg auf dem 2,925 Kilometer langem engen Kurs im Battersea Park in der Londoner City erzwang der Schweizer die spätmöglichste Titelentscheidung. Am Sonntag (17 Uhr, Sky überträgt live) kämpft Buemi nach seinem dritten Saisonsieg gegen die zwei Brasilianer Nelson Piquet junior und Lucas di Grassi um den ersten Titel in der Elektroraser-Liga.

Ist die Formel E also besser als die Formel 1, wo schließlich seit Jahren erst Ferrari, dann Red Bull und nun Mercedes dominieren und die Konkurrenz in Grund und Boden fahren? Das sicher nicht. Aber ein wenig spannender geht es allemal zu. Sieben verschiedene Sieger von sechs verschiedenen Rennställen in zehn Rennen sprechen für ein ausgeglichenes Leistungsvermögen. Und dass alle drei Formel-E-Titelaspiranten, genauso wie Buemis Teamchef Prost, früher in der Formel 1 aktiv waren, ist kein Zufall. Die Formel E soll irgendwann die Formel 1 der Zukunft werden. Bis es soweit ist, leisten frühere (und ausrangierte) Formel-1-Stars im Auftrag des Automobilweltverbandes Fia Pionierarbeit. 18 der 35 in dieser Saison eingesetzten Fahrer haben eine Vergangenheit in der Formel 1, darunter auch Nick Heidfeld, Jarno Trulli oder Bruno Senna. Prost ist Chef des französischen Rennstalls e.dams Renault.

Nach zehn von elf Rennen führt Bruno Senna, der Neffe des legendären und viel zu früh verstorbenen Ayrton Senna, das Klassement an. 138 Punkte hat Senna gesammelt. Fünf mehr als Buemi. Ebenfalls noch Chancen auf den Gesamtsieg hat mit 125 Punkten di Grassi, der für das allgäuerische Abt-Team fährt. Di Grassi, am Samstag Vierter, ist allerdings auf Patzer der Konkurrenz angewiesen. Sein Teamkollege Daniel Abt, der Sohn des Teambesitzers Hans-Christian Abt, schied am Samstag nach einem Defekt aus. Nick Heidfeld, bis heute einer der erfolgreichsten Formel-1-Fahrer, der kein Rennen gewann, wurde enttäuschender 14. In der Gesamtwertung belegt der Mönchengladbacher vor dem letzten Rennen Platz 10 und liegt somit einen Rang hinter dem jungen Abt, 22.