Die europäischen Fußballklubs drücken Schulden in Milliardenhöhe. Die unverschämt hohen Gehälter sind die Triebfeder der Abwärtsspirale.
Zunächst ein Glückwunsch nach Mönchengladbach: Ein Wirtschaftsanalyst hat festgestellt, dass Borussia Mönchengladbach durchschnittlich elf Tage vor dem vereinbarten Termin seine Rechnungen begleicht, womit die Borussia zumindest in der deutschen Zahlungsmoral-Tabelle Spitzenreiter wäre. Schlusslicht wäre der VfB Stuttgart, dessen Verzug von 20 Tagen allerdings geradezu lachhaft erscheint im Vergleich zum AC Mailand, wo Rechnungssteller mithin 81 Tage nach Fristende warten müssen.
Trotz finanzieller Probleme bezahlen die Vereine ihren Spielern unverschämt hohe Gehälter. (© Foto: Istock)
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Weitere Zahlen: Die Schuldenlast der Bundesliga ist auf 610 Millionen Euro gestiegen, aber die Verbindlichkeiten der italienischen Serie A liegen bei über zwei Milliarden Euro. Und: Allein Manchester United drückt ein Gesamtminus von 800 Millionen Euro.
Angesichts derartiger Rechnereien ist es schön, aus Nyon zu hören, dass die Uefa aufgewacht ist. Man wolle etwas unternehmen, heißt es, man sei in Sorge. Der Ruf nach Kostensenkung ist im Fußball ja schon länger immer wieder zu vernehmen; Uefa-Präsident Michel Platini zum Beispiel hatte im Sommer vergangenen Jahres angeregt, Klubs, die drei Jahre hintereinander das Geschäftsjahr mit Verlust beenden, aus dem Europapokal auszuschließen. Das Projekt "Financial Fairplay" wurde ersonnen, eine Studie durchgeführt. Dies ist also das Ergebnis des Erwachens: Im Lizenzierungsverfahren wird verankert, dass jeder Klub nur noch so viel ausgeben darf, wie er einnimmt.Eine fürwahr geniale Idee.
Und doch auch ein Armutszeugnis für den Profifußball, eine solch simple Rechnung per Vorschrift diktiert bekommen zu müssen.
Ist nicht das Lizenzierungsverfahren an sich das Problem? Deutschland etwa stellt sich gerne als Musterland der Lizenzierung dar, ungeachtet der scharfen Kritik von mehreren Finanzexperten, die unlängst befanden, das Lizenzierungsverfahren der Bundesliga sei unseriös, weil es sich nur mit der Liquidität einer einzigen Saison befasse, wodurch eine Verschleierung der Finanzsituation möglich wäre. Nun: Die Profiklubs erhalten ihre Lizenz von der DFL, und die DFL ist ein Zusammenschluss aller Profiklubs.
Die desaströse Finanzlage in Fußballeuropa wird sich so schnell kaum ändern. Ein Lösungsansatz könnte eine Gehaltsobergrenze sein, doch die ist schwer umsetzbar, deshalb werden die hohen Gehälter weiterhin die Triebfeder der Abwärtsspirale sein. Um das zu erkennen, braucht man keinen Doktortitel in Betriebswirtschaft - und keinen Bericht der Uefa.
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
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(SZ vom 28.01.2010/jüsc)
Harte Kritik des Bayern-Präsidenten
Irgendwann müsste doch ein irgendwie geartetes Insolvenzrecht greifen. Das gibts doch nicht nur in Deutschland, wo es ja allem Anschein nach auch nicht greift. Nun, das ist ja nicht das eigentliche Problem. Problematisch finde ich, dass bei einer Schieflage der Vereine ganz ganz oft der Steuerzahler eingreifen muss, wie in Madrid (und meines Wissens auch in Kaiserslautern? - vielleicht wissen einige andere mehr?) Das führt dann zu dem abstrusen Vorschlag von Vordenker Hoeneß, von jedem Fernsehzuschauer einen Obulus zur Finanzierung der Bundesliga einzufordern. Hoffentlich erweist sich Uli nicht auch hier, wie so oft, als Vordenker.
Zitat: "Dies ist also das Ergebnis des Erwachens: Im Lizenzierungsverfahren wird verankert, dass jeder Klub nur noch so viel ausgeben darf, wie er einnimmt.Eine fürwahr geniale Idee."
Was wollen Sie, Herr Neudecker?
Die Fußballfunktionäre machen lediglich im Kleinen das, was andere Polit- und Parteifunktionäre ihnen im großen Stil vormachen. Eine jahrelang ohne Sinn und Verstand auf Pump finanzierte Sause, um das Publikum zu unterhalten. Erst wenn der Laden heruntergewirtschaftet ist, gibt es das böse Erwachen bzw. das Publikum bekommt von den Entscheidungsträgern die Rechnung präsentiert.
Will man denn bei der UEFA überhaupt etwas ändern? Wie finanziert die UEFA sich denn?
Es fragt sich, ob man das Wort "Fußballklub" überhaupt noch benutzen sollte. In der Regel handelt es sich um sehr kommerzielle Unternehmen.
Und wenn die nun in den Schulden stecken, haben sie eben falsch gewirtschaftet.
Mit Sport hat das nichts mehr zu tun.