Von Thomas Becker

Das geht ja gut los. Die WM hat noch gar nicht angefangen und schon muss Deutschlands mutmaßlich einziger Kicker von Weltformat das Handtuch werfen. Schlimme Sache? Nö.

"Michael musste am Mittwoch das Training abbrechen. Es schaut so aus, dass er nicht auflaufen kann. Wir hoffen, dass er beim zweiten Spiel zur Verfügung steht." So weit der Bundestrainer kurz vor dem Abflug der Nationalmannschaft von Berlin nach München, wo es morgen zum WM-Auftakt gegen Costa Rica geht.

Was tun ohne Ballack?

Abklatschen mit dem Stellvertreter: Ballack übergibt an Borowski. (© Foto: ddp)

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Ja, und jetzt? Was soll bloß werden? Die Klinsmann-Idee mit dem Titel holen gegen die Brasilianer, Holl- und Engländer dieser Welt ist ja schon ein - vorsichtig ausgedrückt - eher sportliches Ziel. Aber ohne die Nummer eins mit der 13? Ist das nicht wie ein Zwölfzylinder ohne Gangschaltung? Ist es nicht, keine Panik.

Natürlich birst der deutsche Kader wahrlich nicht gerade vor Weltklassekickern, die nur auf ihre Einsatzchance lauern. Doch die Ballack-Position ist mit dem Bremer Borowski einfach zu besetzen - und das nicht unbedingt schlechter. Der Ausfall von Klose oder Frings würde das Team härter treffen, da dort die Alternativen schwächer sind. Zudem könnte auch im Nationalteam der Geht-auch-ohne-ihn-Reflex greifen, wie das beim FC Bayern in schöner Regelmäßigkeit der Fall war. Kaum fehlte der große Zampano beim deutschen Meister, zeigten seine Nebenleute plötzlich ungeahnte Fähigkeiten.

Aber ohne den Kapitän die WM im eigenen Land zu eröffnen, ist natürlich bitter. Bernd Schneider, Dienstältester mit 64 Länderspielen, wird wohl die deutsche Mannschaft zur Hymne führen - als wortgewaltiger Anführer ist er bislang nicht aufgefallen. Sehr böse Zungen behaupten ja, Ballacks Wadenzwicken hänge ursächlich mit seinem letzten Erlebnis in der Allianz Arena zusammen. Bei seiner Verabschiedung vom FC Bayern wurde der Bald-Londoner von den Fans gnadenlos ausgepfiffen: vor dem Spiel, bei der Meisterehrung und nochmal bei der Feier auf dem Münchner Marienplatz. Das hat auch den kühlen Profi Ballack nicht kalt gelassen.

Nun wird er wohl erst am nächsten Mittwoch gegen Polen dabei sein - in Dortmund. Um die Allianz Arena kommt Ballack aber sowieso nicht rum: Hier spielt der Sieger der Gruppe A am 24.Juni das Achtelfinale. Und bis dahin sollte man längst vergessen haben, ob Ballack, Borowski oder Odonkor gegen Costa Rica dabei waren.

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(sueddeutsche.de)