In den zurückliegenden Jahren hat Formel-1-Chef Bernie Ecclestone nahezu jede Möglichkeit ausgeschöpft, die Vermarktung des Motorsports an sich zu reißen.
Die Formel 1 ist ein weltweites Erfolgsmodell. Allerdings nicht für Rennstrecken-Betreiber. Für die ist die spektakulärste Motorsportserie in der Regel ein Verlustgeschäft, was an Bernie Ecclestone liegt. Der Brite erwarb vom Automobilweltverband FIA für mehr als hundert Jahre die Vermarktungsrechte an der Rennserie. Ecclestone handelt das Antrittsgeld aus, das Streckenbetreiber dafür zahlen müssen, dass die zehn Formel-1-Teams mit ihren 20 Autos vorbeikommen.
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Formel-1-Chef Bernie Ecclestone (rechts) mit Michael Schumacher. (© Foto: AP)
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Weil weltweit die Nachfrage nach Formel-1-Rennen groß ist, war Ecclestone in den vergangenen Jahren dabei in einer komfortablen Situation: Er konnte viel verlangen. Oft wussten die Veranstalter bereits lange vor dem Rennen, dass das Formel-1-Gastspiel ein Zuschussgeschäft bleiben würde. In Malaysia, wo die Serie 1999 debütierte, in Bahrain und in Shanghai, wo es im Jahr 2004 zum ersten Mal rund ging, und im Stadtstaat Singapur, in dem im vergangenen Jahr das erste Nachtrennen gestartet wurde, ist die Formel 1 ein staatlich subventioniertes Prestigeobjekt. Eine ausgewogene Gewinn- und Verlustrechnung ist dort zweitrangig.
Die Länder nutzen die Aufmerksamkeit, welche die Formel 1 hervorruft, um Standort-Marketing zu treiben. "Im Prinzip konkurrieren wir nicht mit anderen Strecken, sondern mit Staaten", sagt Walter Kafitz, der Geschäftsführer des Nürburgrings. Interessant ist die Formel 1 für ihn trotzdem. Sie ist die Königsklasse. Sie im Programm zu haben, adelt alle andere Veranstaltungen.
Eine Rennstrecke ohne die Formel 1 ist wie ein Zirkus ohne Raubtiernummer. Wie seine Kollegen in Hockenheim konnte Kafitz sich in der Vergangenheit darauf verlassen, dass die Verluste, die die Formel 1 einfuhr, von der öffentlichen Hand beglichen wurden. Begründet wird das stets mit der gewaltigen Wertschöpfung, die ein Formel-1-Rennen einer Region bringt. Vor drei Jahren zum Beispiel soll die Rechnung am Nürburgring so ausgesehen haben: 300000 Besucher schafften einen Mehr-Umsatz von 60 Millionen Euro und einen Gewinn von zehn Millionen. Nach Angaben der Nürburgring GmbH partizipierten davon rund 15000 Beschäftigte in etwa 3000 Geschäften, von der Hilfskraft an der Tankstelle bis zum Hotelbesitzer.
Mit den rückläufigen Besucherzahlen, der Wirtschaftskrise und der üblichen jährlichen Steigerungsrate von zehn Prozent, die Ecclestone gerne in die Verträge schreiben lässt, gerät dieses Modell nun aber zusehends ins Wanken. Der Stadtrat von Hockenheim hat deshalb jüngst beschlossen, so viel wie in der Vergangenheit dürfe die Formel 1 nicht mehr kosten. Jetzt hofft die Stadt darauf, dass Ecclestone einen Preisnachlass gewährt. Ansonsten wird es 2010 keinen Großen Preis von Deutschland geben.
Das Rennen in Deutschland wechselt seit einigen Jahren zwischen dem Hockenheim- und dem Nürburgring hin und her. Gut 15 Millionen Euro soll das Antrittsgeld im vergangenen Jahr betragen haben. Die Möglichkeiten, mit der Formel 1 Geld einzuspielen, sind begrenzt. Ecclestone besteht darauf, dass die Rennstrecke "weiß" übergeben wird. Das heißt: Es darf keinerlei Werbung zu sehen sein. Die Werbeflächen rund um die Kurse verkauft eine von Ecclestone geführte Firma. Selbst an den Landegebühren für Helikopter soll der Brite mancherorts beteiligt sein.
Den Streckenbetreibern bleiben lediglich die Einnahmen aus den Ticketverkäufen. Diese lassen sich aber nicht beliebig steigern. In Deutschland sind die Zuschauerzahlen seit dem Schumacher-Boom rückläufig. Aber selbst beim Stadt-Grand-Prix in Melbourne, der jedes Jahr an vier Tagen mehr als 300.000 Zuschauer lockt, bleiben die Veranstalter auf einem Minus sitzen.
Das bestbesuchte Rennen war lange der Große Preis von Kanada in Montréal. Weil die Veranstalter aber nicht alle Rechnungen an Ecclestone beglichen, fehlt die Wettfahrt dieses Jahr im Kalender. Ähnlich sieht es mit dem Großen Preis von Frankreich aus, der 2009 erstmals in der Geschichte der Formel-1-WM fehlt.
Wer nicht zahlt, fliegt - so einfach geht das bei Ecclestone. Im Doppelpass-Spiel mit seinem Freund Max Mosley, der an der Spitze des Automobilweltverbands steht, ist es ihm ein Leichtes, den Kalender nach seinem Gutdünken zu gestalten. Seit Jahrzehnten funktioniert das Spiel so. Seit einigen Jahren wächst allerdings der Widerstand dagegen. Die in der Formel 1 beteiligten Autokonzerne werfen Ecclestone vor, zu sehr auf den eigenen Vorteil zu schielen und ihre Interessen zu vernachlässigen. So mangelt es der Weltmeisterschaft derzeit beispielsweise an einem Auftritt im wichtigsten Automarkt weltweit, den USA.
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(SZ vom 08.07.09/aum)
Bürgermeister in Baden-Württemberg
... so etwas gründen wie die F1-Teams und von Herrn E. Gebühren verlangen, damit er die teure Infrstruktur nutzen kann. Ansonsten: Kein Grand Prix = keine Werbeeinnahmen und TV-Lizenzgebühren et cetera.
Nix Neues.
Bernie Ekelstein wird also dafür gescholten, daß er "nahezu jede Möglichkeit ausgeschöpft, die Vermarktung des Motorsports an sich zu reißen".
Und was soll daran verwerflich sein? Jeder Unternehmer wird versuchen, sein Geschäftsfeld so wiet wie möglich zu kontrollieren. Auch eine in Süddeutschland ansässige Zeitung wird doch täglich versuchen, seine Auflage zu steigern um damit seinen Marktanteil uns somit die Marktmacht zu verbessern. So what?
Der interessante Aspekt an diesem Artikel ist doch, daß irgendwelche Dorfgemeinden glauben, im Big Business mitspielen zu können. Bar jeglicher kommerziellen Vernunft wird dann versucht, auch für weniger Tage Teil des Zirkus zu sein.
Ich empfehle einen Blick auf den Artikel
Blamage für Kurt Beck
Finanzierung des Nürburgrings
07.07.2009, 19:28
noch zu finden im Politik-Teil und zwar schon ziemlich weit unten.
Dort kann man dann nachlesen, wie kriminelle Politiker in unverantwortlicher Weise mit dem Geld der Steuerzahler umgehen, nur um sich auch ein Stück vom F1-Kuchen abschneiden zu können und damit der MiniPräs Beck auch mnal kurz einen Pokal übergeben kann. Das ist der Skandal und nicht, ob ein Rennveranstalter Kontrolle über sein Geschäft ausüben will.