Forderung Rugby: Ärzte wollen Tackling verbieten

New Zealand v France - IRB Rugby World Cup 2015 Quarter Final Rugby Union - New Zealand v France - IRB Rugby World Cup 2015 Quarter Final - Millennium Stadium, Cardiff, Wales - 17/10/15 New Zealand's Ma'a Nonu in action with France's Morgan Parra Reuters / Toby Melville Livepic

(Foto: REUTERS)
  • Aufgrund der hohen Verletzungsgefahr fordern Mediziner und Universitätsdozenten harten Körperkontakt aus Rugbyspielen an Schulen zu nehmen.
  • Während die Verbände zurückhaltend auf den Vorschlag reagieren, sind Rugby-Puristen entsetzt.
Von Christian Zaschke, London

Auf den ersten Blick wirkt der Vorstoß wie eine typische Bürokraten-idee: Universitätsdozenten und Ärzte haben sich am Mittwoch in einem offenen Brief mit der Forderung an diverse Minister gewandt, das Tackling aus Rugbyspielen an Schulen in Großbritannien und Irland zu verbannen. Das klingt zunächst ungefähr so sinnvoll, wie die Grätsche beim Fußball zu verbieten oder den Schulterwurf beim Ringen oder den Leberhaken beim Boxen. Rugby ist ein äußerst physisches Spiel, und das Tackling, also der Versuch, den Gegner aufzuhalten, indem man ihn mit beiden Armen umgreift, ist wesentlicher Teil dieses Sports. Bisweilen sieht es ziemlich brutal aus, wenn austrainierte 100-Kilo-Männer einander in vollem Lauf auf diese Weise zu stoppen versuchen, aber eben auch spektakulär.

Jugendliche sollen zunächst harmlosere Spielformen lernen

Die Ärzte argumentieren jedoch, dass die Verletzungsgefahr für Jugendliche unter 18 Jahren schlicht zu groß sei. Sie schreiben: "Die Mehrheit aller Verletzungen in dem Sport entsteht nach Kollisionen. Dabei kommt es zu Knochenbrüchen, Bänderrissen, ausgekugelten Schultern sowie Verletzungen an Kopf und Wirbelsäule, die lebenslange Folgen für Kinder haben können." Sie schlagen vor, dass Jugendliche zunächst harmlosere Spielformen lernen, in denen der Gegner stoppen muss, wenn er berührt wird oder wenn man ihm eine Markierung vom Trikot zieht. Die Puristen halten davon erwartungsgemäß wenig.

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Rugby hat auf der Insel Tradition, es ist ungefähr zur gleichen Zeit wie Fußball entstanden und wird seit dem 19. Jahrhundert gespielt. Besonders an Privatschulen wird der Sport gelehrt, weil er Teamgeist und Fairness fördere. Ein gängiges Sprichwort besagt: "Fußball ist ein Spiel für Gentlemen, das von Raufbolden gespielt wird. Rugby ist ein Spiel für Raufbolde, das von Gentlemen gespielt wird."

"Wenn man das Tackling aus dem Rugby nimmt, was ist dann noch übrig?"

Seit 2012 läuft in England ein groß angelegtes Programm, das Rugby auch an staatlichen Schulen noch weiter verbreiten soll. Dabei gehen Rugby-Klubs Kooperationen mit den Schulen ein. Bis 2019 sollen eine Million Schüler mit dem Sport in Verbindung gekommen sein. Sportlehrer Jonny Cross sagte der BBC: "Rugby ist ein Kontaktsport, der hilft, den Charakter zu bilden. Die Schüler müssen ihren Körper ins Spiel werfen, das Risiko ist Teil des Sports."

Die Rugby-Verbände haben auf die Initiative der Ärzte zurückhaltend reagiert. Sie betonen, dass sie die Sicherheit der Spieler "extrem ernst" nähmen. Der ehemalige englische Nationalspieler Matt Perry sagte: "Wenn man das Tackling aus dem Rugby nimmt, was ist dann noch übrig? Wenn wir das wirklich an unseren Schulen machen, haben wir eines unserer großen kulturellen Spiele verloren."