Fifa Weltfußballerwahl à la Monty Python

Zwei Galas binnen weniger Wochen - wer blickt da noch durch? Intransparenz bleibt auch unter dem neuen Boss Gianni Infantino das geheime Geschäftsprinzip der Fifa.

Kommentar von Claudio Catuogno

Die Dinge so zu regeln, dass draußen in der normalen Welt möglichst keiner durchblickt, war seit jeher eine Art geheimes Geschäftsprinzip des Fußball-Weltverbands. Und auch wenn Gianni Infantino, der neue Fifa-Boss, intern kaum einen Stein auf dem anderen lässt - in Sachen Intransparenz führt er das Erbe seines Vorgängers Sepp Blatter in bemerkenswerter Kontinuität fort. Insofern ist es jetzt nur konsequent, dass man auch bei der eher einfachen Frage nach dem besten Fußballer des Jahres den Überblick verloren hat.

Wie oft war Cristiano Ronaldo jetzt Weltfußballer? Wie viele "Goldene Bälle" hat er gewonnen? Und was hat das eine mit dem anderen zu tun?

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Statt den "Ballon d'Or" vergibt die Fifa jetzt die "The Best Awards"

Aus gegebenem Anlass ein kurzer Überblick: Von 1982 bis 1990 wurde bereits ein inoffizieller Weltfußballer-Titel von der Fachzeitschrift World Soccer vergeben, ab 1991 gab es eine offizielle Fifa-Wahl (die World-Soccer-Nummer bestand fort, verlor aber an Bedeutung). Seit 1956 wiederum gibt es den "Ballon d'Or", verliehen von der Fachzeitschrift France Football. Der goldene Ball ging bis 1995 aber nur an europäische Spieler und dann bis 2007, unabhängig von der Nationalität, an solche, die in einer europäischen Liga aktiv waren. Eine Art "Europas Fußballer des Jahres" also (ein Titel, den inzwischen die Uefa vergibt). Ab 2007 sollte dann auch der Ballon d'Or den besten Fußballer des Planeten ehren, in Konkurrenz zur Fifa-Wahl. Nur zwischen 2010 und 2015 war es einfach: Fifa und France Football taten sich mit dem "FIFA Ballon d'Or" zusammen.

Doch nun ist wieder alles anders: Die Fifa ließ den Vertrag auslaufen, France Football macht mit dem Ballon d'Or wieder ihr eigenes Ding. Und die Fifa erfand die "The Best FIFA Football Awards".

Es wäre auch eine Überraschung gewesen, wenn Infantino ausgerechnet diese Verbindung in die Vergangenheit nicht gekappt hätte. Die engen Drähte zur Pariser Mediengruppe Amaury hatte noch Blatters Generalsekretär Jérôme Valcke geknüpft; der ist längst fristlos entlassen. Nun also: "The Best FIFA Football Awards". Dass es einer Sache eher nicht dient, wenn alle sie für sich in Anspruch nehmen, weiß man eigentlich spätestens, seit in dem Monty-Python-Klassiker "Das Leben des Brian" die Volksfront von Judäa mit der Judäischen Volksfront über Kreuz lag. Andererseits: Vom Glanz des Fußballs wollen halt viele ein paar Strahlen abhaben. Und so lange sich Sponsoren finden, die zwei Galas binnen weniger Wochen bezahlen, auf denen dann immer irgendwie ein Weltfußballer gewählt wird, im Zweifel derselbe, kann es den Veranstaltern ja egal sein, dass in der Welt da draußen vor allem Beliebigkeit ankommt.

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