Flügelflitzer: Geschlechterfragen Diese Frau ist ein Pferd

Eine Umfrage unter US-Journalisten ergab: Die zweitbeste Athletin 2009 ist eine Stute. Was soll die Frauenforschung nur damit anfangen?

Von Thomas Hummel

Der Fall könnte etwa an der Freien Universität Berlin für Aufsehen sorgen. In der dortigen "Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauen- und Geschlechterforschung" wird seit 1981 in den sogenannten Gender studies gerne die Rolle der Frau beleuchtet in einer von männlichen Maßstäben dominierten Welt.

Die fünfjährige Stute Zenyatta hat einiges geleistet, alle 14 Profirennen gewonnen. Doch macht sie das zur Athletin des Jahres?

(Foto: Foto: AP)

Doch die Frauenforschung muss sich nach einer neuesten Entwicklung in den USA vermutlich völlig neu erfinden. Das ist eine ernste Angelegenheit, weil erstens diese Forschung in den USA ihren Ursprung nahm und zweitens die USA sowieso immer allen voraus sind und der Welt zeigen, was das Morgen bringt. Trendsetter halt.

Mehr Muskeln als die meisten Frauen

Journalisten der Associated Press, einer Nachrichtenagentur mit Hauptsitz in New York City, wählten als ihre Athletin des Jahres Serena Williams. Auch wenn die Tennisspielerin viel mehr Muskeln hat als die meisten Frauen auf dieser Welt, kann keine Frauenforschung der Welt etwas dagegen einwenden - Williams gewann die wichtigen Turniere in Wimbledon und Australien und steht auf Platz eins der Frauen-Weltrangliste. Eine gute Wahl.

Auch gegen die Drittplatzierte, die Belgierin Kim Clijsters, ist nichts zu sagen. Sie ist ebenfalls Tennisspielerin und hat in diesem Jahr bewiesen, dass man auch als Mutter siegen kann. Auf Rang vier landete die Skifahrerin Lyndsay Vonn, Gesamtweltcup-Siegerin im Vergleich mit anderen Frauen. Eine weitere tadellose Wahl. Doch bei Platz zwei griffen die US-Journalisten ein wenig daneben. Da muss ein Irrtum vorliegen.

Ein Pferd, wenngleich ein weibliches

Den zweiten Platz belegte Zenyatta. Zenyatta ist im Sinne der Geschlechterforschung keine Frau. Zenyatta ist ein Pferd, wenngleich ein weibliches. Die fünfjährige Stute hat zugegebenermaßen einiges geleistet, hat alle ihre 14 Profirennen gewonnen und 2009 als erste, na ja, Pferdefrau den in Amerika hoch renommierten Breeders' Cup Classic. Und das gegen, nun ja, Pferdemänner!

Eine ganz und gar unrepräsentative Spontan-Umfrage unter Menschenfrauen zu dieser Rangliste ergab eine Gemütslage zwischen Verblüffung, Ärger und Belustigung. Von "unglaublicher Frechheit" und der Vermutung, da hätten wohl nur Männer abgestimmt, bis zu der nüchternen Einschätzung: "Ein Pferd ist keine Athletin". Von "Ich lach' mich schlapp" bis zu dem unter Gelächter angestrengten Versuch, Serena Williams und die ungeschlagene Stute sprachlich in eine Kategorie zu pferchen. Für die Associated Press heißt die Kategorie jedenfalls "Female Athlete".

Was macht nun die Frauenforschung mit diesem neuen Phänomen? Nicht mehr nur Männer streiten mit den Frauen um Ränge und Preise, nun kommen auch noch weibliche Tiere um die Ecke.

Und die Männer? Sind fein raus, lachen sich heimlich in die dicken Fäuste und grinsen sich eins, wenn jemand die Benachteiligung der Frau in der Gesellschaft anprangert. Bei den Männern gewann den AP-Preis übrigens, klar, ein Autofahrer: der Nascar-Pilot Jimmie Johnson. Was gibt es Männlicheres als einen Autofahrer? Und so ein Rennfahrer hat ja auch eine geradezu animalische Art hinterm Steuer.